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Olaf Musshoff zeigt sich im Interview zuversichtlich und optimistisch. Der Automechanika-Direktor will die Branche Mitte September wieder in Frankfurt versammeln. Natürlich sollen wieder alle Auflagen und Bestimmungen zu rDurchführung einer sicheren und gesunden Leitmesse erfüllt werden.
Foto: Messe Frankfurt/ Pietro Sutera
Olaf Mußhoff zeigt sich im Interview zuversichtlich und optimistisch. Der Automechanika-Direktor will die Branche Mitte September wieder in Frankfurt versammeln. Natürlich sollen alle Auflagen und Bestimmungen zur Durchführung einer sicheren und gesunden Leitmesse erfüllt werden.

Automechanika 2022

„Wer nicht vor Ort teilnimmt, verpasst das Wichtigste“

Die Kfz-Branche befindet sich im Umbruch und dürstet nach einer Präsenzmesse als Ort für Orientierung und Austausch. Darauf verweist Olaf Mußhoff im amz-Interview. Der Automechanika-Direktor zeigt sich optimistisch und mit dem Vorbuchungsstand sehr zufrieden.

Zur Automechanika 2022 (13. bis 17. September) sollen weder die Trendthemen Elektrifizierung, Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle noch die Nachhaltigkeit bei Produktion, Logistik und Produkten zu kurz kommen. Und ganz oben auf der Prioritätsskala stehen laut Olaf Mußhoff, Director Automechanika Frankfurt (Messe Frankfurt Exhibition GmbH) in jedem Fall die Sicherheit sowie Gesundheit von Besuchern und Ausstellern.

Nach Angaben des AUMA-Verbands wurden im Jahr 2021 71 Prozent der geplanten Messen abgesagt, 2020 waren es 68 Prozent – wie groß ist die Chance, dass es im Herbst eine Automechanika geben wird?

Ich bin von Natur aus Optimist und Stand heute werden wir die Automechanika Frankfurt im September als Präsenzmesse veranstalten. Die Aftermarket-Branche braucht dringend wieder Messen, das sagen uns auch unsere Kunden in Gesprächen sehr deutlich.

Welche Voraussetzungen müssen aus Ihrer Sicht erfüllt sein? Oder anders gefragt: Wenn die Auflagen für Präsenzmessen sehr hoch sein sollten, würde die Messegesellschaft wieder eine hybride Variante durchführen?

Dies kommt dann auf die aktuellen Gegebenheiten und Einschränkungen an. Die Option, die Automechanika als hybride Veranstaltung durchzuführen, gibt es natürlich, aber diese Lösung präferiere ich aktuell nicht. Die ausstellenden Unternehmen möchten ihre Kunden endlich wieder persönlich treffen.

Welche konzeptionellen Unterschiede gibt es zwischen der Sonderausgabe „Digital Plus“ im vergangenen Jahr und einer regulären Ausstellung nach Ihren Vorstellungen in diesem Jahr?

Die diesjährige Automechanika planen wir wieder als Präsenzmesse durchzuführen. Unser Ziel ist: die wichtigste internationale Messe für den automobilen Ersatzteilmarkt zu sein und zu bleiben. Wer nicht an der Automechanika Frankfurt hier vor Ort teilnimmt, der hat das Wichtigste verpasst. Wir hoffen, dass wir eine große Zahl von internationalen Ausstellern und Besuchern wieder in Frankfurt begrüßen können. Die Sonderedition ‚Digital Plus‘ war eine an die damalige Pandemie-Situation angepasste Veranstaltung mit vielen Online-Inhalten und digitalen Tools. Wir setzen dieses Jahr wieder auf die persönliche Begegnung vor Ort. Digitale Features werden die kommende Veranstaltung voraussichtlich ergänzen, um beispielsweise zusätzliche Reichweite zu generieren.

Rechnen Sie für diesen Herbst wieder mit einer Zunahme an internationalen Ausstellern und Besuchern?

Das wünschen wir uns auf jeden Fall, aber leider habe ich keine Glaskugel, so dass ich hier keine seriöse Prognose abgeben kann. Aber von unseren internationalen Ausstellern und Besuchern wissen wir, dass sie alle wieder sehr gerne nach Frankfurt kommen möchten. Eine Kundenumfrage, die wir jüngst durchgeführt haben, hat ergeben, dass eine sehr große Mehrheit unserer Kunden komplett geimpft ist. Das werte ich als positives Signal und stimmt mich optimistisch.

Was gibt es zum aktuellen Buchungsstand zu berichten?

Wir sind mit dem aktuellen Anmeldestand sehr zufrieden. Wir erhalten das Feedback von unseren Kunden, dass sie sich auf die Messe intensiv vorbereiten und sehr freuen, wieder dabei zu sein. Wir haben Zusagen der wichtigsten Marktteilnehmer aus den vertretenen Branchen. Um nur ein paar zu nennen: Lumileds, Schaeffler, Continental, ElringKlinger, Clarios, Bosch, BlitzRotary, Nexion, Liqui Moly, Texa, Sata. Viele weitere namhafte Unternehmen werden teilnehmen und wir werden wieder die ganze Breite und Tiefe des Aftermarkets hier vor Ort vertreten haben.

Pandemie hin oder her, die Entwicklungszyklen der Automobilindustrie und damit auch der Werkstattbranche sind davon weitgehend unabhängig. Welche Technologien und Unternehmen stehen 2022 im Automotive Aftermarket besonders im Fokus?

Der Aftermarket befindet sich ja derzeit im Umbruch, da gibt es eine ganze Reihe von Themen und Trends, die wir auf der Automechanika zeigen werden. Zum Beispiel die Elektrifizierung des Antriebstranges, die Digitalisierung von Fahrzeugen und Werkstatt mit den daraus zu entwickelnden Geschäftsmodellen. Das Thema Nachhaltigkeit bei Produktion, Logistik und Produkten wird am Remanufacturing Day erlebbar.

Wie kann der „Handelsplatz Messe“ gestärkt aus Zeiten des Abstandsgebots und der Kontaktbeschränkungen hervorgehen?

Nach den Erfahrungen auf der Automechanika Digital Plus auf dem Frankfurter Messegelände glaube ich, dass dies einfacher sein wird, als man sich es momentan vorstellt. Dort haben wir zum Beispiel auf dem Freigelände täglich zu einer Happy Hour eingeladen, was bei den Ausstellern und Besuchern sehr gut ankam. Der Wunsch, sich wieder persönlich zu treffen und auszutauschen, ist nach meiner Beobachtung größer als zuvor. Und da das Networking in diesem Rahmen sehr gut funktioniert hat, werden wir das Konzept der Happy Hour für die kommende Automechanika adaptieren. Denn wir wollen, dass die Branchenplayer in Kontakt bleiben, neue Geschäftskontakte knüpfen und sich weiter vernetzen - das ist im Grunde genau das, was Messen ausmacht.

Welches Fazit ziehen Sie beispielsweise von den „digitalen Neuerungen“ der hybriden Messe 2021? Welche Elemente der „Digital Plus“-Variante, wie digitale Pressekonferenzen, Workshops, Livestreams, Videocalls etc., werden fortgeführt und ausgebaut?

Mit dem Format ‚Digital Plus‘ haben wir unser Ziel erreicht: Aussteller und Besucher sowohl real als auch virtuell miteinander zu vernetzen. So verfolgten fast 10.000 Teilnehmer aus 70 Ländern das dreitägige Messeprogramm live in Frankfurt und über Online-Plattform. Mit Hilfe der digitalen Tools war es Ausstellern und Besuchern möglich, direkt Personen oder Unternehmen anzusprechen und sich miteinander zu vernetzen. Aktuell sind wir dabei zu sondieren, wo wir welche der digitalen Komponenten einsetzen werden. Online-Pressekonferenzen sind sicherlich interessant, genauso wie Live-Streams oder Videomitschnitte unserer Workshops. Dies wird sich in den nächsten Wochen klären.

Welche Erfahrungen haben Sie als Messeveranstalter beispielsweise mit dem so genannten „intelligenten Matchmaking“ gemacht?

Die Erfahrungen damit waren durchweg positiv. Matchmaking gibt es seit Jahren auf Messen und ist ja per se nichts Neues – allerdings wird die Software immer besser bzw. intelligenter. Das haben die Teilnehmer direkt gespürt, indem sie passendere Kontaktvorschläge erhalten haben. Natürlich muss jeder Teilnehmer dafür ein paar Angaben zu einer Person und seinen Interessen machen, denn nur so können wir die passenden Personen zusammenbringen.

Waren die Anbieter mit den im Abschlussbericht genannten, insgesamt 25.000 digitalen Interaktionen zufrieden?

Dafür dass dies unsere erste hybride Messe war, die wir als Automechanika veranstaltet haben und auch für die allermeisten unserer Kunden diese Form der Messeteilnahme neu war, ist das Ergebnis gut. Natürlich hätte ich mir mehr Teilnehmer auf der digitalen Plattform gewünscht, aber das digitale Format verlangt eine ganz andere Herangehensweise und hat vermutlich den einen oder anderen, der nicht so technik-oder internetaffin ist, von einer Teilnahme abgehalten.

3G, 2G oder 2G plus – für Besucher von Gastronomie, Kinos und Ausstellungen gelten unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen. Hinzu kommen „Geboosterte“ bzw. diejenigen, die nach zweifacher Impfung krank wurden und genesen, aber noch nicht „aufgefrischt“ sind – ganz zu schweigen von Kindern. In einigen Bundesländern sind Messen für Endkunden, aber auch für Fachbesucher derzeit ganz untersagt. Da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Wie viel zusätzliches Personal benötigt man derzeit zur Messeorganisation und Durchführung?

Wir haben für Aussteller und Besucher eine Corona-Hotline eingerichtet, die alle Fragen rund um die Messeteilnahme beantwortet. Zusätzlich kann man die aktuellen Informationen und Bestimmungen dazu auf unserer Website nachlesen. Was das Personal anbetrifft, ist der Einlass natürlich personalintensiver, genauso wie das restliche Hygiene-Management auch. Konkrete Zahlen wie viele Personen mehr wir dadurch zur Messe beschäftigen, habe ich ad hoc nicht zur Hand. Ich kann Ihnen aber versichern, dass uns die Gesundheit aller Teilnehmer der Automechanika sehr am Herzen liegt und wir alle geltenden Auflagen und Bestimmungen erfüllen werden. 

Ein weiteres Thema sind Impfstoffe ausländischer Anbieter, die in der EU bzw. Deutschland (noch) nicht anerkannt sind. wie Sputnik V., Sinovac oder Sinopharm. Wo wünschen Sie sich von den Verordnungsgebern mehr Klarheit?

Für uns als Veranstalter wäre es enorm hilfreich, wenn wir insgesamt mehr Planungssicherheit hätten. Dies betrifft nicht nur das Thema ausländische Impfstoffe, die bisher in der EU oder Deutschland nicht zugelassen sind, sondern auch die Messeplanung und -durchführung selbst. Momentan müssen wir teilweise sehr kurzfristig auf die neuen Verordnungen und Regeln reagieren. Das verlangt ein hohes Maß an Flexibilität und stellt uns immer wieder vor Herausforderungen.

Auf Ihrer Homepage warnen Sie derzeit vor „inoffiziellen Ausstellerverzeichnissen“. Was hat es damit auf sich?

Diese Warnung gibt es leider schon etwas länger. Dabei bieten Herausgeber von inoffiziellen Ausstellerverzeichnissen ausstellenden Unternehmen gezielt vor Messen die Eintragung in häufig qualitativ minderwertige Online-Verzeichnisse an, die jedoch im Gegenzug eine in der Regel im Kleingedruckten versteckte langfristige Zahlungsverpflichtung über mehrere Tausend Euro beinhalten können. Deshalb möchten wir die Aussteller an dieser Stelle vor solchen unseriösen Angeboten warnen. Das offizielle Ausstellerverzeichnis sowie sämtliche Online-Medien werden grundsätzlich nur von der Messe Frankfurt Exhibition GmbH in Zusammenarbeit mit der Messe Frankfurt Medien und Service GmbH herausgegeben.

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Die hybride Ausgestaltung der Automechanika im vergangenen Herbst war dem Infektionsschutz geschuldet. Mehr Besucher, internationale Aussteller und mehr sowie sicheren Ausstausch wünscht sich die Kfz-Branche für September 2022.
Foto: Martin Schachtner
Die hybride Ausgestaltung der Automechanika im vergangenen Herbst war dem Infektionsschutz geschuldet. Mehr Besucher, internationale Aussteller und mehr sowie sicheren Ausstausch wünscht sich die Kfz-Branche für September 2022.

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14 – 18. September

Automechanika Frankfurt: vor Ort und im Internet

Nachdem die Automechanika Frankfurt im vergangenen Jahr nicht stattfinden konnte, planen die Veranstalter in diesem September eine hybride Veranstaltung – also eine Mischung aus Präsenzveranstaltung und Onlinemesse. Neue digitale Features sollen vor allem beim internationalen Publikum für Reichweite sorgen. 

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Automechanika 2021

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Die Leitmesse lädt ab 14. September zur Hybridausgabe. Die Veranstalter verraten jetzt Details zur Automechanika 2021. Kurzentschlossene können noch bis 7. September ihr digitales Ausstellerpaket buchen.

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Ganz so wie groß früher wird die kommende Automechanika Frankfurt wohl nicht werden – aber fast. Die weltweit größte Messe für den Automotive Aftermarket startet in diesem Jahr wieder voll durch. Die Messeleitung stellte jetzt die Details zum Neustart vor.

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Endlich wieder eine „reale“ Messe mit „echten“ Menschen in Frankfurt.  

Automechanika

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