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NICATS

Wettbewerber mit gleichen Interessen

Andreas Deiß und Krunoslav Bagaric sind die Sprecher des neuen Vereins NICATS. Das „Network of Independent Catalog & Service Providers e.V.“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Datenflüsse im IAM zu harmonisieren und damit zu optimieren. Im amz-Interview erklären die beiden die Hintergründe und Ziele.

Wie kam es zur Gründung des neuen Vereins?

Krunoslav Bagaric: Der Startschuss für die Initiative ist vor knapp zwei Jahren gefallen. Allein die Eintragung in das Vereinsregister hat sieben Monate gedauert. Die Planung war also durchaus langfristig. Die Mitglieder von NICATS sind IT-Firmen, die sich in ihrem täglichen Geschäft mit Katalog- und Datenverarbeitungssystemen sowie Managementsystemen beschäftigen. Irgendwann ist der Gedanke entstanden, gemeinsam an Themen zu arbeiten, die nicht das jeweilige Kerngeschäft betreffen, aber für alle Firmen gleichermaßen wichtig sind. Wie sieht es in Zukunft mit den Schnittstellen aus? Die Vielfalt wird immer größer und letztlich stehen alle Firmen vor den gleichen Aufgaben. Aus diesem Blickwinkel heraus haben wir gesagt, dass es Sinn macht, über die gemeinsame Harmonisierung von bestehenden Standards zu reden. Es geht uns darum, technologische Probleme frühzeitig zu erkennen und strukturierter und organisierter daran zu arbeiten. Ein Verein, der kein wirtschaftliches Interesse hat, ist dafür die ideale Plattform.

Andreas Deiß: Obwohl wir Wettbewerber sind, haben wir letztlich alle die gleichen Anforderungen. Damit meine ich nicht nur uns als Informationsanbieter, sondern praktisch den gesamten freien Markt. Alle kämpfen mit den gleichen Problemen bzw. müssen einige Aufgaben parallel vollziehen. Wir setzen uns daher jetzt an einen Tisch um zu überlegen, welche Synergien wir zum Vorteil aller Marktteilnehmer ziehen können. Wichtig ist, dass wirklich alle in der Wertschöpfungskette von den Ergebnissen profitieren – also vom Datenlieferanten bis hin zum Datennutzer in der Werkstatt. In dieser Frage waren sich die an dem Verein beteiligten Firmen sofort einig.

Vor gut 25 Jahren wurde TecDoc als Datenstandard der Branche eingeführt. Warum braucht es jetzt noch NICATS?

Bagaric: Der TecDoc-Datenstandard ist ganz sicher ein Erfolg für die Branche. An der Stelle werden ja heute bereits Gespräche geführt, und die Themen werden bereits ausgetauscht. Unser Ansatz hat damit aber zumindest direkt nichts zu tun. Uns geht es um andere Bereiche, in denen es noch keine Standardisierungen bzw. eine Harmonisierung der Daten gibt. Nehmen Sie zum Beispiel das Thema Zubehörmaterial oder den Bereich Reifen und Räder – da sind die Standards bei Weitem noch nicht so weit aufgebaut, wie es erforderlich wäre. Ein weiterer Punkt sind die Anbieter von Dealer-Management-Systemen, mit denen, Stand heute, nicht ausreichend kommuniziert wird. Wir wollen auch zu diesen Firmen die Nähe suchen und uns überlegen, wo wir gemeinsam was tun können.

Andreas Deiß: Ein sehr aktuelles Thema sind auch die OE-Daten. Es wird viel darüber gesprochen, dass die Autohersteller ab diesem Jahr verpflichtet sein werden, bei der Versorgung des freien Marktes mit Daten die Tore zu öffnen. Das ist gut, aber letztlich wirft das viele Fragen auf. Nur zu sagen, dass die Daten in maschinenlesbarer Form vorliegen müssen, heißt noch lange nicht, dass sie dem Point-of-Sales auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Wir müssen jetzt die Frage beantworten, wie dort eine Standardisierung zur Verfügung gestellt wird, damit unterm Strich alle Marktplayer von den Synergien profitieren. Am Ende des Tages geht es immer darum, dass ein Ersatzteil verkauft werden kann. Wie müssen die Standards gestaltet werden, dass die Prozessketten funktionieren.

Sind neun IT-Firmen denn in der Lage, so ein großes Ziel zu erreichen?

Krunoslav Bagaric: Um die passenden Antworten zu finden, werden wir viele Firmen in die Diskussion mit einbeziehen. Dafür muss man nicht unbedingt Mitglied unseres Vereins sein, was an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Deshalb haben wir den Status des Förderers definiert. Das ist nicht auf finanzieller Basis gedacht, sondern inhaltlich. Es geht um Firmen, die einen bestimmten Teil zum Gesamtergebnis beitragen können. Und natürlich muss es nicht bei neun Vereinsmitgliedern bleiben. Letztlich wollen wir alle möglichen Datenanbieter im Markt mit in das Projekt einbinden.

Beim Thema Daten geht es nicht nur um Technik, sondern auch um politische bzw. rechtliche Entscheidungen. Wollen Sie auch Lobbyarbeit betreiben?

Andreas Deiß: Nein, wir wollen als Verein ausdrücklich nicht politisch aktiv werden. Für die Lobbyarbeit gibt es vorhandene Prozesse und Strukturen. Aber wir wollen die entsprechenden Organisationen und Verbände mit Know-how unterstützen. Nehmen wir das Beispiel, dass die Fahrzeughersteller die Daten ihrer Ersatzteile dem freien Markt zukünftig in einem maschinenlesbaren Format zur Verfügung stellen müssen – das ist gut, aber was heißt das denn genau? Was ist maschinenlesbar? Für die Gespräche auf politischer Ebene braucht es eine technologische und fachliche Basis.

Welche Projekte wollen Sie zuerst angehen?

Krunoslav Bagaric: Wir wollen NICATS bekannt machen und in einem richtigen Licht darstellen. Die Kommunikation muss in die richtigen Bahnen gelenkt werden, um eine Akzeptanz im Markt zu gewinnen. Das zweite Thema ist die angesprochene Harmonisierung bestehender Datenstandards. Wir wollen bis Ende des Jahres die Ist-Situation erfassen, die Vor- und Nachteile miteinander debattieren und dann mit den Partnern mögliche Lösungen finden.

Foto: Die beiden NICATS-Sprecher Krunoslav Bagaric und Andreas Deiß (v.li.).