Foto: Volkswagen

Zum Tod von Ferdinand Piëch

Ein ganz Großer

Mit kaum einem anderen Namen ist die Geschichte von Volkswagen so verbunden wie mit dem von Ferdinand Piëch. Nun ist der Mann, der die Geschicke des Konzerns von 1993 bis 2015 lenkte, erst als Vorsitzender des Vorstands, dann des Aufsichtsrats, überraschend verstorben.

Geboren wurde Ferdinand Piëch in Wien am 17. April 1937 als Sohn des Anwalts Anton Piëch und seiner Frau Louise, Tochter von Ferdinand Porsche. Sein beruflicher Weg führte ihn entsprechend nachvollziehbar zu Porsche, wo er 1963 nach dem Maschinenbaustudium unter den Fittichen seines Onkels Ferry Porsche seine Karriere startete. Bereits 1965 stieg er zum Leiter der Entwicklungsabteilung auf und avancierte 1971 zum „technischen Geschäftsführer“.

Als Anfang 1972 die Porsche/Piëch-Familie entschied, dass sich alle Familienmitglieder aus der Firmenleitung zurückziehen müssten, hätte das einen Karriereknick bedeuten können, aber Ferdinand Piëch gründete kurzerhand in Stuttgart ein Konstruktionsbüro für die Motorenentwicklung und entwickelte dort einen Fünfzylinder-Diesel – nicht für Porsche, sondern für die Konkurrenz von Daimler-Benz, die das Aggregat als OM 617 ab 1974 im Mercedes 240D 3.0 verbaute.

Schon im August 1972 ging es aber wieder zurück in die Industrie, jetzt bei der VW-Tochter Audi NSU Auto Union AG in Ingolstadt, wo er 1975 in den Vorstand aufrückte. 1988 wurde er Vorsitzender der Audi AG und prägte in den Folgejahren das neue Markenbild von Audi.

1993 folgte er dann Carl Hahn als Vorstandvorsitzender der Volkswagen AG nach und konsolidierte den defizitären Konzern mit allen Mitteln. Dabei musste Piëch auch manche Untiefe umschiffen, etwa nachdem er 1993 José Ignacio López bei GM abgeworben hatte, was eine Affäre um Industriespionage nach sich zog.

Piëch bekam die damaligen Qualitätsprobleme bei Volkswagen, teilweise auch durch einen eigenen zu rigorosen Sparkurs verursacht, allmählich in den Griff und begründete somit maßgeblich den heutigen guten Ruf der Marke. VW ging auf Expansionskurs: Nach Seat und Skoda kam die Marke Bentley im Zuge des Kaufs der britischen Firma Rolls Royce Motor Cars in den Konzern (nicht jedoch die Marke Rolls Royce, an der BMW die Rechte hatte), ebenso 1998 die italienische Luxus-Sportwagenmarke Bugatti, die wiederbelebt wurde, und im gleichen Jahr Lamborghini. Aber Piëch intensivierte die Aktivitäten des Konzerns auch in anderen Geschäftsfeldern, etwa im Nutzfahrzeugbereich, für den Scania und MAN übernommen wurden, oder im Bereich der Motorräder, für den man sich Ducati in den Konzern holte.

Er verteidigte den Konzern letztlich gegen die Übernahme durch die Hintertür, die Porsche ab 2005 unter Wendelin Wiedeking versuchte. Er schreckte dafür auch nicht davor zurück, der eigenen Porsche/Piëch-Familie die Stirn zu bieten. Der Versuch von Porsche scheiterte und mündete 2009 in Piëchs größten Sieg: Volkswagen „fusionierte“ offiziell mit Porsche – aber zu den Bedienungen von VW, denn der Sportwagenbauer hatte sich finanziell verhoben. Zeitweilig wurde aber auch gegen Piëch wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt.

Piëchs Ära bei Volkswagen endete schließlich im April 2015, nachdem er sich mit seinem langjährigen Wegbegleiter Martin Winterkorn, inzwischen Vorstandsvorsitzender bei VW und Porsche, überworfen hatte. Bei Porsche blieb er bis 2017 im Aufsichtsrat.

Ferdinand Piëch verstarb am Sonntagabend überraschend in einem Krankenhaus in Rosenheim, nachdem er bei einem Restaurantbesuch kollabiert war. Er wurde 82 Jahre alt.

Piëch hinterlässt seine Ehefrau Ursula, mit der er drei Kinder hatte. Weitere neun oder zehn Kinder hatte er aus vorherigen Beziehungen und Ehen – darüber differieren die Angaben.

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