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Eine der größten Ikonen der Automobilgeschichte: Mercedes-Benz Typ 300 SL W 198 aus dem Jahr 1954
Foto: © Daimler AG
Eine der größten Ikonen der Automobilgeschichte: Mercedes-Benz Typ 300 SL W 198 aus dem Jahr 1954

Rückblick

70 Jahre Mercedes-Benz 300 SL

Heute wertvollster Oldtimer der Welt, damals futuristischer und furios schneller Technologieträger, der Mercedes 300 SL „Gullwing“ schreibt seit 70 Jahren Sportwagengeschichte.

Vor 70 Jahren war es das frühe Jet-Zeitalter, das die amerikanischen Autobauer zu Dreamcars inspirierte, die mit Designmerkmalen aus dem Flugzeugbau die Zukunft in aufregende Formen gießen sollten. Aber dann präsentierte Mercedes-Benz im Frühjahr 1954 auf der „International Motor Sports Show“ in New York ein Fahrzeug, das dem Fortschritt Flügel verlieh, die bis heute unerreicht verführerisch sind: Der technisch visionäre Supersportler Mercedes 300 SL (W 198), in den USA „Gullwing“ (Möwenschwinge) genannt, strahlte so hell, dass er 1999 den Award „Sportwagen des Jahrhunderts“ gewann.

Für Faszination sorgen die Flügeltüren, wenn sie sich erheben und den Weg in einen knapp geschnittenen Innenraum freigegeben. Entstanden war der 300 SL zunächst 1952 als erfolgreicher Rennwagen (W 194), aber dann konnte der amerikanische Mercedes-Importeur Maximilian „Max“ Hoffman den Vorstand der damaligen Daimler-Benz AG zur Entwicklung der extrem schnellen, aber exorbitant teuren Straßenversion (W 198) überreden. Tatsächlich fand dieser Traumwagen bis 1957 insgesamt 1.400 Käufer, davon etwa 1.100 in den USA. Vor allem aber legte der Gullwing den Grundstein zur SL-Dynastie, die als Roadster immer neue Kultmodelle lanciert, von der „Pagode“ über den R 107 bis zum V12.

Das Design des 300 SL begeisterte auch die Amerikaner, folgte es doch aerodynamischen Grundsätzen, verzichtete auf modische Gimmicks, war stattdessen seiner Zeit voraus: Selbst im Stillstand schien das Fahrzeug stets auf dem Sprung nach ganz vorn. Letztlich aber waren es die neuartigen Flügeltüren, die den Sechszylinder zum Mythos machten, der von New York bis Hollywood sogar weit leistungsstärkeren V8 oder V12 die Show stahl.

Fungieren Flügeltüren heute oft nur als Blickfang, hatten sie beim 300 SL mit Leichtbau-Gitterohrrahmen eine konstruktiv bedingte Ursache. An den Seitenflanken war der Rohrrahmen so hoch, dass nur am Dach angeschlagene Türen eine ausreichend große und als Nebeneffekt spektakuläre Einstiegsöffnung boten. Damit die Beine des Piloten einfacher in Richtung Pedale eingefädelt werden konnten, ließ sich das Lenkrad nach unten klappen. Seinem Typencode SL für „Super-Leicht“ wurde der Sportler alternativ durch eine Teil- oder optional Voll-Aluminiumkarosserie gerecht, jedenfalls garantierte der aus dem Typ 300 „Adenauer-Mercedes“ bekannte, aber mit Finessen wie einer Benzin-Direkteinspritzung auf 158 kW/215 PS erstarkte 3,0-Liter-Sechszylinder brillante Fahrleistungen. Bis zu 260 km/h betrug seine Endgeschwindigkeit. In einer Zeit als der VW Käfer mit Anlauf 112 km/h erreichte und sich Verkehrsplaner für schnelle Pkw wie die 145 bis 160 km/h flotten Porsche 356 eine separate Autobahnspur wünschten, wirkte der 300 SL wie ein erdgebundener Überschalljet.

Sein eigentliches Revier fand der Nachfolger des Flügeltürers aber in den Händen des Jetsets und Geldadels in den Hügeln von Beverly Hills oder auf Kudamm und Corniche: Insgesamt 1.858 Einheiten des 300 SL Roadsters legten zusammen mit dem schon seit 1954 gebauten, Vierzylinder-Typ 190 SL die Basis für bis heute über 750.000 verkaufte offene Mercedes SL. Damit liegt der Luxus-Zweisitzer im Ranking der bis heute meistverkauften Roadster auf Platz zwei hinter dem Mazda MX-5.

Apropos Preise: Hier entthronte der Gullwing-SL alle anderen automobilen Kunstwerke. Schon als Neuwagen kostete er mindestens 29.000 Mark, zu einer Zeit, als die Deutschen nur durchschnittlich knapp 4.000 Mark im Jahr verdienten und ein Käfer mit 3.950 Mark in der Preisliste stand. Seit 2022 ist das teuerste Auto aller Zeiten ein Mercedes 300 SLR von 1955. 135 Millionen Euro erzielte dieses einstmals dem Mercedes-Ingenieur Rudolf Uhlenhaut dienende Coupé in einer Auktion, fast drei Mal so viel wie der vorgehende Rekordhalter, ein Ferrari 250 GTO von 1962.

Wolfram Nickel/SP-X

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