Image
Verbogene oder korrodierte Gewinde (Rost oder Aluminiumoxid) sind häufig der Grund für defekte Gewinde.
Foto: Marcel Schoch
Verbogene oder korrodierte Gewinde (Rost oder Aluminiumoxid) sind häufig der Grund für defekte Gewinde.

Basiswissen

Gewinde ausgerissen – und was nun?

Gewinde zu reparieren klingt leicht, doch es die hohe Schule der Metallbauwerkstatt. Peter Götzinger, Materialexperte aus Freising, verrät in unserem zweiteiligem Artikel Tricks und Kniffe der Gewindereparatur.

Jeder Mechaniker hat das schon erlebt. Schraubverbindungen lassen sich nicht mehr anziehen und gehen ohne Anzugspunkt „sahnig“ durch. Wird die Verbindung dann geöffnet, kommt oft das Gewinde mit heraus. „In so einem Fall heißt es erst einmal tief Luft holen“, rät Peter Götzinger. „Denn für eine gute Gewindereparatur braucht man Ruhe und gutes Werkzeug.“

Bei Gewindeschäden prüft Götzinger zuerst, ob das alte Gewinde noch reparabel ist. Nicht immer muss bei Durchgangs- oder Grundlochgewinden das Gewinde kaputt sein. Denn bei schlechter Schraubenqualität oder falscher Materialpaarung kann es auch sein, dass das Schraubengewinde aufgegeben hat. Schrauben lassen sich leicht ersetzen. Trotzdem muss man sich das Durchgangs- oder Grundlochgewinde genau ansehen, da Reste des kaputten Schraubengewindes sich noch darin finden und das Eindrehen der neuen Schraube verhindern können.

Wer es trotzdem mit Gewalt versucht, die neue Schraube einzudrehen, zerstört spätestens jetzt das bis dahin noch rettbare Gewinde. Dashalb empfiehlt Götzinger, das Gewinde nachzuschneiden. Bei unlegierten oder mildlegierten Stählen kann dies mit einem Einschnittgewindebohrer erfolgen. Für hochlegierte Stähle braucht es jedoch Gewinde-Vor-, Gewinde-Nach- und zuletzt einen Gewinde-Fertigschneider.

Image
Speziell bei der Materialpaarung Aluminium/Stahl gibt oft das Aluminium-Gewinde auf.
Foto: Marcel Schoch
Speziell bei der Materialpaarung Aluminium/Stahl gibt oft das Aluminium-Gewinde auf.

In einem Zug schneiden

„Das Schneiden muss sorgfältig und möglichst in einem Zug geschehen“, unterstreicht Götzinger, der stets den Gewindebohrer mit Schneidöl beträufelt, damit er sich leichter drehen lässt und der Schnitt „sauberer“ wird. Bei Grundlochgewinden muss gelegentlich mit einem Fertigschneider nachgearbeitet werden. Der Grund dafür ist, dass Einschnittgewindebohrer etwa auf ein Drittel ihrer Länge von ihrer Spitze aus gesehen den Gewinde-Vor- und Gewinde-Nach-Schneider integriert haben. „Je nach Einschnittgewindebohrer-Typ ist das Gewinde dann nicht auf seiner gesamten Länge fertig nachgearbeitet, wenn der Bohrer auf den Grund des Grundlochgewindes stößt, erklärt Götzinger.“

Nach dem Nachschneiden wird das nachgearbeitete Gewinde mit Druckluft ausgeblasen (Achtung: Unbedingt eine Schutzbrille tragen). Bei Außengewinden ist der Aufwand geringer. Hier kommen Nachschneidmuttern oder Schneideisen zum Einsatz. Mit ihnen sollte ebenfalls möglichst in einem Zug das Gewinde nachgeschnitten werden.

Neu schneiden mit Formel

Ist das Gewinde unrettbar zerstört, muss es neu geschnitten werden. Das geht nur, wenn genügend Material um die Gewindebohrung herum vorhanden ist. Denn man muss es für die nächst größere Schraubengröße aufbohren. War das ursprüngliche Gewinde M8, wird jetzt ein M10-Gewinde hergestellt. Um hierbei die richtige Bohrergröße auszuwählen, muss man die Steigung des nächst größeren Gewindes kennen. Wir bleiben beim Beispiel M10-Schraube. Sie hat eine Gewindesteigung 1,5. Diesen Wert zieht man von 10 ab und erhält 8,5. Um eine entsprechende Gewindebohrung herstellen zu können, muss daher ein 8,5-Millimeter-Bohrer verwendet werden.

Beim Aufbohren des alten Gewindeloches ist darauf zu achten, dass der Bohrer senkrecht in das Loch geführt wird. Für diesen Zweck ist eine Standbohrmaschine ideal, in die das Bauteil eingespannt und ausgerichtet werden kann. Doch in vielen Fällen kann das Bauteil nicht unter einer Standbohrmaschine gelegt werden, da es zu groß oder am Fahrzeug verbaut ist. Ein gutes Augenmaß und/oder ein zweiter Mann, der einem beim Ausrichten der Bohrmaschine behilflich ist, führt hier zu den besten Arbeitsergebnissen.

Image
Mit dem Einschnittgewindebohrer wird in einem Zug das neue Gewinde in das Aluminium-Durchgangsgewindeloch geschnitten.
Foto: Marcel Schoch
Mit dem Einschnittgewindebohrer wird in einem Zug das neue Gewinde in das Aluminium-Durchgangsgewindeloch geschnitten.

Späne frisst sich leicht fest

Ist das Loch gebohrt, benötigt man wie bei der Gewindereparatur wieder den Einschnittgewindebohrer. Auch hier muss das Schneiden möglichst in einem Zug zu erfolgen. Selbstredend kommt auch Schneidöl zum Einsatz. „Manchmal ist es aber nicht möglich, das Gewinde in einem Zug zu schneiden, weil sich die Späne am Gewindebohrer fressen“, macht Götzinger auf ein Bearbeitungsproblem aufmerksam. Wenn der Gewindebohrer anfängt, sich schwer drehen zu lassen, muss er daher herausgedreht, gereinigt und neu geschmiert werden, bevor das Gewinde weiter geschnitten werden kann.

Gewinde reparieren: Ausgebüchst

Es gibt Fälle, da kann ein defektes Gewinde in einem Schraubenloch nicht auf das nächste Schraubenmaß aufgebohrt werden. Was dann zu tun ist, erklärt Materialexperte Peter Götzinger im zweiten Teil unserer Mini-Serie zum Thema Gewindereparatur.
Artikel lesen

Insbesondere bei Grundlochgewinden setzt sich die Späne leicht fest, da sie nicht nach unten wegfallen kann. Deshalb sollte auch hier das Loch unter Beachtung der UVV mit Pressluft ausgeblasen werden. „Wenn die Späne sich zu fressen beginnen, merkt man es auch daran, dass es beim Schneiden zu knirschen beginnt“, ergänzt Götzinger. Wer dann trotzdem weiter schneidet, zerstört das neu geschnittene Gewinde, da die Späne zwischen Bohrer und Gewindegang zermahlen wird. Manchmal muss bei Grundlochgewinden noch das Gewinde mit dem Fertigschneider nachbearbeitet werden, damit es vollständig durchgängig ist. Ob diese Arbeit nötig ist, hängt jedoch wesentlich von der Einschraubtiefe der Schraube ab. Sie sollte daher vor dem Schneiden noch ausgemessen werden.

Wenn das Nachschneiden eines Gewindes nicht mehr funktioniert, gibt es weitere Methoden der Gewindereparatur, die zum Erfolg führen. Im zweiten Teil dieses Artikels wird sie Peter Götzinger uns erklären.

Image
Spezielle bei Aluminium muss das Gewinde vor dem Eindrehen der Schraube penibel sauber gemacht werden.
Foto: Marcel Schoch
Spezielle bei Aluminium muss das Gewinde vor dem Eindrehen der Schraube penibel sauber gemacht werden.
Image
Zur Montage der Gewindebuchse muss sie auf das Eindrehwerkzeug bis zum Anschlag aufgedreht werden.

Basiswissen

Gewinde reparieren: Ausgebüchst

Es gibt Fälle, da kann ein defektes Gewinde in einem Schraubenloch nicht auf das nächste Schraubenmaß aufgebohrt werden. Was dann zu tun ist, erklärt Materialexperte Peter Götzinger im zweiten Teil unserer Mini-Serie zum Thema Gewindereparatur.

    • Werkzeuge
Image
Bildunterschrift: Die KÜS testete neun Wagenheber im Praxisvergleich.

Neun leichte Wagenheber im Test

Wagenheber im KÜS-Test: Auf und nieder

Ob Reifenwechsel oder kleine Reparaturen am Auto – der Rangierwagenheber ist im Werkstattalltag unentbehrlich. Die Exemplare aus Aluminium sind bis zu 20 Kilogramm leichter als die 2,5-Tonnen-Wagenheber aus Stahl mit bis zu 40 Kilogramm Gewicht.

    • Werkstatt-Ausrüstung, Werkzeuge
Image
Die Mängelquote bei Nutzfahrzeugen liegen auf konstant hohem Niveau.

TÜV-Report

Jedes fünfte Nutzfahrzeug fällt durch die HU!

Bei der Hauptuntersuchung fallen 19,6 Prozent der Nutzfahrzeuge durch. Hohe Mängelquoten bei Kleintransportern und schweren Lkw. Wartungsmentalität entscheidender Faktor für Abschneiden bei der TÜV-Prüfung. Mängel an Rückleuchten und Ölverlust häufigster Grund zur Beanstandungen.

    • Abgasuntersuchung
Image
NKWpartner_04-21_001_16-9.jpeg

Nfz-Werkzeuge

Tolle Tools für schwere Jungs

Nutzfahrzeugtaugliche Werkzeuge sind für die Wartung und Reparatur von Lkw, Anhängern und Bussen unerlässlich. Für knifflige Fälle sind Spezialwerkzeuge notwendig, mit denen sich auch schwierige Reparaturaufgaben effektiv und sicher bewältigen lassen. Wir stellen einige Highlights vor.

    • Nutzfahrzeuge