Schlüsseldienst

Der Meister der Schlüssel

Laut Statistik verliert etwa alle 30 Sekunden irgendwo in Deutschland ein Mensch einen Schlüssel. Dazu kommen noch die Autoschlüssel, die zu Bruch gehen. Im Gebrauchtmarkt sind dann zeitwertgerechte Lösungen gefragt.

„Die Zeiten sind schon lange vorbei, dass man mit dem Autoschlüssel nur die Fahrertür aufsperren und den Motor starten konnte“, sagt Mehmet Azman vom Schlüsseldienst Azman aus München (www.az-schluesseldienst.de). „Heute ist er eine Art elektronische Zugangsberechtigung, mit der per Fernbedienung das Fahrzeug geöffnet, die Wegfahrsperre deaktiviert und es gestartet werden kann.“ Dies alles ist möglich, weil im Schlüsselgehäuse eine Platine für die Fernbedienung und ein Transponder zum Deaktivieren der Wegfahrsperre verbaut sind. Obwohl Keyless-Go-Systeme auf dem Vormarsch sind, wird zum Starten noch immer bei vielen Fahrzeugen ein gewöhnlicher Schlüsselbart benötigt, der in das Zündschloss gesteckt werden muss.

Verliert man seinen Autoschlüssel oder benötigt Ersatz, müssen im Worst-Case die Schlüsselfunktionen neu programmiert und der Schlüsselbart nachgefertigt werden. Hierzu kann beim Schlüsseldienst über den Bordcomputer des Fahrzeugs auf die Infos zur Codierung des Transponders und der Fernbedienung zugegriffen werden, um eine exakte Kopie zu erstellen. Zum Erstellen des Schlüsselbartes bei Totalverlust genügt ein ausgebautes Fahrzeugschloss. Sein Verschlussmuster wird dann mechanisch abgetastet. Anhand dieser Daten dann ein neuer Schlüsselbart angefertigt.

Unterschiedliche Herangehensweise

In den meisten Fällen fertigt jedoch Mehmet Azman anhand eines Ersatzschlüssels eine exakte Eins-zu-eins-Kopie an. „Wir haben im Monat ca. 40 Kunden, die einen neuen Fahrzeugschlüssel mit allen seinen Funktionen nachgefertigt haben möchten“, so Azman, der sich als gelernter Schlosser vor zehn Jahren mit seinem Betrieb selbständig gemacht hat.

Die Herangehensweise ist bei jedem Fahrzeughersteller, -modell und Schlüsselsystem unterschiedlich. In unserem Fallbeispiel wird im ersten Arbeitsschritt die Codierung der Wegfahrsperre mit einem speziellen Codelesegerät ausgelesen und kopiert. Azman verwendet hierzu das JMD „Handy Baby“-Autoschlüssel-Programmiergerät, mit dem sich Code-Chips (u.a. Typen 46, 48, 4C, 4D und G) aller Fahrzeughersteller auslesen lassen. Dazu muss lediglich der Schlüsselkopf mit dem Chip in das Gerät gehalten werden. Bereits nach wenigen Sekunden ist die Codierung ausgelesen und die Daten gespeichert.

Nun muss man noch den richtigen Typ Roh-Chip (z.B. sogenannte 48er-Glastransponder, wie sie VW verwendet, oder Carbon-Transponder) in das Gerät halten und die Codierung kann innerhalb weniger Sekunden überspielt werden. Anschließend wird der neue Transponderchip in den neuen Schlüsselrohling gesteckt und ist sofort funktionsbereit.

Etwas mehr Aufwand bereitet das Neuprogrammieren der Fernbedienungsdaten. Anhand der FIN muss man sich hierzu die Rohdaten der Fernbedienung beim Fahrzeughersteller herunterladen und auf einen Blanko-Fernbedienungsplatine aufspielen. Dazu benötigt man ein internettaugliches Empfangsgerät, das via Bluetooth die Daten an das Aufspielgerät (hier: Keydiy) weitersendet. Von diesem werden diese auf den Fernbedienungs-Chip aufgespielt. „Damit ist die fahrzeugspezifische Grundprogrammierung abgeschlossen und der Fernbedienungsplatine kann ins Schlüsselgehäuse eingebaut werden“, erklärt Azman.

Noch bevor der Experte zum Fahrzeug geht, um die neue Fernbedienung via OBD und Diagnosegerät anzulernen, fertigt er noch den neuen Schlüsselbart an. Hierzu sucht er zunächst aus hunderten Schlüsselrohlingen den Richtigen heraus. Die Rohlinge sind – je nach Fahrzeughersteller – verschieden dick, breit, lang oder unterschiedlich gefräst.

Verschleiß wird auch berücksichtigt

Ist der passende Rohling gefunden, wird zunächst der alte Schlüssel in einer elektronisch gesteuerten Schlüsselfräsmaschine via Laser exakt vermessen. Der Vorteil gegenüber einer mechanisch gesteuerten Fräsmaschine ist, dass hier gewissermaßen auch Verschleiß mit berücksichtigt werden kann. „Gerade bei älteren Schlössern kann dies wichtig sein, da Schlüssel und Schloss gleichermaßen abnutzen“, erklärt Azman. „Wird ein neuer Schlüssel nach Schlüsselcode angefertigt, kann es nämlich vorkommen, dass der Schlüssel, obwohl er perfekt passen müsste, im alten Schloss sehr hakelig funktioniert.“

Das „Kopieren“ des Verschleißes funktioniert aber nur dann, wenn auch ein entsprechend gebrauchter Schlüssel als Vorlage für die Kopierfräse verwendet wird. Ist der alte Schlüssel vermessen, wird der Schlüsselbart-Rohling in die Schlüsselfräse eingespannt und anschließend entsprechend dem Datensatz gefräst.

Bei Klappschlüsseln, wie in unserem Bespiel, wird jetzt der neue Schlüsselbart am Klappgelenk befestigt. Der Schlüssel ist nun soweit fertig, so dass man das Fahrzeug bereits starten kann, da die Wegfahrsperre mit ihm deaktiviert wird.Im letzten Arbeitsschritt muss jedoch noch die Fernbedienung am Fahrzeug angelernt werden. Je nach Hersteller, Modell und System wird ein bestimmtes Diagnosegerät verwendet. „Das Anlernen der OBD und der Fernbedienung ist, die richtige Software vorausgesetzt, sehr einfach, da man lediglich den Anweisungen des Diagnosegerätes folgen muss“, weiß Azman.

Die Kosten bewegen sich, je nach Funktionsumfang und gewünschter Schlüssel-Ausführung, pro nachgemachten Schlüssel in der Regel zwischen 50 und 250 Euro. Im Vergleich jedoch zu einem Kompletttausch einer Schlüsselanlage (inkl. Wegfahrsperre und Fernbedienung) ist dieser Betrag mehr als überschaubar.

Marcel Schoch