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Foto: Chris Warzel/Fliegl
Der Betriebsdruck sollte regelmäßig überprüft werden. Ein zu hoher Druck kann für Folgeschäden sorgen.

Anhängerkupplung

Hydraulikservice: Unter Druck gesetzt

Ob an Bau- oder Landmaschinen, Lkw oder Anhängern – ohne Hydrauliksysteme geht bei vielen Nutzfahrzeugen nichts. Zwei Experten geben Tipps zur richtigen Wartung und Reparatur von Hydraulikkomponenten.

Wenn der armdicke Hydraulikschlauch eines Baggers oder die dünne Leitung einer Ladebordwand platzt, drohen ein längerer Arbeitsausfall und hohe Kosten, weil die Maschine stillsteht. Die gute Nachricht: Schlauchplatzer lassen sich meist vermeiden, wenn man den Schlauch regelmäßig oder bei deutlich sichtbaren Scheuerstellen erneuert.

Erhard Milke ist Operations Director bei Pirtek, einem Hydraulikservice-Unternehmen mit bundesweit 85 Standorten und 320 Servicefahrzeugen. Er berichtet, dass Schläuche im normalen Betrieb recht selten platzen. Meist sind es Gewaltschäden, etwa wenn ein Abrissbagger mit einem Schlauch an einem Stahlstück hängenbleibt und der Schlauch abreißt. Doch auch durch Folgeschäden können Schläuche unbrauchbar werden: „Wenn die Ummantelung beschädigt ist, kann Wasser eindringen. Dadurch rosten die Stahllagen und irgendwann platzt der Schlauch“, berichtet Milke. Hydraulikschläuche bestehen aus einer Druckträgerschicht und mehreren Stahllagen, die von einer Deckschicht überzogen sind; bei Baumaschinen kommt häufig noch ein Scheuerschutz hinzu. 

Deutlich häufiger zu beobachten sind Undichtigkeiten, hervorgerufen durch Schmutz an den Kupplungen. „Saubere Hydraulikkupplungen sind das A und O, egal an welcher Maschine“, sagt Chris Warzel. Er ist Handwerksmeister für Karosserie- und Fahrzeugbau beim Trailerhersteller Fliegl in Triptis. Fast täglich arbeitet er an Hydraulikanlagen: Ob an der Kipphydraulik eines Sattelkippers, an hydraulischen Verdeckbetätigungen oder Lenkachsen – überall sorgen Pumpen, Öl und Schläuche für Bewegung. Die an den Kupplungen befestigten Schutzkappen seien kein unnützes Beiwerk, sondern durchaus sinnvoll. Fällt eine Kupplung doch einmal aus Versehen in den Schmutz, sollte sie vor dem Anstecken gründlich mit einem Lappen gereinigt werden. Gelangen kleine Sandkörnchen durch verschmutzte Kupplungen in das Hydrauliksystem, kann dies Beschädigungen und Undichtigkeiten an Ventilen oder Aktoren verursachen. Je nach Anschlussvariante erfolgt das Abdichten entweder über eine rein metallische Dichtfläche über einen Konus oder mit einer zusätzlichen Dichtung wie einem O-Ring. Bei einem Wechsel der Leitungen oder Kupplungen sollten, falls vorhanden, Dichtringe immer mit erneuert werden.

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Foto: Chris Warzl/ Fliegl Alter Hydraulikschlauch: Dieser poröse und gequetschte Hydraulikschlauch hat seine besten Zeiten hinter sich – ein Austausch war dringend nötig.

Hydraulikschläuche unterliegen der natürlichen Alterung, sie härten aus, Ummantelungen werden porös. Länger als vier Jahre sollten sie nicht gelagert werden, dabei gilt: kühl, trocken, ohne direkte Sonneneinstrahlung und ohne Verschmutzungen lagern. Als Richtwerte für das von der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) empfohlene Wechselintervall gelten sechs Jahre bei normaler und zwei Jahre bei starker Beanspruchung. In der Praxis werde das empfohlene Intervall jedoch von einigen Betreibern deutlich überzogen, berichtet Erhard Milke. Die Pirtek-Servicetechniker weisen dann darauf hin, denn selbst winzige Löcher im Schlauch können dramatische Folgen haben. Bei Arbeiten an Hydraulikanlagen gilt: Wenn man nicht genau weiß, was man tut, Finger weg – sonst ist unter Umständen die Hand weg. Werden unter Druck stehende Leitungen gelöst oder tritt Öl durch eine kleine Beschädigung mit hohem Druck aus, kann es zu Öleinspritzungen unter die Haut und in das Gewebe kommen. „Wir vergleichen das mit dem Biss einer Giftschlange. Man hat eine giftige Flüssigkeit im Körper, die sofort raus muss“, erklärt der Experte von Pirtek. Es gibt Bilder, bei denen eine Hand auf die dreifache Größe geschwollen ist; ohne schnelle Behandlung im Krankenhaus droht die Amputation. Daher niemals Verschraubungen lösen, wenn nicht sicher ist, ob die Anlage drucklos ist. „Nicht jeder Bediener weiß, wie ein Hydrauliksystem drucklos gemacht wird. Auch wenn ein Baggerarm am Boden ist, kann der Schlauch dennoch unter Druck stehen“, sagt Milke.

Werkstattpersonal, das beispielsweise am Kippauflieger einen Standard-Hydraulikschlauch tauscht, kann auf das entsprechende Ersatzteil zurückgreifen. Bei der Identifizierung und Bestellung hilft ein Blick auf den alten Schlauch: Dort stehen neben dem Typ unter anderem der Betriebsdruck (oft abgekürzt mit WP für „working pressure“), das Produktionsdatum und die Nennweite – also der Innenquerschnitt. Komplizierter wird die Ersatzteilidentifizierung, wenn etwa eine Baumaschine nicht aus Europa, sondern Übersee kommt. Einige Fabrikate verwenden manchmal unterschiedliche Gewinde und Dichtungssysteme. In den Servicefahrzeugen haben die Pirtek-Techniker jedoch rund 90 Prozent aller gängigen Schläuche und Anschlüsse an Bord und können direkt vor Ort neu konfektionieren.

Umgang mit dem richtigen Hydrauliköl

Chris Warzel von Fliegl gibt noch einen Montagehinweis: „Fest montierte Hydraulikschläuche sind ab Werk in einem korrekten Radius verlegt. Muss ein Schlauch ausgetauscht werden, darf der Radius nicht enger werden, auch Knicke direkt hinter dem Anschluss sind zu vermeiden.“ Zudem ist bei der Befestigung darauf zu achten, die Schläuche nicht zu quetschen oder in sich zu verdrehen. Muss nach dem Schlauchwechsel Hydrauliköl nachgefüllt werden, ist unbedingt auf die richtige Viskosität zu achten – ein Blick ins Handbuch bzw. Datenblatt hilft, zumal sich Hydrauliköle in ihren Eigenschaften stark voneinander unterscheiden können. Auch sollten Bio- und Nicht-Bio-Öle nicht gemischt werden, sagt Erhard Milke von Pirtek. Er weist zudem darauf hin, dass beim Neubefüllen des Systems aus Fässern das Hydrauliköl unbedingt gefiltert werden muss, da die Fassware in der Regel nicht den Qualitätsanforderungen entspricht: „Auch wenn es länger dauert, der Einfüllfilter sollte nicht umgangen werden.“ Um Schmutz und Abrieb aus dem Hydrauliköl zu entfernen, ist der regelmäßige Filterwechsel Pflicht.

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Foto: Chris Warzl/ Fliegl Beschriftung: Alle relevanten Daten wie Typ, Produktionsjahr, Betriebsdruck und Querschnitt sind auf den Schläuchen aufgeprägt.

Und wie steht es um die Hydraulikpumpen? „Pumpenschäden kommen relativ selten vor, die häufig verwendeten Zahnradpumpen sind sehr robust. Axialkolbenpumpen hingegen sind wesentlich komplexer aufgebaut, und reagieren daher auch empfindlicher auf mangelhafte Anlagenwartung“, berichtet Chris Warzel. Das hinter der Hydraulikpumpe verbaute Druckbegrenzungsventil sorgt für den korrekten Arbeitsdruck. Im Rahmen der regelmäßigen Wartung sollte der Druck mit einem Manometer geprüft und falls nötig eingestellt werden – ein zu hoher Betriebsdruck kann Folgeschäden verursachen.

Kurz und knapp: Mit etwas Pflege, regelmäßigen Ölwechseln und dem rechtzeitigen Austausch beschädigter Schläuche kann teuren Ausfällen vorgebeugt werden. (Mathias Heerwagen)

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Foto: Chris Warzl/ Fliegl Schutzkappen halten die Anschlüsse sauber und verhindern Beschädigungen im Hydrauliksystem.

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Foto: Chris Warzl/ Fliegl Durch solch verschmutzen Anschlüsse gelangt Dreck ins Hydrauliksystem. Ein regelmäßiger Filterwechsel beugt Schäden vor.