Klimagas 10.05.2019

Umweltbundesamt stuft R1234yf als gewässergefährdend ein

R1234yf sollte den Klimakiller R134a ablösen, dann stand das neue Gas wegen möglicher Brandgefahr in der Kritik. Nun äußert das Umweltbundesamt Bedenken bezüglich der Zerfallsprodukte. R1234yf ist wassergefährdend!

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Foto: Daimler

Seit R1234yf zum Quasi-Standard in Pkw-Klimaanlagen geworden ist, werden laut Umweltbundesamt (UBA) immer höhere Konzentrationen in der Atmosphäre nachgewiesen. Zwar ist die mittlere Lebensdauer mit 12 Tagen in der Atmosphäre relativ gering, allerdings wird R12334yf (chemische Bezeichnung: Tetrafluorpropen) dort schließlich zu Trifluoressigsäure abgebaut.

Diese lagert sich dauerhaft im Wasser an und gilt als persistent, also praktisch nicht abbaubar durch chemisch oder biologische Vorgänge. Während R1234yf selbst bereits als „schwach wassergefährdend“ eingestuft wird, trägt sein Abbauprodukt die Einstufung: „deutlich wassergefährdend“ und hat damit das Potenzial, Gewässer und Algen nachhaltig zu gefährden und Ökosysteme zu zerstören.

So äußerte das Umweltbundesamt Präsidentin Maria Krautzberger schon im vergangenen Jahr gegenüber der Frankfurter Rundschau: „Aus dem Trinkwasser kann Trifluoressigsäure mit den üblichen Aufbereitungsverfahren nicht entfernt werden, so dass weitere Einträge unbedingt vermieden werden müssen.“ Rund 19.000 Tonnen des Stoffes dürften pro Jahr in die Atmosphäre gelangen, wenn alle Pkw in Europa mit 1234yf-Klimaanlagen ausgerüstet sind, hat bereits 2012 die schweizerische Materialprüfungsanstalt Empa prognostiziert.

Die Emissionswege hat die deutsche Bundesregierung nun auf Nachfrage des Parlaments noch einmal konkretisiert: Demnach entweichen bei der Befüllung eines Neuwagens durchschnittlich 3 Gramm Kältemittel - bei der Wiederbefüllung oder einem Klimaservice sind die Verluste nochmals deutlich höher. Während der Nutzungsphase verliert das Fahrzeug im Schnitt durch Leckagen und Unfälle zudem jedes Jahr 10 Prozent seiner Füllmenge. In der Entsorgung geht ebenfalls ein Teil des übrigen Gases verloren, rund 18 Prozent.

Das Umweltbundesamt rät, auf fluorierte Kältemittel wie R1234yf zukünftig zu verzichten und stattdessen auf umweltverträglichere Stoffe und Verfahren zu setzen. Bei Autoklimaanlagen hieße die Alternative CO2; bislang wird das Kältemittel aber nur in wenigen, hochpreisigen Audi- und Mercedes-Modellen eingesetzt – die Klimaanlagen werden mit rund 10-fachem Druck betrieben (100 bar) und benötigen daher hochwertigere, teurere Komponenten. Bei allen anderen Neuwagen ist und bleibt Solstice alias R1234yf an Bord – trotz seines Gefährdungspotentials für Mensch und Natur.

Quelle: SP-X, Umweltbundesamt