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Hella Gutmann

CheckPoint: Outsorcing als Option

Hella Gutmann bietet mit CheckPoint ein eigenes Konzept. Unter dem Slogan „Werkstatt hilft Werkstatt“ sollen sich anspruchsvolle Tätigkeiten an besondere Service-Standorte auslagern lassen.

Um bei den technischen Innovationen am Ball zu bleiben bzw. den rechtlichen Anforderungen nachzukommen, müssen Servicebetriebe häufig in neues Werkstattequipment investieren. In Zeiten von Kurzarbeit und Betriebsschließungen sitzt das Budget im Automotive Aftermarket derzeit aber nicht locker. Ein Angebot von Hella Gutmann könnte somit (ungeplant) zur rechten Zeit kommen: Der Werkstattausrüster etabliert derzeit mit Pilotbetrieben ein Werkstattsystem unter dem Motto „Werkstatt hilft Werkstatt“. Komplexe Services lassen sich dort als Dienstleistung beauftragen. Hella Gutmann befähigt dafür besondere Kompetenzcenter unter der Marke „CheckPoint – das Kalibrier- und Diagnose-Center powered by Hella Gutmann“. Diese sollen schlechter ausgestattete Werkstätten beispielsweise bei Diagnose, Kalibrierungen von Fahrerassistenzsystemen und ähnlichen, komplexen Services zur Hand gehen.

Nach dem Abschluss einer Pilotphase mit zehn Partnern sollen im ersten Halbjahr 2020 erste Franchises in Betrieb gehen, hieß es anlässlich einer Präsentation Anfang des Jahres im Partnerbetrieb Scuderia Neuser. Auf dessen Grundstück in Nürnberg betreibt Hella Gutmann einen CheckPoint in Eigenregie. Werkstätten im Raum Nürnberg sind seither eingeladen, das Angebot zu nutzen und Services auszulagern. Zu den Schwierigkeiten bei der Akquise in Zeiten der Pandemie befragt, erklärte Jürgen Hofmann gegenüber amz. „Die Akquise für CheckPoint läuft trotz der Corona-Krise ungebremst weiter. Wir freuen uns über das starke Interesse seitens Karosserie- und Lack-Spezialisten wie auch von Multimarkenwerkstätten und vertragsgebunden Werkstätten. Besonders zukunftsorientierte Unternehmen scheuen auch in der momentanen Situation nicht den Invest, sondern sehen die Chance.“ Zudem zeigten auch die Handelspartner Interesse, das CheckPoint-Konzept in die eigenen Franchisekonzepte zu integrieren, erklärte der Leiter Aftermarket Services bei Hella Gutmann. Gemäß der aktuellen Ausgabe des hauseigenen Magazins „Matrix“ gibt es eine ehrgeizige Zielsetzung: Deutschlandweit sollen bis Ende 2020 etwa 100 Werkstätten in das CheckPoint-Konzept aufgenommen werden.

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Warum benötigen Werkstätten Unterstützung und wo liegt der Vorteil, Arbeiten auszulagern? Die Experten von Hella Gutmann erinnerten an aktuelle und künftige Herausforderungen. Die werden nicht weniger: Neuerungen seitens der Fahrzeughersteller, wie Diagnoserestriktionen für nicht autorisierte Personen und die Umstellung auf digitale Servicehefte, verlangen nach neuen Arbeitsabläufen unter teilweisem Einbezug der OE-Portale (siehe Beitrag auf Seite 34). Dasselbe gilt für Komponentenfreischaltungen oder Neubeschreibungen von Steuergeräten via PassThru. Hinzu kommen ADAS-Kalibrierungen, Einstellungen adaptiver Lichtsysteme sowie der Service von Elektrofahrzeugen. Nicht alle Werkstätten hätten sich bisher auf all diese Themen vorbereitet oder seien dazu in der Lage.

Gebündelte Kompetenz für neue Abläufe

Die Idee von CheckPoint: Allen freien Werkstätten Zugang zu modernsten Reparatur- und Wartungsmethoden, schnellen Zugängen zu OE-Daten und Top-Know-how zu bieten – in gewisser Weise ist dies als Stärkung des freien Reparaturmarktes zu sehen. Schließlich soll durch „die Gründung mehrerer CheckPoints zusammen mit Partnern aus dem Handel und mit leistungsstarken Werkstätten ein flächendeckendes Netz [geschaffen werden], das freie Werkstätten auf dem Weg in die Zukunft begleitet“, so der O-Ton. Wie hoch der Aufwand ist, beschrieb man beispielhaft anhand des CSC-Tool mit digitalen Kalibriertafeln für Frontkameras der neusten Fahrzeugbaureihen. Selbst an noch nicht in der mega macs-Software enthaltenen Fahrzeugen könnten dank CheckPoint-Expertise und über das Remote-Verfahren fachgerechte Kalibrierungen erfolgen – ein Novum, das für Glas-, Karosserie- und Lackspezialisten einen echten Mehrwert bedeute, hieß es.

CheckPoint-Standard

Das Unternehmen aus dem Südwesten der Republik hat eine Ruf zu verlieren – entsprechend hoch sind die Anforderungen an künftige CheckPoints: Mindestgröße, besondere Lichtverhältnisse und thermische Bedingungen, nivellierte Aufstandsflächen für Fahrzeuge und spezifische IT-Voraussetzungen. Außerdem gehören die aktuellen Hella Gutmann-Geräte zum CheckPoint-Standard. Und nicht zuletzt steht ein hohes Ausbildungsniveau der Mitarbeiter im Fokus: Für den Know-how-Transfer, der nach dem „Train-the-Trainer“-Prinzip geplant ist, gibt es Weiterbildungen für einzelne Mitarbeiter der Partnerbetriebe – diese geben ihr Wissen dann im eigenen Unternehmen weiter. So zumindest war der Stand vor den pandemiebedingten, behördlich vorgegebenen Hygiene- und Abstandsregeln.