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Mit dem auf Brause eingestellten Wasserstrahl wird das Verdeck gründlich eingenässt.
Foto: amz – Marcel Schoch
Bei der Verdeckpflege ist Handarbeit statt moderner Waschanlage mit Chemie gefragt.

Servicetipps

Cabrio-Verdecke: Gut gepflegt in den Winter

Stoffverdecke von Oldtimern brauchen viel Pflege. Jetzt im Herbst ist Zeit, das Verdeck winterfest zu machen. Dabei sind einige Dinge zu beachten

Spätestens wenn die Blätter fallen, ist Zeit das Stoffverdeck vor der letzten Fahrt sorgfältig prüfen und intensiv zu pflegen. Statt moderner Waschanlage mit Chemie sollte bei der Verdeckpflege auf Handarbeit gesetzt werden. Dabei aber keinesfalls einen Hochdruckreiniger verwenden, denn der scharfe Wasserstrahl kann die Textur und die Imprägnierung des Stoffdaches oder die Kunststofffenster nachhaltig zerstören.

Fachgerechte Verdeck-Reinigung heißt, mit viel klarem lauwarmem Wasser den Stoff gut vorzuspülen. Anschließend wird es mit echter Kernseife oder, alternativ hierzu, mit einer Mischung von ein bis zwei Teelöffeln mildem Geschirrspülmittel auf 10 Liter Wasser abgewaschen. Verschmutzungen lassen sich von der Vorderkante des Verdecks nach hinten mit einer weichen Bürste in Laufrichtung des Stoffs, also mit dem Strich, abstreifen. Auf keinen Fall darf hier eine zu harte Bürste oder gar eine Drahtbürste benutzt werden. Wie mit dem Hochdruckreiniger könnte damit die Stoffstruktur unwiederbringlich zerstört werden.

Gut trocknen lassen

Im Anschluss wird das Verdeck noch gründlich nachgespült, um Seifenreste vollständig zu entfernen. Danach lässt man es an einem schattigen Platz gut trocknen, um so hässliche Wasserflecken auf dem Verdeck zu vermeiden. Sollten nach der ersten Hand-Bürstenwäsche noch Verschmutzungen verblieben sein, ist die Anwendung zu wiederholen.

Nach der Trocknung des gereinigten Verdecks sprühen es Pflege-Profis mit einem dafür geeigneten Imprägnierspray ein. Geschieht dies nicht, würde das Stoffverdeck sehr schnell wieder verschmutzen und zudem frühzeitig altern, auch wenn die Dichtigkeit in den meisten Fällen weiterhin erhalten bliebe.

Anschließend müssen alle Gummiteile am Verdeck, den Fenstern und Türen gepflegt werden, um die Lebensdauer dieser Teile zu erhöhen und ihre konstruktive Funktion zu gewähren. Formteile aus Gummi, wie z.B. die Dichtlippen an der Verdeckvorderkante sind mit Gummipflegemittel oder Hirschtalg zu behandeln. Beides beugt der Austrocknung und möglichen Brüchen des Gummis vor. Auch wird das Gummi vor Anfrieren bei Frost geschützt.

Reiniger für die Heckscheibe

Ist die Heckscheibe aus Kunststoff, kann sie bei mangelnder Pflege mit der Zeit erblinden. Auch hier gilt, weiche Lappen und viel Wasser einsetzen. Im Zubehörhandel sind spezielle Heckscheibenreiniger erhältlich. Die bewirken zwar keine Wunder, verbessern die Sicht nach hinten aber deutlich. Bei blinden Scheiben hilft gelegentlich auch Cabrio-Kunststofffenster-Politur. In einigen Fällen soll sogar Zahnpasta als als Politur wieder für Durchsicht gesorgt haben.

Zu beachten ist bei Kunststoffscheiben, dass sie durch alterungsbedingten Verlust der Weichmacher verspröden. Bei zu heftigem Druck oder bei Knickbeanspruchung können sie dann brechen. Dies ist umso eher zu befürchten, je kälter der Kunststoff ist. Aus diesem Grund sollten Reinigungs- und Polierarbeiten nur bei warmem Wetter durchgeführt werden. Hilfreich ist hier auch eine zweite Person, die beim Reinigen oder Polieren auf die Scheibe stützenden Gegendruck von der Innen- bzw. Außenseite ausübt.

Ist die Heckscheibe gebrochen, ist das definitiv ein Fall für den Autosattler. Ein kleiner Trost: Bei den meisten Fahrzeugen gibt es die Kunststoffscheibe als Ersatzteil. Somit können sie, vor allem wenn sie mit einem Reißverschluss eingesetzt sind, problemlos ersetzt werden.

Die Verdeckscharniere sollten gerade jetzt vor einer längeren Standzeit mäßig mit Fett, Teflonspray oder Sprühöl behandelt werden. Insbesondere beim Einsatz von Spray ist darauf zu achten, keine Innenraumteile oder gar den Verdeck- bzw. Himmelstoff zu verunreinigen. Ein Stück Karton, hinter das zu schmierende Gelenk gehalten, verhindert hässliche Schmierstoffflecken zuverlässig.

Windgeräuschen auf der Spur

Ist man schon am Spriegel zugange, sollte man auch gleich prüfen, ob die Spannbänder des Verdecks gerissen oder ausgeleiert sind. Ist das der Fall, sind Windgeräusche wahrnehmbar, da das Verdeck durch den Luftsog bei höherer Geschwindigkeit abhebt und zu flattern beginnt. Häufig kann das Band aber an der gerissenen Stelle von Hand zusammengenäht werden. Da das Band meist weder bei geschlossenem, noch bei zusammengefaltetem Verdeck sichtbar ist, bietet sich diese Lösung oft an. Muss ein Band ersetzt werden, ist es nicht zwingend notwendig ein Originalersatzteil zu kaufen. Man kann sie preiswert und in guter Qualität über Kurzwarengeschäfte beziehen.

Sind die Spannbänder nicht der Grund für erhöhte Windgeräusche, muss man auf Ursachenforschung gehen. Als praktikabel hat sich dabei folgende Methode erwiesen: Vor der Probefahrt werden die wahrscheinlichsten Geräuschherde − die Frontscheibenoberkante, die Verdeckvorderkante und die A-Säulen/ Seitenscheibenvorderkanten mit geeignetem Klebeband flächig abgeklebt. Hat sich hierauf das Geräuschniveau während der Probefahrt deutlich verringert, kann das Band Stück für Stück entfernt werden, bis das Geräusch wieder auftritt. Im umgekehrten Fall klebt man partiell weiter ab, bis das Geräusch schwächer wird.

Richtiges Öffnen und Schließen eines Verdecks

Beim Öffnen des Verdecks können viele Fehler gemacht werden, die Stoff und Heckfenster in Mitleidenschaft ziehen. Ein paar wenige Handgriffe und Umgangsregeln genügen aber, dass es lange Jahre ohne Beschädigungen bleibt.

Die wichtigsten Regeln:

  1. Niemals darf ein nasses oder noch feuchtes Verdeck geöffnet und im Verdeckkasten verstaut werden. Der Verdeckstoff beginnt zu schimmeln und wird spröde und hart.
  2. Wenn möglich, sollte ein Kunststoff-Heckfenster plan in den Verdeckkasten gelegt werden. Hierzu lässt es sich bei vielen Verdecken mit einem Reisverschluss aus dem Verdeckstoff lösen. Wird es nicht mit dem Reißverschluss aus dem Verdeck gelöst, ist beim Öffnen darauf zu achten, dass der Kunststoff des Fensters möglichst ohne Knicke in weichen Bögen im Verdeckkasten verstaut wird.
  3. Beim Öffnen und Zusammenlegen eines Faltverdecks ist darauf zu achten, dass die Falten des Stoffes sich möglichst gleichmäßig legen. Während des Öffnens öfters mit der Hand den Stoff glattstreichen. Das Verdeck immer nach dem werksmäßigen Faltmuster zusammenlegen.
  4. Der Spriegel eines Faltverdecks darf sich beim Öffnen nicht verkanten. Spürt man Widerstand beim Öffnen, sofort nach der Ursache forschen. Niemals mit Gewalt weiter versuchen, das Verdeck zu öffnen.
  5. Wird das Cabriolet längere Zeit abgestellt, muss das Verdeck geschlossen werden. Die Spannung hält den Verdeckstoff in Form und lässt es zudem besser abtrocken.
  6. Ein mit Vogelkot verschmutztes Verdeck ist möglichst schnell zu reinigen. Die Säure im Kot verursacht Flecken und greift den Stoff an. Keinesfalls darf das Verdeck mit dem Kot geöffnet werden.
  7. Ein Verdeck, dass sehr kalt oder sogar gefroren ist, niemals öffnen. Die Gefahr, dass sowohl der Verdeckstoff als auch das Kunststoff-Heckfenster brechen können, ist sehr groß.
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