Foto: amz / Bäumer

Für durchgefärbte Kunststoffteile

Mit Strukturlack gegen Kratzer in Stoßstangen

Kratzer im Stoßfänger sind gang und gäbe. Strukturlack aus der Dose bietet hier smartes Zusatzgeschäft und lässt die Kratzer verschwinden - ganz ohne Demontage der Stoßstange oder Zierleiste.

Problematisch wird es im Smartrepair-Bereich immer dann, wenn von den Kratzern nicht die lackierten Flächen, sondern unlackierte Kunststoffe mit Strukturoberfläche betroffen sind. Abhilfe kann hier Strukturlack bringen, der dank spezieller Additive für eine sehr ähnliche Oberfläche sorgt, wie der Hersteller diese ab Werk in den Kunststoff gepresst hat. Ähnlich der Hammerschlaglacke, die oftmals auf älteren Geräten zu finden sind, verändern auch hier spezielle Additive den Lack und bilden kleine Pickelchen aus, die der Strukturoberfläche sehr ähnlich sehen – den direkten Unterschied sieht das geschulte Auge nur, wenn man direkt vor dem Stoßfänger steht und die Muster genau untersucht.

Schäden abwägen

Zunächst sollte abgewogen werden, ob die Reparatur mittels Smartrepair-Lackierung auch wirklich günstiger ist als der Austausch der betroffenen Teile selbst. Jedoch sind die derartigen Stoßleisten gerade bei preiswerteren Fahrzeugen häufig nicht mehr verschraubt oder verklipst, sondern vernietet und damit untrennbar mit dem Stoßfänger verbunden worden. Den Austausch des kompletten Stoßfängers nur wegen eines solchen Schadens, wird kaum ein Gebrauchtwagenfahrer in Kauf nehmen. Auf der Habenseite der Lösung steht vor allem die eingesparte Arbeitszeit, wenn der Stoßfänger nicht demontiert werden muss – hier drohen gerade bei älteren Fahrzeugen Klips zu brechen und Spaltmaße nachher nicht mehr zu stimmen. Da ist es vorteilhaft, die Teile an Ort und Stelle lassen zu können. Wie bei einer herkömmlichen Lackierung muss auch bei der Strukturlackierung geschliffen werden. Bei der Körnung reicht ein schmales Spektrum von 120 bis 240 sowie ein Schleifvlies, um die allermeisten Schäden auszuschleifen. Dabei nicht zu grob anfangen, mitteltiefen Kratzern rückt man zunächst mit 180er-Körnung auf die Pelle, wenn es nicht reicht, kann immer noch zum schärferen Schleifmittel gegriffen werden. Nach dem Vorschliff geht es dann mit 240er-Körnung weiter, bis eine glatte Oberfläche entsteht – es braucht nicht perfekt sein, aber Riefen oder Kratzer sollten mit bloßem Auge und in gutem Licht nicht mehr zu sehen sein. Eine Tageslichtlampe sorgt hier für erhellende Momente.

Schleifen statt spachteln

Michael Deterding, Anwendungstechniker bei Motip Dupli, erklärt während des Schleifens: „Um Arbeits- und Trocknungszeit zu sparen, würde ich immer lieber ein wenig mehr schleifen, als zu schnell zur Spachtelmasse zu greifen – das verlängert mir die Trocknungszeiten bis zur Weiterverarbeitung erheblich.“ Natürlich sind dem Schleifen Grenzen gesetzt: Richtige tiefe Riefen bekommt man damit nicht mehr geglättet, aber viele Schrammen lassen sich so durchaus einfach verbergen.

Lackieren des Strukturlacks

Mittels Kunststoffreiniger wird der Kunststoff von Schmutz, Schleifstaub und Fetten befreit und ersetzt an dieser Stelle den Silikonentferner, der den Kunststoff unter Umständen verspröden lassen würde. Im Kunststoffreiniger hingegen sind Additive enthalten, die eine elektrostatische Aufladung beim Reinigen weitgehend verhindern. Dies wirkt sich positiv auf das Lackierergebnis aus, da weniger Staubeinfall die Folge ist. Nun wird die erste Schicht des Strukturlacks aufgetragen – wie immer besser mehrmals dünn als einmal zu dick. Außerdem empfiehlt es sich, auf einem Stück Karton zuerst Probe zu sprühen, um den Sprühabstand und den daraus resultierenden Effekt besser abschätzen zu können. Bei weicheren Kunststoffen kann es nach dem Applizieren ­vorkommen, dass sich Fasern, die beim Schleifen hingelegt wurden, nun fast senkrecht aufgerichtet haben. „Das ist normal und kein Problem“, erklärt Deterding. Mit dem Schleifvlies lassen sich die Härchen nach dem Trocknen einfach und leicht brechen und entfernen. Anschließend wird der zweite Sprühgang aufgetragen, das Ergebnis nähert sich dem gewollten Finish.

Zu beachten ist in jedem Fall, dass sich die Durchtrocknungsdauer mit jedem Sprühgang verlängert, da es sich um ein 1k-Produkt handelt, dessen Bestandteile die vorherige Schicht wieder ein wenig anlösen. Nach einem weiteren Sprühgang samt Härchenentfernung ist im dritten Sprühgang das Ergebnis dann so perfekt, wie man es für eine SmartrepairLösung erwarten würde. Mit gezieltem Ausnebeln lässt sich ein weicher Übergang schaffen, sodass die eigentliche Reparaturstelle kaum noch erkennbar bleibt.

Versiegeln und Farbanpassungen

Nach dem Lackieren muss der Lack noch versiegelt werden, da sonst eine dauerhafte UV-Beständigkeit nicht gegeben ist. Hier können wahlweise Klarlacke oder Kunststoffspray verwendet werden, das zudem noch in verschiedenen Farbtönen erhältlich ist. Auch ein Überlackieren in Wagenfarbe ist möglich, etwa wenn am Schweller ausgebesserte Stellen wieder dem Original nachempfunden werden sollen, oder eine brachiale Off-Optik das Ziel ist.

Effektanpassungen und Einsatzspektrum

Die Effekte lassen sich zudem je nach Bedarf durch die Anzahl der Spritzgänge anpassen (ein Spritzgang = fein, drei Spritzgänge = grob). Will man besonders feine Strukturen nachbilden, bietet es sich an, die Spraydose leicht vorzuwärmen – auf etwa 25 Grad. Wer hingegen eine gröbere Optik erreichen möchte, kühlt die Dose im Kühlschrank unter die Raumtemperatur ab. Auch mit leichten Zwischenschliffen mittels des Schleifvlieses sind noch Nuancenanpassungen möglich, wenn man auf der Suche nach dem perfekten Ergebnis ist. So kann man mit einigen Proben einen beinahe nahtlosen Übergang schaffen. Neben den Stoßleisten der Stoßfänger können sämtliche Kunststoffe, die mit einer Strukturoptik versehen sind – oder es werden sollen – mit dem Strukturlack behandelt werden. Dazu gehören etwa Schwellerverkleidungen und Spiegelkappen, die bei Einstiegsmodellen häufig ohne Lackierung in Wagenfarbe daherkommen.