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Die einstige Fertigungslinie des Kadett in Rüsselsheim
Foto: Stellantis / Opel
Die einstige Fertigungslinie des Kadett in Rüsselsheim

Rückblick

60 Jahre Opel Rekord A/B

Mondäner Lifestyle, den sich Familien leisten konnten, damit avancierte der Opel Rekord A/B vor 60 Jahren zum ersten deutschen Mittelklassemodell in Millionenauflage. In Rüsselsheim wussten sie, was die Bundesbürger wollten.

Wie sich die Zeiten ändern: Heute sind Kleinwagen wie der Opel Corsa die größten Stars in der Neuzulassungsstatistik. Vor 60 Jahren war es dagegen ein Mini-Straßenkreuzer namens Rekord A, der für die bürgerliche Mitte Wirtschaftswunder-Träume wahr machte und Opel Rekordzahlen bescherte. Fast ein Viertel der deutschen Fahrzeugproduktion trug damals das Markensignet des Blitzes, denn in Rüsselsheim wussten sie besser als in Wolfsburg oder Köln, was karrierehungrige Bundesbürger wollten: Bezahlbare Statussymbole nach neustem amerikanischem Schick. Glamour für wenig Geld, damit ließ der Opel Rekord A im Stil eines amerikanischen Chevrolet Konkurrenten wie den Ford Taunus 17 M alt aussehen. Und mit optionalem 2,6-Liter-Sechszylinder düpierte er auf Autobahnen sogar Mercedes 200 und „Neue Klasse“-BMW. „Er ragt deutlich in eine höhere Klasse hinein“ und „Stolz auf den stattlichen Wagen“ lauteten die Slogans der Opel-Marketing-Strategen, die 1964 „Ein Jahr Rekord – ein Rekord Jahr“ feierten. Tatsächlich eroberte der glattflächig gezeichnete Rekord in den Verkaufsscharts Platz zwei hinter dem VW Käfer. Wohlstand für alle, dieses Kalkül ging für Opel mit dem Rekord A auf, zumal die Rüsselsheimer gleichzeitig Rekordgewinne erzielten.

Der Opel-Produktionsausstoß stieg damals um fast 50 Prozent und der Reingewinn der deutschen Tochter des Detroiter GM-Konzerns um über ein Drittel, denn der Trapezstil im mondänen US-Look erwies sich für den Rekord A und die 1965 folgende Faceliftversion Rekord B als Erfolgsrezept. Ob als zwei- und viertürige Limousine, elegantes Coupé, exklusives Cabriolet, familienfreundlicher Kombi „Caravan“ mit zwei Kubikmetern Ladevolumen oder als nutzwertiger Schnelllieferwagen, der Rekord setzte Maßstäbe. „Rekord à la carte“, tönte eine Marketingkampagne, die zugleich ein damals fast einzigartiges Individualisierungsprogramm promotete: „Täglich werden 1400 Rekord-Wagen gebaut. Viele mit Stahlkurbeldach, Scheibenbremsen… in 13 einfarbigen und 15 zweifarbigen Lackierungen, mit Kunststoff- und Lederpolstern. Nur wenige Rekord-Wagen ähneln einander wie ein Ei dem anderen.“

Und das alles zu Discount-Preisen ab 6.830 Mark, alle Wettbewerber im damals stattlichen Format von 4,51 Metern Länge waren teurer, Volvo Amazon oder die BMW Neue Klasse sogar um rund 50 Prozent. Tatsächlich übertrumpfte der große Volks-Opel in den Absatzzahlen sogar den gerade erst eingeführten und nur gut 1.000 Mark billigeren Kleinwagen Kadett (A), mehr noch: Am Ende ihrer drei Jahre währenden Bauzeit übersprangen die Rekord-A/B-Typen als erste deutsche Mittelklasse-Reihe die Million-Hürde mit knapp 1,2 Millionen verkauften Einheiten.

Als „Familienauto mit Sportwagencharakter“ trug der Rekord B ab Ende der 1960er moderne Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle, fünffach gelagerter Kurbelwelle und schräggestellten Ventilen unter der Haube, die bis zu 66 kW/90 PS freisetzten. Damals genug Power, um mit Porsche 912 oder BMW 1800 gleichzuziehen. Obendrein gab es weiterhin den großvolumigen Sechszylinder, dessen 74 kW/100 PS im Rekord B genügten, den frischen Rivalen aus Köln (Ford 20 M TS) zu übertreffen. Das Rekord Coupé-6 konnte sich sogar auf Augenhöhe mit dem damals viel beachteten italienischen Designjuwel Ford Osi oder dem BMW 2000 C halten und einen Hauch Gran-Turismo-Glanz vermitteln, zumal in neu eingeführten edel schimmernden Metallic-Lackierungen.

Wolfram Nickel/SP-X

 

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