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ATH-Heinl

„Wir wollen uns im Familienunternehmen engagieren“

Der Generationswechsel ist vollzogen: Anja und Corinna Heinl wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen und die ATH-Heinl-Historie fortschreiben.

Es gibt Neuigkeiten bei ATH-Heinl – unser Gespräch führen wir am neuen Firmensitz. Die Geschäfte gehen also gut?

Hans Heinl: Wir sind in den vergangenen Jahren tatsächlich rasant gewachsen. Am ehemaligen Standort stießen wir an die Kapazitätsgrenze. Bereits im Jahr 2014 haben wir das aktuelle Grundstück gekauft. Das Bauvorhaben hat Zeit in Anspruch genommen, aber schließlich sind wir 2019 eingezogen. Wir können hier unser Lager auf die dreifache Größe erweitern. Falls wir unser Limit also wieder erreichen und weiter auszubauen müssen, dann machen wir alles richtig.

amz: Welche Anforderungen stellten sie beim Neubau?

Hans Heinl: Die Logistik von schwerer Werkstattausrüstung gestaltet sich kompliziert. Unser Anspruch war, ein Lager zu schaffen, in dem wir auch schwere Hebebühnen schnell, kostengünstig und natürlich beschädigungsfrei abwickeln und verladen können. Nicht nur in dieser Hinsicht sind wir an unserem neuen Standort hochzufrieden.

amz: Die Unternehmensführung ist bei Ihnen Familiensache. Sie und Ihre Frau Evi haben ATH-Heinl 1991 gegründet. Mit ihren Töchtern Anja und Corinna sowie Schwiegersohn Fabian steht die nächste Generation bereit…

Hans Heinl: Die Unternehmensübergabe war bei uns ein sorgfältig vorbereiteter Prozess. In den vergangenen 10 Jahren konnten wir diesen Plan Schritt für Schritt umsetzten. Ich bin sehr stolz, dass meine beiden Töchter und Fabian die Firmengeschichte fortschreiben.

Anja Heinl: Meine Schwester Corinna und ich arbeiten seit 2006 im Unternehmen mit. Nach Ausbildung, Fortbildung bzw. Studium haben wir uns auch in anderen Unternehmen umgesehen. Ich war nach meinem BWL- Studium bei einer Autovermietung beschäftigt und Corinna hat als Groß- und Außenhandelskauffrau bei einem Elektronik-Händler gearbeitet und anschließend ihren Betriebsfachwirt abgeschlossen. Aber es war schnell klar, dass wir uns im Familienunternehmen engagieren wollen. Seit über dreizehn Jahren formen wir ATH-Heinl gemeinsam und starteten 2014 den Übergabeprozess. Unsere Erfahrungen und Tipps für den Generationenwechsel geben wir regelmäßig im Rahmen von IHK-Veranstaltungen weiter.

amz: Produktseitig stehen bei ATH-Heinl die Themen Hebetechnik und Reifenservice im Fokus. Bleibt diese Spezialisierung oder sind Erweiterungen geplant?

Hans Heinl: Wir richten uns beim Angebot nach unseren Kunden. Es muss Bedarf beim Teilehandel und deren Werkstattkunden herrschen. Beide müssen mit unseren Produkten und unserer Leistung zufrieden sein. Daher überdenken wir unser Sortiment permanent. Die nächsten Jahre werden wir uns weiterhin auf die Themen Heben und Reifen spezialisieren. Dennoch sehen wir Potenzial für einen Ausbau des Angebots, beispielsweise im Bereich Bremsenprüfstand. Ob neue Produkte in unser Portfolio passen, hängt auch davon ab, ob wir den Service gewährleisten können. Unser internes und externes Service-Personal kennt sich mit Hebebühnen aus und kann daher auch einen Bremsenprüfstand installieren und warten.

amz: Wir haben ein Automechanika-Jahr – das erhöht vielerorts die Innovationsquote. Auch im Hause ATH-Heinl?

Anja Heinl: Die Produktentwicklungszyklen sind bei uns verhältnismäßig lang und unabhängig vom Messekalender. Wir testen Prototypen, dann entwickeln wir Vorserienprodukte für ausgiebige Tests in den Werkstätten und entscheiden danach über die Serienfertigung. Dieser Prozess dauert inklusive Projekt-und Produktmanagement drei bis vier Jahre. Anschließend machen wir uns an die Markteinführung – die nimmt ebenfalls einige Zeit in Anspruch. Unsere Innovationsrate ist stets hoch: Aktuell haben wir bei zwei neuen Typen von Reifenmontiermaschinen die wdk-Zertifizierung abgeschlossen. Diese Geräte werden bald vermarktet. Für die Automechanika haben wir noch ein paar Überraschungen parat. Nicht alle Präsentationen erlangen Serienreife, mit einigen Produkten zeigen wir unsere technische Kompetenz.

Hans Heinl: In diesem Jahr kommen eine neue, hydraulische Radgreifer-Generation, eine modulare Vier-Säulen-Hebebühne sowie eine Zwei-Säulen-Hebebühne für gehobene Ansprüche auf den Markt bzw. als Vorserienprodukte in den Testlauf. Auch im Wuchtsegment werden wir technische Neuerungen, etwa eine Ultraschallmessung, in die Serie einführen. Außerdem beschleunigen wir den Wuchtvorgang. Und was die Überraschungen anbelangt: Wir haben beispielsweise eine elektronische Zwei-Säulen-Hebebühne mit Proportional-Hydraulik sowie Joystick-Steuerung in der Pipeline.

amz: Wie wichtig ist der technische Service für das Handelsgeschäft?

Hans Heinl: Immens wichtig – wenn Produkte nicht mehr funktionieren, müssen Teilehändler oder wir als Hersteller schnellstmöglich für eine Lösung sorgen. Wir haben hier in Illschwang einen technischen Service mit kompetenten Leuten, die täglich erreichbar sind. Ergänzend gewährleisten wir mit unserer neuen Logistik eine schnellstmögliche Ersatzteilversorgung. Für einige unserer Handelskunden stellen wir darüber hinaus den kompletten technischen Service sicher. Dafür leisten wir uns 30 externe Techniker, die Werkstattausrüstung direkt in den Betrieben reparieren und warten. Da dieser Bereich an Bedeutung gewinnt, bauen wir das Netzwerk deutschlandweit aus.

Anja Heinl: In diesem Zusammenhang setzen wir auch auf digitale Instrumente. Wir haben es mit einer neuen Generation von Kfz-Mechanikern zu tun, die dem digitalem Wissenstransfer gegenüber aufgeschlossen sind. Wir bieten ab September eine neue Smartphone-App, die sowohl Vertrieblern hilft, ein erfolgreiches Verkaufsgespräch zu führen, als auch Technikern Produkt- und Wartungsinformationen bereitstellt.

Hans Heinl: Die App ist auch für den Werkstattbesitzer hinsichtlich des Produktmanagements hilfreich. So ist eine digitale Dokumentationsmöglichkeit, beispielsweise Wartung oder UVV-Abnahme, vorgesehen.

amz: Sie haben Digitalisierung und Vernetzung angesprochen. Gewinnen diese Technologien auch im Bereich der Geräteüberholung an Bedeutung – Stichwort vorausschauende Wartung?

Hans Heinl: Sie sprechen ein sehr spannendes Thema an. Fernwartung wird auch in unserem Segment an Bedeutung zunehmen. Wir haben bereits einen Testballon in Form einer neu entwickelten Zwei-Säulen-Hebebühnen im Feld. Damit sind wir in der Lage, Messdaten zu sammeln und auf den Gerätezustand zu schließen.

amz: Welche Informationen könnten relevant sein?

Hans Heinl: Es besteht die Möglichkeit, auf Daten der Elektrik und Hydraulik zuzugreifen. So bekommt man Informationen zu Stromflüssen, undichten Ventilen oder über induktive Schwimmer zu Füllständen. Auf diese Weise machen sich die Monteure auf dem Weg zum Kunden und sind bereits im Bilde, wo der Schaden liegt und was repariert werden muss. Auch Daten zu Hebe-, Wucht-und Montiervorgängen werden in Zukunft verfügbar und gegebenenfalls für den Teilehandel von Bedeutung sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zum Unternehmen:

ATH -Heinl vermarktet seit 1991 Werkstattbedarf. Aktuell zählt der Spezialist für Hebetechnik und Reifenservicegeräte aus Illschwang in der Oberpfalz 45 Mitarbeiter. Geleitet wird das Unternehmen von Hans Heinl, Evi Heinl, den beiden Töchtern Anja und Corinna Heinl und Schwiegersohn Fabian Heinl. Nach dem Neubau verfügt ATH -Heinl über eine Gebäudefläche von knapp 10.000 Quadratmetern, davon umfasst der wichtige Logistikbereich fast die Hälfte.

Zur Person:

Anja Heinl: Die Gründertochter hat ein BWL-Studium absolviert. Seit 2006 arbeitet die zweifache Mutter im Familienunternehmen. Sie ist zweite Vorsitzende im Fachbereich B2B/Digitalisierung im ASA-Verband.

Hans Heinl: Hans Heinl ist Industriemeister Metall, hat das Unternehmen 1991 gegründet.

Foto: ATH Heinl

Übergabe

Neuer Vertriebsleiter Fabian Heinl bei ATH-Heinl

Anfang des Jahres übernahm Fabian Heinl die Position als Vertriebsleiter beim bayrischen Werkstattausrüstungshersteller ATH-Heinl GmbH & Co. KG.

Foto: Meyer/amz

Werkstatt-Ausrüstung

Schere, Säule, Unterflur?

Spätestens wenn die Halle erweitert wird oder die Spindeln der Methusalembühne verschlissen sind, stellt sich die Frage nach einer neuen Hebebühne. Aber welcher Typ ist der richtige für Ihre Anforderungen? Wir stellen die unterschiedlichen Systeme vor.

Foto: Maha

Teilegroßhandel

Großauftrag: Maha goes Malaysia

Der Werkstattausrüster Maha hat in Kuala Lumpur den größten Auftrag seiner Firmengeschichte unterzeichnet. Die Allgäuer werden in den nächsten beiden Jahren insgesamt 700 Prüfstraßen für ca. 200 Testcenter zur Fahrzeugüberwachung in Malaysia fertigen.

Foto: Maha

Maha

Vorgeschmack auf die Automechanika

Maha startet mit neuer Hebebühne sowie überarbeiteter Prüfsoftware ins Frühjahr. Für die Leitmesse im Herbst versprechen die Allgäuer einen Innovationsreigen.