Foto: amz - Ingo Jagels

BBE-Studie

Oldtimer-Kompetenzen aktiver präsentieren

Wer sich professionell mit Old- und Youngtimern beschäftigt, muss die Marktentwicklungen im Blick behalten. Umfassende Informationen bietet die neue "Classic Studie Young- und Oldtimer 2020". Die Autoren mahnen zudem eine weitere Professionalierung des Geschäfts an.

Die Corona-Krise hat auch in der Oldtimerbranche Spuren hinterlassen. Gleichwohl blicken Händler und Werkstätten optimistisch in die Zukunft – auch in den kommenden Jahren ist mit einem leichtem Wachstum zu rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt die Marktstudie „Classic Studie Young- und Oldtimer 2020“, die von der BBE Automotive GmbH in Partnerschaft mit verschiedenen Branchenverbänden erstellt wurde.

Allerdings mahnen die Studie gemeinsame Maßnahmen zur Professionalisierung in Form von starken Netzwerken zur Optimierung des täglichen Geschäfts an. Auch bei der Selbstdarstellung und Sichtbarkeit der Marktakteure lokal, aber insbesondere im Web, wurden klare Defizite erkannt. "Viele präsentieren sich nicht aktiv mit ihrer Kompetenz und Dienstleistung, verfügen über wenig Classic-Ambiente und nutzen ihre Chancen zur eindeutigen, regionalen Positionierung mitunter nur unzureichend", bemängeln die Autoren.

Die Erhebung bietet umfassende und verlässliche Daten über den Markt für Classic Cars in Deutschland. Präsentiert wird der Bestand an Classic Cars auf Basis der Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und einer bundesweit angelegten Befragung von etwa 300 Werkstätten mit Classic-Engagement. Zudem wurde der Oldtimerbestand bezüglich des Wertes analysiert und segmentiert. Im Fokus der Studie und relevant für die Classic-Car-Branche stehen die Old- und Youngtimer, die in der Freizeit als Hobby oder Anlageobjekt genutzt werden. In Summe sind es ca. 1,4 Millionen Fahrzeuge.

Fahrzeugbestand wächst weiter

Der Bestand an „Classic Cars“ (Young- und Oldtimer ab 15 Jahren) ist gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent gewachsen und umfasst derzeit rund 9,5 Millionen Fahrzeuge. Mit zweistelligen Wachstumsraten entwickeln sich lediglich die Fahrzeuge ab 25 Jahren dynamisch. Bei Youngtimern zwischen 15 und 19 Jahren hingegen ist eine leicht rückläufige Entwicklung zu verzeichnen. Aus dem hochwertigen Bestand der mindestens 25-jährigen Youngtimer werden jährlich in etwa 70.000 zum Oldtimer werden.

Im Rahmen der Studie erfolgte die neue Segmentierung des Bestands in sieben Gruppen. Bei den Oldtimern zeigt sich, dass diese in Summe etwa eine Million Fahrzeuge umfassen, allerdings sind das lediglich etwa 1,8 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands in Deutschland. Davon sind ca. 200.000 über 07er Kennzeichen oder zum Beispiel in Museen und Sammlungen gar nicht zugelassen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Bedeutender Wirtschaftsfaktor „Classic Cars“

Die Branche ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Mehr als 3.500 Werkstätten und Autohäuser mit über 9.000 Beschäftigten engagieren sich hier, 3.000 Händler liefern Teile, und von 4.000 Events im Jahr profitieren viele Branchen.

Die Branche meldet ein durchwachsenes Jahr 2020. Corona hat erwartungsgemäß Auswirkungen gezeigt und bei 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer zu Umsatzeinbußen geführt. Es herrscht aber Optimismus für das Jahr 2021. Nach wie vor bewegen die Branche die Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, die häufig schwierige Teilebeschaffung und Hilfestellung bei komplexen Reparaturen. Auch der fehlende Austausch mit Kollegen wird bemängelt. BBE sieht große Chancen für die Branche durch Vernetzung: „Hier fehlt es derzeit aber an Strukturen“, so Martin Sölter von der BBE Automotive.

Hohe Akzeptanz in der Gesellschaft

Aktuelle Ergebnisse aus der 2020er Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) zeigen, dass sich 43 Prozent der Bevölkerung freuen, wenn sie einen Oldtimer sehen, und jeder Dritte gerne einmal mit einem Oldtimer fahren würde. Immerhin 17 Prozent würden gerne einen solchen besitzen. Zusammenfassend sind Oldtimer für fast jeden Zweiten etwas Besonderes, charmant und bieten auch Zugang zu Gleichgesinnten. Erwähnenswert sind auch die jungen Autofahrer, denn die unter 30-Jährigen stellen mit 23 Prozent die größte Gruppe mit „Interesse an der Fahrt mit einem Oldtimer“ dar.

Der zugelassene Bestand wird von deutschen Marken dominiert

Im Oldtimer- und auch im Youngtimer-Bestand dominieren die deutschen Marken. Am häufigsten vertreten sind die Marken Volkswagen und Mercedes-Benz. Sie stehen für 43 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge. Volkswagen stellt auch die Top 3 Modelle, angeführt vom Käfer mit 53.000 Einheiten, gefolgt vom Golf (41.000) und dem VW Bus (37.000). Die zwei Importmarken Fiat und GM schaffen es mit mehr als 20.000 Einheiten unter die Top10.

24 Milliarden Euro sind die Oldtimer in Summe wert

In Expertenrunden wurde in der aktuellen Studie erstmals eine bestandsorientierte Bewertung vorgenommen. Im Ergebnis wird deutlich, dass Oldtimer kein so teures Hobby sind, wie gern angenommen wird. Es dominiert das Volumensegment im Wert von 10.000 Euro bis zu 50.000 Euro mit einem Anteil von 51 Prozent. Eine kleine Gruppe von lediglich 8 Prozent aller zugelassenen Oldtimer hat einen höheren Wert als 50.000 Euro. Die zweitgrößte Gruppe mit 41 Prozent der zugelassenen Oldtimer liegt beim Wert bis zu 10.000€. Das Premiumsegment mit seinen 8 Prozent aller zugelassenen Oldtimer steht aber für 38 Prozent des gesamten Fahrzeugwerts in Höhe von 24 Milliarden Euro. „Der Einstieg in die Oldtimerszene ist erschwinglich“, so Gerd Heinemann, Geschäftsführer von BBE Automotive.

Auf der regionalen Ebene unterscheiden sich die Bestände deutlich

In Deutschland können die Oldtimerhochburgen über den Fahrzeugbestand identifiziert werden. Grundsätzlich befinden sich diese insbesondere in den kaufkraftstarken Gebieten der Großstädte und in deren Umlandsorten.

Am Beispiel der Stadt Bottrop, mit einem vergleichsweise hohen Oldtimeranteil von 3,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 1,8 Prozent) wird aber deutlich, dass auch andere Regionen durchaus Hochburgen bei Oldtimern darstellen. Die Bestandsstruktur unterscheidet sich hier deutlich von kaufkraftstarken Gebieten mit Mercedes- und Porsche-Dominanz: Hier verfügen Marken wie Opel, Ford und Volkswagen über eine größere Bedeutung und bekräftigen die starke, emotionale Bindung zum historischen Kulturgut.

Die Studie kann zum Preis von 295 € zzgl. MwSt. bei BBE Automotive bestellt werden und wird als lizensiertes PDF-Dokument geliefert. Die Studienpartner bieten ihren Kunden auch Freiexemplare an.

Foto: Daimler AG

Neuer Rekord

Immer mehr Oldtimer

Der Bestand an Pkw mit H-Kennzeichen hat in diesem Jahr erstmals die Zahl von einer halben Million erreicht. Besonders beliebt sind Daimler, VW und Porsche.

Foto: industrieblick - Fotolia.com

BBE-Studie

Werkstattumsätze leicht gestiegen

Deutschlands Autofahrerinnen und Autofahrer haben im vergangenen Jahr für die Wartung- und Reparatur ihrer Fahrzeuge 24 Mrd. Euro ausgegeben – viel mehr wird es wohl in absehbarer Zeit nicht werden, vermuten die Experten der BBE.

Foto: CMT

Markt

Der Run auf Reisemobile und Wohnwagen hält an

Die Caravaning-Branche schwebt weiter auf Wolke sieben: 2019 war das dritte Rekordjahr in Folge. Kompakte Kastenwagen und Vans sind die Treiber des anhaltenden Booms.

Foto: Audi

Messen

Dunkle Wolken über der IAA

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) steht in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Zahlreiche Hersteller sind nicht dabei. Noch schwerer wiegen die grundlegenden Probleme der Branche.