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Foto: GS Yuasa

Zulieferindustrie

Strom für alle Antriebsarten

Der japanische Batteriehersteller GS Yuasa ist gut durch das Coronajahr 2020 gekommen. Doch wie geht es weiter mit dem Aftermarketgeschäft? Und wie sind die Entwicklungen in der Erstausrüstung? Raphael Eckert, General Manager Sales u. Marketing Components bei GS Yuasa Battery Germany GmbH, im amz-Interview.

Herr Eckert, wie sind Sie als Anbieter von Fahrzeugbatterien durch das Corona-Jahr 2020 gekommen?

Raphael Eckert: Der Einfluss auf unser Geschäft war eher positiv. Wir hatten keine Lieferverzögerungen, da wir die Batterien in unserem Lager in Krefeld bevorraten und von hier an unsere Kunden in Deutschland und Europa liefern. Durch die langen Standzeiten der PKW ist zudem die eine oder andere Batterie, die ihr Lebensende erreicht hatte, doch früher ausgefallen als erwartet. Das sind allerdings nur Vorzieheffekte.

Welche Bedeutung hat bei Ihnen das Aftermarketgeschäft im Vergleich zur Erstausrüstung?

Raphael Eckert: Im Antriebsbereich, also mit Li-Ionen-Technologie, sind wir nur im OE-Bereich vertreten. Das gilt auch für die Li-Starterbatterien, die in unserem neuen Werk in Ungarn gefertigt werden. Starterbatterien mit Blei-Säure-Technologie hingegen verkaufen wir in Europa nur im Aftermarket. In Asien wiederum spielt hier der OE-Bereich eine sehr große Rolle.

Die Arbeit mit EFB- und AGM-Batterien sollte für die Werkstätten eigentlich kein Problem mehr darstellen. Man hört aber immer wieder von Schwierigkeiten. Welche Fehler werden beim Einbau typischerweise gemacht? 

Raphael Eckert: Das gilt nicht nur für AGM- und EFB-Typen, sondern für alle Batterien. Die meisten Werkstätten sind keine Batteriespezialisten und das müssen sie auch nicht sein. Dafür gibt es Anbieter wie uns, die mit Rat und Tat und den notwendigen Instrumenten zur Seite stehen, um die richtige Batterie zu identifizieren. Es gilt der Grundsatz: „Upgrade immer, Downgrade nimmer“. Das heißt, eine Batterie mit höherer Spezifikation ist immer gestattet. Eine niedrigere Spezifikation wird jedoch schnell zum Ausfall der Batterie führen. Ein Start/Stopp-System verlangt zwangsweise nach einer EFB- oder AGM-Batterie. Ein Auto mit einer Rekuperationsanlage sollte eine AGM-Batterie und ggf. eine weitere Stützbatterie an Bord haben.
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Foto: GS Yuasa

Können Sie als Batteriehersteller bei der Qualifizierung der Werkstätten Hilfestellung bieten?

Raphael Eckert: Zunächst bieten wir das in Europa umfassendste Online-Tool auf unserer Webseite an und stellen Werkstätten zudem die Profi-Version inklusive „Smart Button“ zur Verfügung. Damit kann die Werkstatt innerhalb von Sekunden die richtige Batterie finden. Zusätzlich ermittelt das System detaillierte Abgaben zur Einbausituation und Einbauzeit und gibt vor, ob eine AGM-, EFB- oder Standardbatterie verbaut werden soll. Gerade die Einbauzeit bietet eine wichtige Information, schließlich ist sie erheblich für die Preiskalkulation. Abschließend sagt das System, ob die Batterie angelernt werden muss oder nicht. Manchmal verlangt das Auto nach einem „Batteriecode“, der suggeriert, dass nur Batterien bestimmter Hersteller verwendet werden können. Das ist jedoch nicht nötig. Man kann den Code einfach „ausnullen“, das funktioniert sicher.
Das neueste Projekt ist unsere Online-Akademie, in die sich Werkstatt-Mitarbeiter einschreiben können und in kurzen Trainingsvideos alles zum Thema Batterie erfahren. Natürlich schulen wir auch persönlich vor Ort auf die Bedürfnisse der Kunden hin.

Bieten Sie den Werkstätten auch Unterstützung in Sachen Vertrieb? Immerhin sind Probleme mit der Batterie in jeder ADAC-Pannenstatistik ganz vorne mit dabei, was ja ein gutes Verkaufsargument sein müsste.

Raphael Eckert: Ja, selbstverständlich, das ist das A und O. Einfach nur eine Batterie zu verkaufen ist zu wenig. Wir bieten unseren Kunden maßgeschneiderte Marketingpakete, um das Produkt und die Marke in ihrer Region bekannt zu machen. Unser Außendienst prüft zusammen mit dem Kunden vor Ort, welche Verkaufsförderung Sinn macht. Im Rahmen unseres Bonusprogramms bekommt der Kunde zudem ein Marketingbudget gutgeschrieben, das er dann nutzen kann, um verkaufsfördernde Maßnahmen zu finanzieren.

Wie sind Sie in Sachen Vertrieb im Aftermarket grundsätzlich aufgestellt? Sind Veränderungen im Händlernetz geplant?

Raphael Eckert: Unser Motto lautet hier ganz klar: Weniger ist mehr. Sind wir mal ehrlich, der Händler oder die Werkstatt ist doch wahnsinnig genervt, wenn der Kunde mit seinem Smartphone im Laden steht und erzählt, dass es diese oder jene Batterie eine Ecke weiter billiger gibt. Deshalb setzen wir auf eine limitierte Anzahl von Händlern in der Region und leiten die Nachfrage gezielt dort hin. Das Ergebnis rechnet sich für beide Parteien. Wir verkaufen Batterien und der Händler hat eine schöne Marge, weil er aus dem Preisvergleich herausfällt.

Wie ist Yuasa in Sachen 48 Volt-Batterien für Mild-Hybrid-Fahrzeuge aufgestellt? Wie ist die Marktentwicklung?

Raphael Eckert: Hier sind wir im Gegensatz zu anderen Herstellern top aufgestellt. GS Yuasa ist weltweit der einzige Hersteller, der sowohl Li-Zellen wie auch Blei-Zellen in eigenen Werken fertigt. Wir haben seit Jahren Joint Ventures mit Mitsubishi und Honda zur Fertigung von Li-Zellen für den Antrieb von Hybrid- und vollelektrischen PKW und sind mit unseren Werken in Japan strategisch hervorragend gerüstet. Der Markt hat enorme Zuwachsraten. Zwar auf niedrigem Niveau, aber es geht voran.

Welchen Stellenwert haben Batterien für Elektrofahrzeuge für GS Yuasa? Sind Sie hier schon in der Erstausrüstung aktiv? Gibt es F+E-Aktivitäten?

Raphael Eckert: Wie eben erwähnt, ist GS Yuasa bereits seit Jahren als OE-Lieferant für Hybrid- und vollelektrische Fahrzeuge aktiv. Das ist für uns ein strategisches Marktsegment, für das wir hervorragend aufgestellt sind – nicht zuletzt aufgrund unserer Erfahrung in diesem Bereich. Bereits seit den 80er-Jahren fertigen wir Li-Batterien, natürlich anfangs nicht für die Automobilindustrie, aber für viele andere hochkomplexe Anwendungen. Li-Batterien von GS Yuasa finden sich in der Seefahrt, in der Luftfahrt und auch in der Raumfahrt. Unser jüngstes Projekt ist die Installation einer Li-Batterie auf der ISS-Raumstation. Die Antriebsbatterie ist da eine leichtere Übung.
In der Entwicklung haben wir ebenfalls die Nase vorne. Für 2025 planen wir die Einführung einer Antriebsbatterie mit der dreifachen Energiedichte im Vergleich zu einer herkömmlichen Li-Antriebszelle. Das wird die E-Mobilität in ein neues Zeitalter führen. Allerdings ist der Verbrenner aus unserer Sicht deswegen noch lange nicht abgeschrieben, denn jede Technologie hat ihre Berechtigung in der spezifischen Anwendung.  Am Ende des Tages bieten wir unseren Kunden eine Expertise rund um alle Batterietechnologien und können somit unvoreingenommen beraten. Klar ist auch, die heutigen Partner werden bevorzugt profitieren, wenn die Li-Technologie breit im Aftermarket ausgerollt wird.
„In unserer Online-Akademie können Werkstatt-Mitarbeiter in kurzen Trainingsvideos alles zum Thema Batterie erfahren.“
Foto: NTN-SNR

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Foto: AVS-Autoteile

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