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Interview

„Wir denken europaweit“

Die Unterstützung der Werkstattpartner geht heute über die bloße Teilelieferung hinaus. AAG-Germany-Chef Julius Fabian Roberg erklärt den eigenen Ansatz im amz-Interview.

Die AAGtechnika, die Ende Oktober in Münster stattfand, stand unter dem Motto „Mehr als nur Teile“. Was steckt dahinter?

Roberg: Eine leistungsfähige Distribution von Ersatz- und Verschleißteilen ist nur noch die Basis für ein erfolgreiches Geschäft. Ebenso wichtig ist es, dass wir als Teilehändler die Werkstätten dazu befähigen müssen, auch in Zukunft moderne Fahrzeuge reparieren zu können. Dazu gehört es nicht nur, technische Daten zu vermitteln. Die Werkstatt muss befähigt werden, sich Daten – beispielsweise auf OE-Portalen – selbst zu suchen, um herstellerkonforme Diagnosen und Reparaturen anbieten zu können. Das Gleiche betrifft das Thema Werkstatt-ausrüstung. Als Serviceleistung reicht es für uns nicht mehr aus in der Lage zu sein, eine Hebebühne zu reparieren. Es geht darum, die Werkstätten zur Vernetzung und zur Implementierung von neuen Softwaretools in den unterschiedlichen Geräten zu befähigen. Beispielsweise beim Bremsenprüfstand, bei den neuen Anforderungen an die Partikelmessung im AU-Bereich oder bei der Handhabung eines Pass-Thru-Tools.

Sie hatten in diesem Jahr deutlich mehr Besucher, die allerdings eine zum Teil sehr weite Anreise haben. Wäre es sinnvoll, mehrere regionale Messen zu ­veranstalten?

Roberg: Auf den Gedanken mag man kommen, ich kann aber ausschließen, dass wir mehrere Messen durchführen werden. Die Belastung wäre für die Aussteller, aber auch für unsere Mitarbeiter zu groß. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir zukünftig jährlich zwischen Nord- und Süddeutschland wechseln werden. An einem entsprechenden Konzept arbeiten wir. Es geht uns aber ganz bewusst nicht um Massenveranstaltungen. Wir wollen dieses Forum dafür nutzen, um unser Konzept und die zukünftigen Herausforderungen konkret mit den Kunden zu besprechen.

Auch die Zahl der Aussteller ist gestiegen. Ist es ein strategischer Ansatz, sich bei den Lieferanten breiter aufzustellen?

Roberg: Unser Ansatz ist, dass wir innerhalb der AAG-Gruppe auf europäischer Ebene mit den Lieferanten zusammenarbeiten. Die Vereinbarungen, die wir mit diesen Firmen treffen, beziehen sich nicht nur auf die Konditionen, sondern auch auf die Art der Zusammenarbeit. Ein Beispiel dafür ist die Firma Schaeffler, die sich in diesem Jahr erstmals in dieser Form auf unserer Messe präsentiert hat. Mit Schaeffler haben wir eine intensive europäische, aber auch weltweite Zusammenarbeit. Letztlich ist es natürlich auch ein Zeichen an unsere Kunden, dass wir mit solch starken Partnern zusammenarbeiten.

Mit der AAG sind Sie auf europäischer Ebene aktiv. Wie weit sind Sie in der Gruppe damit, die Themen zusammenzuführen?

Roberg: Die Trends im Markt lassen sich nicht auf Ländergrenzen beschränken. Wir sind spätestens seit der Übernahme der Firma Parts Point in den Niederlanden im zentraleuropäischen Raum sehr gut aufgestellt. Neben Deutschland ist die AAG in Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Polen präsent. Wenn wir also heute über technische Herausforderungen reden, betrifft das immer mindestens den europäischen Fuhrpark. Wenn wir darüber sprechen, wie wir Kunden in unseren IAM bekommen, denken wir auch europäisch. Wenn wir in unserer Gruppe über Flottenmanagement oder die Zusammenarbeit mit Versicherern reden, beschränkt sich das natürlich auch nicht auf einzelne Länder. Insofern sind wir dabei, diese Netzwerke aufzubauen oder auszubauen.

Wie sieht es in der Logistik aus?

Roberg: Man muss mit den Lieferanten immer nach optimalen Versorgungslinien suchen. Da sind wir voll im Gange. Wir werden unsere europäische Logistik dementsprechend anpassen.

Wird es ein Zentrallager geben?

Roberg: Es gibt durchaus Überlegungen in diese Richtung, die uns Vorteile bieten könnten.

Auf der Messe haben Sie die ­Eigenmarke Napa vorgestellt. Was ist hier zu erwarten?

Roberg: Napa ist eine der bekanntesten Marken des amerikanischen Ersatzteilmarktes. Unsere Muttergesellschaft GPC betreibt dort rund 7.000 Napa-Stores und verkauft einen erheblichen Anteil der Produkte unter diesem Private Label. Diese Markenbekanntheit wollen wir auf Europa übertragen. In Großbritannien sind bereits erste Verkäufe gestartet. Bei uns geht es 2020 los.

Für das Flottengeschäft kündigen Sie ein neues Tool an. Können Sie uns schon ­Details dazu verraten?

Roberg: Flotten sind ein spannendes Thema, weil man mit intelligenten IT-Tools versuchen kann, die Kunden in die Werkstätten zu lenken. Man hat eine greifbare Gruppe, für die wir eine europäische Lösung anbieten werden. Letztlich wollen wir die großen Flottenbetreiber davon überzeugen, dass sie in unserem Netzwerk mit einheitlichen Qualitätsstandards gut aufgehoben sind. Die Prozesse müssen länderübergreifend gleich sein.

Wie geht es weiter mit dem ­Konzentrationsprozess in der Branche?

Roberg: Die Konsolidierung der Branche wird sich weiter fortsetzen. Sie ist letztlich eine Reaktion auf einen sich konsolidierenden Markt. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind neue Betriebsformen notwendig. Ich finde, man muss das gar nicht so negativ sehen. Ich sehe es eher als positiv an, dass wir für unsere Kunden auch in Zukunft ein leistungsfähiges Netz darstellen können.

Was sind für Sie die wichtigsten Themen der nächsten Jahre? Die ­Wettbewerber aus dem Internet? Oder die aus Osteuropa?

Roberg: Für mich geht es letztlich um zwei Fragen: Wie bekommen wir Autos in die Werkstätten unserer Kunden? Und wie schaffen wir es zudem, dass unsere Kunden die Autos auch in Zukunft reparieren können? Wenn ich darauf die passenden Antworten geben kann, mache ich mir keine Sorgen. Dann wird auch die Loyalität der Kunden so groß sein, dass ein Preisvorteil von fünf Euro nicht die Kaufentscheidung ändert. Insofern ist „Mehr als Teile“ der Kernsatz unserer strategischen Ausrichtung.

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