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LKQ

Auf dem Weg zur Einheit

Der US-amerikanische Teilehändler LKQ hat in Europa seit 2011 nicht weniger als 70 Akquisitionen getätigt. Arnd Franz ist seit dem 1. Oktober Chef von LKQ Europe. Im amz-Interview erklärt er die strategischen Ansätze für die Zukunft.

Herr Franz, seit einem halben Jahr sind Sie jetzt für LKQ Europa tätig, vor wenigen Wochen haben Sie das Amt des CEO übernommen. Wie verlief der Wechsel von einem Zulieferer in den Teilehandel?

Arnd Franz: Die Branche als solche ist ja nicht neu für mich. Von 2006 an war ich bei Mahle bis zu meinem Ausstieg für den Aftermarket zuständig. Als General Manager war ich dort sieben Jahre lang hauptverantwortlich für das Aftermarket-Geschäft. Auch in der Zeit, als bei mir der Erstausrüstungsvertrieb im Fokus stand, habe ich verschiedene IAM-Brancheninitiativen weiter begleitet. Beispielsweise war ich im Gesellschafterausschuss von Tec Alliance und bei VREI/Aampact aktiv. Insofern ist mir der Aftermarket sehr gut bekannt, neu ist aber natürlich die Perspektive aus Sicht des Handels und die damit zusammenhängenden spezifischen Fragen.

Was ist Ihre Hauptaufgabe bei LKQ?

Arnd Franz: LKQ hat seit 2011 über 70 Akquisitionen in Europa getätigt. Es geht jetzt vor allem darum, aus diesen vielen Bausteinen ein Unternehmen zu formen. Dabei erweist es sich als großer Vorteil, dass wir bei den Zukäufen in den jeweiligen Märkten großen Wert darauf gelegt haben, führende Unternehmen zu erwerben, sodass wir uns voll auf die Integration konzentrieren können. Mit Restrukturierungen oder ähnlichen Dingen müssen wir uns nicht beschäftigen.

Wie gehen Sie konkret vor?

Arnd Franz: Wir sind aktuell mit vielen unterschiedlichen Plattformen unterwegs, die aus der Historie der einzelnen Unternehmen stammen. Damit meine ich nicht nur die eingesetzten ERP-Systeme, sondern auch spezifische Lösungen wie Katalogsysteme oder Logistikprogramme. Wir investieren daher aktuell erhebliche Mittel, um unsere Gesellschaften in Europa auf einheitliche Geschäftsprozesse und Lösungen zu bringen.

Welche Strategie verfolgen Sie in der Logistik?

Arnd Franz: Wir verfügen über eine Reihe von großen Zentrallagern. In Deutschland nutzen wir das Stahlgruber-Zentrallager, was jetzt auch die Versorgung bis in den Norden Deutschlands übernimmt. Ein wichtiger Schritt war im vergangenen Jahr die Errichtung eines Zentrallagers für Großbritannien und Irland. Als Nächstes planen wir ein neues Lager für die Beneluxländer. Die Strukturen in den anderen Märkten werden wir uns natürlich auch noch anschauen. Im Bereich Logistik werden wir also weiterhin erheblich investieren.

In Europa sind Sie aktuell in 21 Ländern aktiv. Aus Bulgarien ziehen Sie sich aber zurück, wie gerade zu lesen war. Was ist der Grund?

Arnd Franz: In Bulgarien sind wir ein Joint Venture eingegangen, indem wir unser Unternehmen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Elit Kar eingebracht haben. Das hängt damit zusammen, dass wir gerne unter den führenden Unternehmen in einem Land sind, um die notwendigen Größeneffekte zu bekommen. Das können wir in Bulgarien zusammen mit Elit Kar besser erreichen als alleine.

Sie haben in den vergangenen Jahren europaweit diverse Unternehmen übernommen. Haben Sie damit eine angemessene Arbeitsgröße erreicht oder sind weitere Zukäufe zu erwarten?

Arnd Franz: In den nächsten ein, zwei Jahren werden wir uns auf das Thema Integration konzentrieren. Wir schließen aber nicht aus, dass wir weitere Akquisitionen tätigen werden. Der Fokus liegt aber auf der Zusammenführung der heutigen Unternehmen, um gemeinsame Plattformen zu schaffen. Dabei geht es in erster Linie darum, den gemeinsamen Einkauf voranzutreiben und gemeinsame Sortimentsstrategien zu entwickeln. Auch wollen wir unsere Eigenmarken weiter stärken. Diese haben wir in einigen Ländern schon gut positioniert, im Rest Europas haben die Marken aber noch erhebliches Wachstumspotenzial.

Stichwort Konzentrationsprozess: Wie beurteilen Sie aktuell das Wettbewerbsumfeld?

Arnd Franz: Der Markt ist weiterhin in Bewegung. Das wird schon daran deutlich, dass in letzter Zeit durchaus einige Zukäufe bekannt gegeben worden sind. In diesem Zusammenhang muss man aber auch sehen, dass der europäische Markt für Kfz-Ersatzteildistribution nach wie vor sehr fragmentiert ist. Selbst in einer Größenordnung, die LKQ in Europa mittlerweile erreicht hat, repräsentieren wir nur einen Marktanteil im einstelligen Prozentbereich. Wir gehen daher davon aus, dass eine weitere Konzentration auf dem Markt stattfinden wird. Dafür kann es verschiedene Gründe geben, oft spielt eine fehlende Perspektive für die Nachfolge im Unternehmen eine Rolle beim Verkauf.

Sind die Unternehmen des Teilehandels potent genug, um die zukünftig notwendigen Investitionen zu stemmen – etwa bei der weiteren Digitalisierung?

Arnd Franz: Ich bin überzeugt davon, dass die Digitalisierung kein individuelles Projekt eines einzelnen Unternehmens sein darf. Viele Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit des IAM wird man in Zukunft nur in einem größeren Zusammenschluss realisieren können. Ich würde es sogar befürworten, dass IAM und Fahrzeughersteller an manchen Themen gemeinsam arbeiten. Der markenübergreifende Service ist für Kfz-Betriebe in ganz Europa ein wichtiges Thema, auf der anderen Seite hat der Absatz von OEM-Teilen in den IAM für die Autohersteller eine hohe Bedeutung. Es gibt diverse Ansatzpunkte für gemeinschaftliche Aktivitäten. Bei LKQ investieren wir viel Geld in die weitere Digitalisierung der Geschäftsabläufe. Wir haben viele gute Lösungen, die in den einzelnen Ländern funktionieren, sind uns aber sicher, dass wir sie noch besser im Sinne unserer Kunden darstellen können, wenn wir sie auf eine europäische Plattform stellen.

Das Geschäftsjahr 2019 verläuft für zahlreiche Unternehmen des IAM nicht nach Plan. Wie ist die aktuelle Situation bei LKQ?

Arnd Franz: Wir hatten für das Jahr 2019 eine anspruchsvolle Planung und haben den Markt optimistischer eingeschätzt, als er sich jetzt zeigt. Unsere Umsatzentwicklung ist schwächer, als wir geplant hatten. Der Unterschied bewegt sich im einstelligen Prozentbereich. In Summe werden wir 2019 in Europa einen Umsatz von knapp sechs Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Dabei ist zu beachten, dass die Entwicklungen in den einzelnen Märkten und den einzelnen Warengruppen recht unterschiedlich waren. Probleme gab es vor allem in Italien.

Haben Sie eigentlich Angst vor dem Brexit?

Arnd Franz: Die Entwicklung kann man sicherlich ganz schwer einschätzen. LKQ ist aber sehr gut vorbereitet auf den Brexit. Zum Beispiel haben wir gemeinsam mit unseren Lieferanten in der Lieferkette Sonderbevorratungen vorgenommen. Wir gehen sogar davon aus, dass LKQ nach einem Brexit Marktanteile hinzugewinnen kann.

Ihren europäischen Hauptsitz wollen Sie aber in die Schweiz verlegen.

Arnd Franz: Das ist richtig. Wir werden eine europäische Unternehmenszentrale im Raum Zürich ansiedeln. Momentan befinden wir uns in der Standortauswahl. Wir reden aber von einem relativ übersichtlichen Standort mit etwa 70 Mitarbeitern. Insgesamt haben wir in Europa über 27.000 Mitarbeiter.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Teilehandel in der Zukunft?

Arnd Franz: Ich glaube, der Teilehandel muss sich auf ein weiterhin dynamisches Wettbewerbsumfeld einstellen. Das gilt sowohl für den gebundenen als auch für den freien Handel. Das gilt aber auch für die Digitalwirtschaft versus uns als Vertreter des traditionell eher stationären Handelssektors. Darüber hinaus haben wir – wie alle anderen Wirtschaftszweige – die Notwendigkeit einer ständigen Produktivitätsverbesserung, um Inflations- und Lohnsteigerungen abzufedern. Das wird in einem intensiver werdenden Wettbewerb eine größere Herausforderung als in der Vergangenheit. Wir denken, dass wir da, auch durch unsere Größe, zum Nutzen unserer Kunden auf einem guten Weg sind. So haben wir in unserem Unternehmen viele Dutzend Projekte definiert, die in allen Funktionsbereichen für eine Steigerung der Produktivität und eine Ergebnisoptimierung sorgen werden. Insofern denken wir, dass wir sehr gut vorbereitet sind. Ich freue mich insbesondere darauf, aus einer Vielzahl von Unternehmen, aus denen LKQ in Europa gewachsen ist, einen leistungsfähigen integrierten Konzern zu machen.

Arnd Franz kam im April 2019 zu LKQ. Zuvor hatte er den größten Teil seiner Karriere im Mahle-Konzern verbracht, wo er zuletzt als Corporate Executive Vice President und Mitglied der Geschäftsführung tätig war. Als Executive Vice President verantwortete Franz den weltweiten Automotive-Vertrieb, die Anwendungsentwicklung von Mahle sowie den Geschäftsbereich Aftermarket. Von 2006 bis 2013 war er Executive Vice President und General Manager von Mahle Aftermarket.

LKQ Europe: Die Tochtergesellschaft der US-amerikanischen LKQ Corporation zählt zu den größten Anbietern von Kfz-Ersatzteilen in Europa. Das Unternehmen beschäftigt in 21 Ländern 27.000 Mitarbeiter. Die insgesamt 1100 Niederlassungen beliefern rund 700.000 Kunden. Die wichtigsten Unternehmen der LKQ-Europe-Gruppe sind Euro Car Parts, Sator, Rhiag, Elit, Autokelly, Stahlgruber sowie der Recyclingspezialist Atracco.

Franz wird neuer CEO

Führungswechsel bei LKQ Europe

Ab dem 1. Oktober wird Arnd Franz die Führungsspitze von LKQ Europe übernehmen. Das gab das Unternehmen heute bekannt. Der bisherige Executive Vice President und CEO, John S. Quinn, wird das Unternehmen verlassen.

Teilegroßhandel

Konzentration auf das Kerngeschäft

Der US-amerikanische Teilegroßhändler LKQ hat seine bulgarische Tochter Auto Kelly mit der Elit Kar OOD fusioniert. Dadurch entsteht einer der größten Distributoren von Autoersatzteilen in Bulgarien.

Teilegroßhandel

Franz wechselt zu LKQ

Bemerkenswerter Personalwechsel im Kfz-Aftermarket: Arnd Franz, Mitglied der Geschäftsleitung von Mahle, wird zum 1. April 2019 den Posten des Chief Operating Officers bei LKQ Europe übernehmen.

Interview

„Wir denken europaweit“

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