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Der Standort im Bremer Stadtteil Horn besteht insgesamt aus drei Gebäuden. 
Foto: Ingo Jagels
Der Standort im Bremer Stadtteil Horn besteht insgesamt aus drei Gebäuden. 

Caravan-Reparatur

Mehr als ein Nischengeschäft

Das  Fahrzeug-Reparatur-Zentrum Bollwinkel aus Bremen repariert bereits seit dem Jahr 2008 Wohnmobile und Wohnwagen. Die Norddeutschen zählen damit zu den Pionieren der Karosseriebranche.

Man muss nicht selber Camper sein, um mit seinem Karosseriebetrieb professionelle Reparaturen von Reisemobilen anzubieten. Ein Vorteil ist es aber ganz sicher, die Bedürfnisse dieser besonderen Kundschaft verstehen und nachvollziehen zu können. Torsten Stüting, Geschäftsführer des Fahrzeug-Reparatur-Zentrums Bollwinkel in Bremen, ist Camper durch und durch – schon als Kind war er mit seinen Eltern regelmäßig im Wohnwagen unterwegs. Diese Erfahrung hat sicherlich mit dazu beigetragen, den eigenen Karosserie- und Lackierbetrieb bereits 2008, also lange Zeit vor dem großen Camping-Boom der letzten Jahre, um dieses Aufgabengebiet zu erweitern.

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Torsten Stüting ist Karosserie- und Lackiermeister und Geschäftsführer der Werner Bollwinkel GmbH.
Foto: Ingo Jagels
Torsten Stüting ist Karosserie- und Lackiermeister und Geschäftsführer der Werner Bollwinkel GmbH.

„Für Besitzer von Wohnmobilen und Wohnwagen war es noch nie einfach, einen geeigneten Reparaturbetrieb zu finden. Diese Servicewüste hat mich schon immer gestört. “, erklärt Stüting. Den Grund dafür sieht er in dem traditionell wenig ausgeprägten Interesse der Handelsbetriebe, sich auch um Reparatur und Service zu kümmern. „In erster Line wollen die Händler Neufahrzeuge verkaufen.“

In den vergangenen Jahren hat sich das Bild zwar ein Stück weit geändert, aber gleichwohl sind es immer noch verhältnismäßig wenige Betriebe, die sich diesem Thema widmen. Mittlerweile dürfen rund 120 Werkstätten das 2015 ins Leben gerufene Zertifikat „Caravan-Fachbetrieb“ des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) tragen. So richtig viel ist das angesichts des aktuellen Fuhrparkbestands von rund 1,6 Mio. Reisemobilen in Deutschland aber immer noch nicht. So ist es wenig verwunderlich, dass manch ein Kunde eine recht weite Anreise in Kauf nimmt, um sein Fahrzeug professionell reparieren zu lassen. Torsten Stüting berichtet von einem aktuellen Fall: „Wir hatten gerade einen Wohnwagenbesitzer aus Hildesheim in der Werkstatt. Der Lackierer vor Ort hatte dem Kunden gesagt, er wolle sich ‚mal irgendwann‘ Gedanken machen, wie er den Schaden reparieren könne. Nach einer Google-Suche ist er dann zu uns gekommen, auch wenn er dafür zwei Stunden fahren musste.“

Groß dimensionierte Werkstatt

Die ab dem Jahr 2001 am Standort im Bremer Stadtteil Horn in mehreren Etappen errichteten drei Gebäude für Fahrzeugannahme, Werkstatt, Karosseriearbeiten und Lackierung wurden von Anfang an so dimensioniert, dass auch an größeren Fahrzeugen gearbeitet werden kann. So haben die Tore eine Einfahrtshöhe von 4,10 m, die Deckenhöhe liegt bei 7,20 m. Zudem gibt es Zwei-Säulen-Hebebühnen mit einer Traglast von fünf Tonnen. Somit können auch Wohnmobile problemlos auf eine Höhe von zwei Metern angehoben werden.

Je nach Auftragslage arbeiten im Fahrzeug-Reparatur-Zentrum Bollwinkel acht bis zehn der insgesamt 45 Mitarbeiter an Reisemobilen. Das Tätigkeitsspektrum umfasst praktisch alle Reparatur- und Wartungsarbeiten – sowohl an den Basisfahrzeugen als auch an den Camping-Aufbauten. „Der Grundgedanke ist, dass der Wohnmobilfahrer hier alles bekommt. Das bringt uns hier den erforderlichen Zulauf“, unterstreicht Geschäftsführer Stüting. Einen wesentlichen Anteil daran habe auch die Mitgliedschaft im Bosch-Werkstattkonzept. Die Hauptzeit für die Arbeit an den Campern läuft nach seinen Worten von Oktober bis Februar. Ab März werde es dann deutlich weniger und spätestens mit Beginn der Camping-Saison seien nur noch „Notfälle“ in der Werkstatt zu finden.

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Hier packt der Chef noch mit an. Die Zwei-Säulen-Hebebühne kann problemlos auch größere Wohnmobile aufnehmen. 
Foto: Ingo Jagels
Hier packt der Chef noch mit an. Die Zwei-Säulen-Hebebühne kann problemlos auch größere Wohnmobile aufnehmen. 

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Caravangeschäft ist für die Firma Bollwinkel der Verkauf und der Einbau von Zubehörartikeln. Denn eines ist klar: an jedem Reisemobil lässt sich irgendetwas nachrüsten oder verbessern. Das riesige Angebot des Marktes reicht vom Fahrradträger bis hin zu vollständigen Luftfederungslösungen mit aktiven Stoßdämpfern für die Vorder- und Hinterachse, mit deren Hilfe sich nicht nur das Fahrzeug auf Knopfdruck nivellieren lässt, sondern die den Fahrer auch noch über das aktuelle Fahrzeuggewicht und die noch mögliche Zuladung informieren.

Jedes Fahrzeug ist anders

Auch wenn die Norddeutschen über die Jahre vielfältige Kompetenzen bei der Arbeit erworben haben – ganz ohne die Mithilfe anderer Gewerke geht es bei Reisemobilen nicht. Wenn beispielsweise nach einem Unfall der Alkoven beschädigt ist, muss in vielen Fällen ein Tischler für die Arbeit an den Holzmöbeln zu Rate gezogen werden. Da ein Wohnmobil auch über einen regulären Stromanschluss verfügt, ist regelmäßig auch der Elektriker gefragt. Die eigentliche Herausforderung liegt laut Torsten Stüting aber vielmehr darin, dass man bei der Reparatur von Reisemobilen immer wieder vor neuen Aufgaben steht: „Jedes Fahrzeug ist anders – man ist immer wieder ein Pionier und muss überlegen, wie man bei der Arbeit am besten vorgeht.“ Erschwerend komme noch hinzu, dass es praktisch keine Reparaturanleitungen gebe, auf die man zurückgreifen könnte.

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Torsten Stüting zeigt einen typischen Schaden an der Außenhaut eines Wohnwagens. 
Foto: Ingo Jagels
Torsten Stüting zeigt einen typischen Schaden an der Außenhaut eines Wohnwagens. 

Dass es nur wenige standardisierte Tätigkeiten gibt, hat auch erheblichen Einfluss auf die Kalkulation der anstehenden Arbeiten. Stüting: „Man kann sich nicht wie bei einem Auto einfach hinsetzen und die benötigten Komponenten im System anklicken. Ein Wohnmobil ist daher grundsätzlich nur durch Eigenerhebung zu kalkulieren. Es fließen immer Erfahrungswerte ein, und die Preise für die Ersatzteile müssen vorher abgefragt werden.“

Die größte Hürde beim Einstieg in die Thematik ist für den Geschäftsführer aber weniger die fachliche Seite, sondern eher die menschliche. Stüting: „Wir haben es im Caravanbereich mit ganz anderen Kunden zu tun. Und wenn man bedenkt, dass wir nicht selten komplett gepackte Fahrzeuge in der Werkstatt haben, greifen wir auch ein Stück weit in die Intimsphäre der Menschen ein. Daher braucht man für den Umgang mit den Kunden oftmals ein hohes Maß an Sensibilität. Wenn das vorhanden ist, hat man als Unternehmer viel Freude an dem Thema.“

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Es gibt viel zu tun

Nach dem Boom der vergangenen Jahre ist der Bestand an Reisemobilen in Deutschland mittlerweile auf über 1,6 Mio. Fahrzeuge gewachsen. Viel Potenzial also für Karosseriebetriebe – der Einstieg ist allerdings nicht ganz einfach. Unterstützung leistet der ZKF.

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