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Nutzfahrzeugwerkstätten sind gut für die Arbeit an Reisemobilen gerüstet. Es gilt allerdings einige Punkte zu beachten.
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Nutzfahrzeugwerkstätten sind gut für die Arbeit an Reisemobilen gerüstet. Es gilt allerdings einige Punkte zu beachten.

Nutzfahrzeuge

Reisemobile als neue Zielgruppe für Nfz-Werkstätten

Der Markt für Caravans und Reisemobile boomt. Insbesondere für Nutzfahrzeugwerkstätten ist es eine interessante Option, ins Reparaturgeschäft einzusteigen. Über Chancen, Möglichkeiten und Voraussetzungen sprachen wir mit Klaus König von der Werbas GmbH.

Herr König, warum könnte es für Nutzfahrzeugwerkstätten interessant sein, das Tätigkeitsfeld auf den Bereich der Reisemobile zu erweitern?

Klaus König:  Zunächst können wir festhalten, dass sich viele Reparaturen am Basisfahrzeug kaum vom Standard-Kastenwagen unterscheiden. Lediglich die Zugänglichkeit zu bestimmten Bauteilen könnte etwas eingeschränkt sein. Hinzu kommt, dass Nfz-Werkstätten mit der Durchfahrtshöhe ihrer Rolltore, der Arbeitshöhe in der Werkstatt und der notwendigen Tragfähigkeit der Hebebühnen bereits bestens für die Zielgruppe vorbereitet sind. Und sofern selbst lackiert wird, dürfte auch die Lackierkabine die richtige Größe haben.

In welchen Bereichen könnten sich Herausforderungen ergeben?

Klaus König: Hier gilt es, den Blick auf die Karosseriereparaturen zu richten, bei denen spezielle Reparaturmethoden zu berücksichtigen sind. Mitarbeiter sollten dafür entsprechend geschult werden. Hinzu kommt, dass die Technologien der Freizeitfahrzeuge im Hinblick auf verbaute Materialien und Fügetechniken vielfältig sind. Obwohl die Fahrzeuge in Serie gebaut werden, wird bei der Fertigung hauptsächlich auf Handarbeit gesetzt. Durch die verschiedenen Bauformen der Reisemobile, vom Kastenwagen bis zu den teil- und vollintegrierten Aufbauten, greifen die fahrzeug- und reisemobilspezifischen Systeme zudem teils ineinander.

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Klaus König ist bei Werbas für Marketing und Vertrieb zuständig. 
Foto: Werbas GmbH
Klaus König ist bei Werbas für Marketing und Vertrieb zuständig. 

Hinzu kommt die Ausstattung im Innenbereich...

Klaus König: Richtig. Die Ausstattung der Reisemobile umfasst moderne Sicherheits- und Komfortsysteme ebenso wie Can-Bus-Technologie für das Bordnetzwerk. Hinzu kommen zahlreiche spezifische Systeme. Dazu zählen autarke Heizungs- und Belüftungsanlagen, der automatische Niveauausgleich und die Sanitäranlagen. In diesem Zusammenhang kann es sinnvoll sein, ergänzend zu den eigenen Möglichkeiten, ein Netzwerk mit anderen Handwerksbetrieben aufzubauen. Ein besonderes Augenmerk gilt es auf die in den Fahrzeugen verbauten Gasanlagen zu richten.

Welche Voraussetzungen müssen hier erfüllt sein?

Klaus König: Arbeiten an Flüssiggasanlagen in Wohnwagen und Wohnmobilen mit Flüssiggastank dürfen nur durch zertifizierte Sachkundige vorgenommen werden. Neben Reparaturen muss auch alle zwei Jahre die Dichtigkeit der Gasanlage von einer Fachperson geprüft werden. Druckregler und Schlauch sind nach zehn Jahren zu ersetzen. Für die Gasanlage im Fahrzeug gelten besondere Vorschriften. Hier gilt es, rechtzeitig Mitarbeiter dafür ausbilden zu lassen. Unter anderem bieten der ZKF und die TAK entsprechende Sachkundelehrgänge an.

Welche Herausforderungen werden in diesem Zusammenhang an eine Werkstatt-Managementsoftware gestellt?

Klaus König: Werkstatt-Managementsysteme sollten die Möglichkeit bieten, spezifische Stammdaten zu erfassen, die sich wesentlich von einem Nutzfahrzeug unterscheiden. Sinnvoll wäre deshalb eine eigene Datenseite für das Caravan-Segment. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erfassung der Arbeitszeiten als Ist-Zeit-Verbuchung. Reparaturen an Reisemobilen werden vielfach nach dem geleisteten Arbeitsaufwand abgerechnet. Da ist es hilfreich, wenn die erfasste Ist-Zeit direkt per Tablet oder Handy auf die Arbeitsposition gestempelt werden kann. Zudem sollte die Integration moderner Kalkulationsprogramme ebenso selbstverständlich sein wie die Erfassung von Versicherungsdaten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Einlesen von Ersatzteilelisten der Teile- und Zubehörlieferanten. Eine Vielzahl von Lieferanten bietet das aktuelle Liefersortiment per Excel- bzw. CSV-Datei an. Diese sollten in das DMS-System vom Nutzer eingelesen werden können. So können die Teile per Tastendruck in den Auftrag übernommen werden. Mit Blick auf das vorhin erwähnte Netzwerk ist es zudem sinnvoll, wenn Dienstleistungen anderer Firmen mit der eigenen Rechnung weiterberechnet werden können.

Gibt es auch Unterstützung im Bereich der Reparaturkostenkalkulationen?

Klaus König: Bei der Reparaturkostenkalkulation unterstützt beispielsweise die Deutsche Automobil Treuhand DAT. Als Partner des Caravaning-Industrie-Verbandes e. V. engagiert sie sich als Mitglied im Ausschuss „CIVD Reparaturhandbuch“. Die DAT bringt hier ihre Expertise in der Reparaturkostenkalkulation mit ein. Mit der SilverDAT ist es schon heute möglich, Schäden an Reisemobilen und Caravans gemäß den CIVID-Empfehlungen zu kalkulieren, da zu vielen Basisfahrzeugen der Reisemobile umfangreiche Daten zur Verfügung stehen.

Wie stellt sich die Versorgung mit Ersatzteilen dar?

Klaus König: Bei Reparaturen an den Basisfahrzeugen können die Nfz-Teilelieferanten schnelle Hilfe leisten. Die Geschwindigkeit der Teileversorgung durch die Aufbauhersteller ist nicht immer mit den gewohnten Lieferfähigkeiten der Nfz-Spezialisten zu vergleichen. So kann es sein, dass Fahrzeuge auch mehrere Tage stehen bleiben können.

Mit den Besitzern der Reisemobile kommt zudem eine andere Kundengruppe in die Werkstatt.

Klaus König: Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es sich bei dieser Zielgruppe nicht um robuste Trucker, sondern um Kunden handelt, die für ihr Fahrzeug teilweise sehr lange gespart und entsprechend viel Liebe ins Gefährt investiert haben. Dafür ist die Klientel sehr dankbar und treu, wenn ihnen schnell geholfen wird und sie einen guten Service erfahren.

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