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Foto: amz – Marcel Schoch
Nicht nur bei hochpreisigen Sportwagen kann die Thermografie Klarheit darüber geben, ob das Fahrzeug unfallfrei ist.

Thermografie

Mit Wärmebildern versteckte Unfallschäden aufdecken

Einen reparierten Unfallschaden an einem Fahrzeug zu finden, ist auch für Sachverständige nicht immer leicht. Neben der üblichen Lackschichtdickenmessung bietet sich jetzt auch die Thermografie als Untersuchungsmethode an.

Alexander Holz, Geschäftsführer der Firma „Kfz Messtechnik“ im SiriusBusiness-Park im Westen Münchens ist weit über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt als Experte für Fahrzeugvermessung bekannt. Neben der Rahmen- und Achsvermessung von Unfallfahrzeugen und dem Aufdecken von Tachomanipulationen konzentriert sich der Betrieb auch auf die sogenannte Thermografie. Mittels dieser Methode lassen sich verdeckte Unfallschäden oder mangelhaft reparierte Karosserieschäden bildlich darstellen und belegen.

Das Knowhow von Alexander Holz nutzen hauptsächlich Sachverständige, die für Versicherungen, Leasingunternehmen oder im Bereich Oldtimer tätig sind. Vor allem wenn der Verdacht besteht, dass Unfallschäden, die nicht vom Leasingnehmer oder Verkäufer angegeben wurden, vorliegen. Aber auch Privatkunden, die gebrauchte Hochpreis-Fahrzeuge oder Oldtimer gekauft haben, kommen zu Holz, denn als eines der wenigen Unternehmen in diesem Bereich bietet der unabhängige ISO-zertifizierter Meister- und Ingenieurbetrieb gerichtsfeste Gutachten an.

Komplettes Fahrzeug wird erfasst

„Bei der aktiven Thermografie handelt es sich um ein berührungsloses und zerstörungsfreies Verfahren, mit dem reproduzierbare Bilder vom Fahrzeug aufgenommen werden können, anhand derer sich Unregelmäßigkeiten in der Karosseriestruktur deutlich erkennen lassen“, erklärt Alexander Holz. Vorteil des von Holz weiterentwickelten Bildverfahrens ist es, dass im Gegensatz zur konventionellen Lackschichtdickenmessung nicht nur punktuelle Messwerte in Form von Zahlen ermittelt werden können, sondern das komplette Fahrzeug erfasst wird. Das Ergebnis liegt dann als sogenanntes Thermobild vor. Dabei wird bei der Thermografie der Umstand genutzt, dass verschiedene Materialien die Wärme unterschiedlich ableiten bzw. abstrahlen. Werden dann mit einer Wärmebildkamera Bilder vom Fahrzeug aufgenommen, lassen sich anhand des Wärmemusters auf der Karosserie Rückschlüsse auf den Untergrund ziehen.

Was einfach klingt, setzt recht viel Erfahrung und das entsprechende Equipment voraus. So ist die Wärmebildkamera auf einen selbstfahrenden Wagen montiert. Dieser ist in der Lage, neben dem zu vermessenden Fahrzeug absolut parallel herzufahren und dabei Wärmebilder aufzunehmen. „Damit diese gelingen, sind auf dem Fotowagen spezielle Wärmelampen installiert“, so Holz. „Soll ein Bild aufgenommen werden, bleibt der Fotowagen stehen, die Kamera richtet sich automatisch auf die zu messende Fläche am Fahrzeug und die Wärmelampen beleuchten für wenige Sekunden die Karosserie.

Diese kurze Zeit genügt, dass sich die Karosserie leicht erwärmt und nach Abschalten der Lampen unmittelbar darauf ein Wärmebild aufgenommen werden kann.“ Soll nun das gesamte Fahrzeug im Wärmebild dargestellt werden, fährt jetzt der Kamerawagen automatisch ca. einen Meter weiter und nimmt, wie beschrieben, das nächste Bild auf. Auf diese Art können um das gesamte Fahrzeug herum, Bilder aufgenommen werden. Auch von oben und unten kann das Fahrzeug thermografisch fotografiert werden. Hierzu hat Alexander Holz einen beweglichen Fotokran konstruiert, der, ähnlich wie der Fotowagen, Bildreihen aufnehmen kann.

Aus Einzelbildern entsteht ein Gesamtbild

Doch mit den aufgenommenen Einzelbildern ist es noch nicht getan. Damit diese Aussagekraft erhalten, werden sie mit einem speziell programmierten Fotoprogramm zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Anschließend kann das Gesamtbild koloriert werden, um Temperaturunterschiede deutlicher darzustellen. „Das Kolorieren hilft zum Beispiel, großflächige Spachtelfelder auf der Karosserie deutlich von der Umgebung abzuheben“, erklärt Holz. „Je nach eingestellten Farbverlauf lassen sich so kühle und warme Bereiche beispielsweise mit rotem und blauem Farbverläufen darstellen.“ Dicke Spachtelbereiche unterscheiden sich wegen ihrer schlechten Wärmeleitfähigkeit deutlich von den wärmeren Blechbereichen. Damit wird vor allem vor Gericht das Gutachten für die meist technisch nicht so versierten Juristen aussagekräftiger.

Neben dem übermäßigen Einsatz von Spachtel lassen sich mit der Thermografie aufgrund der unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeit auch schlechte Schweißnähte, unterschiedlich dicke Blechstärken und sogar der Einsatz verschiedener Materialien problemlos aufdecken. „Für mich als Kfz-Sachverständiger sind die Bilder eine optimale Ergänzung“, sagt Wolfgang Droschzak, Kfz-Sachverständiger und Oldtimer-Experte aus München. „Vor allem wenn ich bereits einen Anfangsverdacht habe, kann Alexander Holz diesen meist mit der Thermografie untermauern.“ So lassen sich mit den Wärmebildern das Ausmaß von Unfallschäden millimetergenau ausmessen, ohne dass das Fahrzeug zerlegt oder der Lack abgeschliffen werden muss. Für Sachverständige wie Wolfgang Droschzak ergeben sich hier zahlreiche Möglichkeiten, ihre Gutachten noch differenzierter und genauer ausarbeiten zu können.

Deutlich genauere Gutachten

So kann Droschzak speziell im Bereich der Oldtimer beispielsweise das Ausmaß originaler Werksverzinnungen für die Fahrzeug-Dokumentation genau aufzuzeigen. Aber auch Informationen, wo Rostschäden lediglich durch Spachtel großflächig abgedeckt wurden, können so in die Fahrzeugdokumentation für seine Wertermittlung miteinfließen. „Die Kooperation mit Alexander Holz versetzt mich in die Lage, im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen, meine Marktwert-Gutachten im Bereich Oldtimer, aber auch meine Restwertgutachten für Unfallfahrzeuge und für Leasingrückläufer noch genauer ansetzen zu können“, so Droschzak. Doch auch Holz profitiert im Gegenzug von Droschzak Erfahrungen. So erfährt der erfahrene Messtechniker wichtige Detailinformationen zur Lack-, Instandsetzungs- und Restaurationsqualität.

Wolfgang Droschzak ist jedenfalls überzeugt davon, dass die Thermografie, genauso wie die Lackschichtdickenmessung, bald zu den Standardinstrumenten der Kfz-Gutachter gehören wird. Auch wenn die Kosten der Thermografie heute noch im unteren vierstelligen Bereich liegen, sind diese im Vergleich zum Schaden, den ein Käufer hat, vergleichsweise gering. Droschzak und Holz denken hier vor allem an Fahrzeuge, deren Wert deutlich über 50.000 Euro liegt. Holz: „Ab dieser Größenordnung rentiert es sich für Betrüger, Unfälle zu kaschieren, da die Gewinnspannen entsprechend dem vermeintlichen Fahrzeugwert höher ausfallen.“ Aus diesem Grund verlangen heute schon einige Versicherer, die die Methode kennen, von Droschzak, dass bereits bei einem Anfangsverdacht auf Unfallvertuschung eine Thermografie durchgeführt werden soll. Das wundert nicht, denn zusammen mit der Thermografie bilden die jahrelangen Erfahrungen des Sachverständigen Droschzak und des Messtechnikers Holz für Kunden aber auch für Werkstätten und Autohändler einen erheblichen Mehrwert auf dem Markt.

Kontakt:

https://kfzmesstechnik.de

https://wdcarmanagemen.de

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Um jederzeit reproduzierbare Thermobilder anfertigen zu können, müssen die Prüfbedingungen immer gleich sein.
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Der Fotowagen fährt absolut parallel neben dem Fahrzeug her, während er automatisch Bilder aufnimmt.
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Vor jedem Bild wird das Fahrzeug für wenige Sekunden mit Wärmelampen angestrahlt.
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  Die Zeitphasen zwischen Thermofotografie und Wärmebestrahlung sind genau festgelegt.
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Die Zeitphasen zwischen Thermofotografie und Wärmebestrahlung sind genau festgelegt.
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Bereits nach einer ersten Bildbearbeitung können Spachtelarbeiten unter dem Blechkleid des Ferrari ausgemacht werden.
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Auch die schlechten Spaltmaße bestätigen, dass hier ein Unfallschaden schlecht instandgesetzt wurde.
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Mit diesem Fotokran kann Alexander Holz Fahrzeuge von oben und auch von unten thermografisch aufnehmen.
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Alexander Holz und Wolfgang Droschzak (rechts) arbeiten bereits seit vielen Jahren erfolgreich zusammen.