Foto: Marcel Schoch

Bessere Auslastung

Smart Repair gut integriert

Optimal aufeinander abgestimmte Arbeitsprozesse sind in K&L Betrieben die Voraussetzung für hohen Durchsatz und damit Wirtschaftlichkeit, wie man bei der Firma Gambs, einem der europaweit größten eigenständigen Fahrzeuglackierbetrieb, weiß.

Christian Gambs, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Gambs Fahrzeuglackierung und Karosseriebau GmbH in Unterschleißheim, nördlich von München, gehört ohne Zweifel zu den Unternehmern, der ihren Betrieb durch Investitionen in modernste Technik stets zukunftsfähig halten. So hat Gambs erst vor wenigen Monaten eine ein halbes Jahr dauernde und sehr umfassende Umbau- und Modernisierungsphase abschließen können. Durch die Erweiterung wurden 32 neue Lackier- und Arbeitsplätze geschaffen. Gesamt sind so 60 neue Produktionsplätze zu den bereits 140 vorhandenen dazu gekommen.

Nebenbei wurde der gesamte Betrieb auch noch energetisch auf neuesten technischen Stand gebracht. Notwendig wurden die neuen Arbeitsplätze, da neben den konventionellen Lackieraufträgen immer mehr Kunden ihre Fahrzeuge mit Smart Repair-Methoden repariert haben wollen (siehe unsere Bildserie).

„Das Problem, dass sich hierbei für uns gestellt hat, war die Integration der Smart Repair-Arbeitsplätze in die Arbeitsabläufe des übrigen Betriebes“, sagt Gambs. „Denn Smart repair konzentriert oftmals sämtliche Arbeitsabläufe auf einen Arbeitsplatz.“ Die neuen Arbeitsplätze wurden daher technisch so ausgestattet, dass neben allen Lackiervorbereitungsarbeiten auch kleine Lackierungen, wie sie bei Smart Repair üblich sind, an Ort und Stelle durchgeführt werden können. Eine hohe Flexibilität an die Nutzung der neuen Arbeitsplätze war daher eines der Ziele, die Gambs mit der Erweiterung seines Betriebes hatte.

Vor allem die Staubfreiheit während und nach Schleifarbeiten an den einzelnen Arbeitsplätzen war eine große Herausforderung. Sie konnte durch modernste mehrstufige Absaugtechnik über Boden- und Decken-Be- und Entlüftungen erreicht werden. Daneben wurden an jedem Arbeitsplatz sogenannte Versorgungsterminals eingerichtet, die sämtliche Strom- und Pressluftanschlüsse sowie Absaugschläuche zur Verfügung stellen. Die Technik stammt dabei von der Firma Sehon Innovative Lackieranlagen GmbH aus Gechingen. Neben diesen neuen multifunktionalen Karosserie- und Lackarbeitsplätzen wurden auch die konventionellen modernisiert und mit modernen Versorgungsterminals ausgestattet. Um neue und alte Arbeitsplätze miteinander zu verflechten, hat Christian Gambs auch in neue Werkstattsoftware investiert. „Durch meinen Betrieb laufen bis zu einhundert Fahrzeuge am Tag“, erklärt Gambs. „Jeder Mitarbeiter gibt kontinuierlich Status-Berichte, wie weit er mit seiner Arbeit ist und wie lange die Arbeiten noch voraussichtlich dauern werden. Diese Infos fließen im DMS zusammen und werden ausgewertet. Im Abgleich mit den anderen Daten können so die Fahrzeuge den Arbeitsplätzen in der Reihenfolge der notwendigen Arbeiten zugewiesen werden. Dabei spielt es keine Rolle, welche Arbeiten durchgeführt werden müssen, denn im Gegensatz zu früher kann an diesen sowohl konventionell als auch mit Smart Repair-Methoden gearbeitet werden. „Unsere alten Smart Repair-Plätze waren nur für diese eine Art von Arbeiten ausgelegt“, erzählt Gambs. „Sobald Aufträge für Smart repair fehlten, lagen sie ungenutzt brach, da eine andere Nutzung aufgrund von zeitaufwändigen Reinigungs- oder Umrüstarbeiten nicht rentabel gewesen wäre.“ Dieser ungenutzte Arbeitsraum gehörte lange Zeit bei der Firma Gambs zu den heimlichen Kostenfressern. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung hatte jedoch ergeben, dass mit der alten Struktur über die Jahre das Potential von mehreren tausend Arbeitsstunden unbemerkt verpufft ist. Heute ist jeder Smart Repair-Arbeitsplatz auch ein Multifunktionsarbeitsplatz, was zu einer deutlich höheren Auslastung der Betriebsstruktur führt. Mit der Erweiterung bzw. Umstellung auf diese neue Arbeitsplatz-Struktur sind auch deutliche Erleichterungen bei den ineinandergreifenden Arbeitsprozessen erzielt worden. Staueffekte ließen sich so gezielt puffern.

Rund 80 Prozent der Zeit bei Lackierarbeiten fallen für deren Vorbereitung an. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen aufs Lackieren und abschließende Polieren und Reinigen. „Wer in seinem Karosserie- und Lackierbetrieb Arbeitsprozesse verbessern und beschleunigen möchte, sollte stets bei der Lackiervorbereitung ansetzen“, empfiehlt Gambs abschließend. „Dies fängt am Arbeitsplatz mit Adaptern an, die mit allen im Markt erhältlichen Profi-Schleif- und Lackierwerkzeugen kompatibel sind und reicht bis hochmoderne Absaugungen, die automatisch alle dort anfallenden Stäube zu einhundert Prozent absaugen und voneinander trennen können“ (vgl. DIN EN 16985 und DGUV 209-046). Neben der Optimierung der Arbeitsprozesse hat die Neustrukturierung des Betriebs noch einen weiteren positiven Nebeneffekt. So konnte bei der Firma Gambs der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter nochmals deutlich weiter verbessert werden. Lungen- und Atemwegserkrankungen, die typisch für das Lackierhandwerk sind, lassen sich mit den neuen Filtertechniken, und stressbedingte Arbeitsausfälle, durch Optimierung der Arbeitsprozesse zuverlässig vermeiden.

Letztlich war es Gambs auch sehr wichtig, dass sämtliche Arbeitsplätze in seinem Betrieb großzügig, komfortabel und ergonomisch gestaltet sind. Christian Gambs: „Ein guter Arbeitsplatz zieht gutes Personal nach sich. Und das bedeutet zufriedene Kunden und in Folge stabile Umsätze.“

Text und Bild: Marcel Schoch

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