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Foto: Sachs/ZF Aftermarket
Wird das Keilprofil der Kupplungsscheibe nicht gefettet, droht Reibrost, der zu Geräuschen und schlechtem Kupplungsverhalten führt.

Werkstatt-Tipp

Kupplungstausch – wo fetten und wo nicht?

Beim Kupplungswechsel stellt sich so mancher Mechaniker die Frage, was wo gefettet werden muss – oder ob moderne Materialen überhaupt noch nach separater Schmierung verlangen. Wir klären auf.

Die Einscheiben-Trockenkupplung ist seit Jahrzenten der Standard zur Kraftübertragung bei Handschaltgetrieben. Wenn die Kupplung rutscht, rupft oder quietscht, müssen Motor und Getriebe getrennt werden, um die Kupplungsscheibe und gegebenenfalls noch die Druckplatte oder das moderne Zweimassenschwungrad auszutauschen. Geht es an die Montage, stellt sich die Frage, welche Komponenten geschmiert werden wollen:

Die Kupplungsscheibe

An der Kupplungsscheibe selbst verbietet sich selbstredend jeder Schmierstoffeinsatz – sie soll viel Reibung erzeugen und Kraft übertragen. Das Keilwellenprofil in der Mitte, mit dem die Scheibe auf der Getriebeeingangswelle gleitet, verlangt jedoch nach Schmierstoff – in Maßen und nicht in Massen.

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In das Keilprofil der Kupplungsscheibe eine erbsengroße Portion Fett füllen und verteilen.
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Ebenso die Eingangswelle dünn bestreichen – anschließen die Scheibe aufsetzen, bewegen, und überschüssiges Fett entfernen
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Nur ausgewiesene Schmierstoffe wie das Sachs Hochleistungsfett oder Castrol Olista Longline verwenden

Da die Welle sich schnell dreht und hohe Zentrifugalkräfte wirken, muss das Fett besonders gut an der Welle haften und auch bei hohen Temperaturen nicht zerfließen. Auf keinen Fall darf zu viel Fett aufgetragen werden, es würde sich auf der Kupplungsscheibe verteilen und diese unbrauchbar machen. Daher gibt man eine erbsengroße Portion in die Innenverzahnung der Kupplungsscheibe und verteilt diese mit der Hand. Anschließend wird auch die Eingangswelle dünn mit dem Schmierstoff bestrichen. Nun wird die gefettete Scheibe auf die Eingangswelle gesetzt und ein paar Mal hin- und hergeschoben. Überschüssiges Fett, was sich an dem Keilwellenprofil sammelt, ist muss nun entfernt werden.

Zur Schmierung eignet sich das Sachs Hochleistungsfett, alternativ kann die Werkstatt Castrol Schmierfett Olista Longtime 1 oder 2 verwenden.

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Foto: Sachs/ZF Aftermarket
Wird das Keilprofil der Kupplungsscheibe nicht gefettet, droht Reibrost, der zu Geräuschen und schlechtem Kupplungsverhalten führt.

Fehlende Schmierung auf dem Keilnutprofil sorgt hingegen für Rost – verstärkt auch dann, wenn die Stopfen von Wartungsdeckeln an der Kupplungsglocke fehlen und Wasser eintreten kann. Eine rostige Welle äußert sich durch Quietschgeräusche beim Treten des Kupplungspedals sowie eine ruppige, schlecht dosierbare Kupplung, da die Kupplungsscheibe nicht mehr sauber gleiten kann.

Ausrücklager

Neben der Kupplung möchte auch das Ausrücklager einwandfrei auf der Führungshülse gleiten können. Hier ist jedoch Vorsicht gefragt: Eine allgemeine Schmierempfehlung gibt es nicht, es kommt auf die Materialpaarung an, ob ein Schmiermittel notwendig ist:

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Reibt Metall auf Metall? Dann muss geschmiert werden…
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…hat das Ausrücklager hingegen ein Gleitlager aus Kunststoff….
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…oder PTFE, so darf auf keinen Fall gefettet werden – der Schmierstoff würde den Kunststoff aufquellen und verspröden lassen

Ausrücklager mit Metallbuchsen müssen mit Schmierstoff versehen werden – anderenfalls drohen Fresser und Quietschgeräusche im Betrieb. Ausrücklager mit Kunststoffbuchsen dürfen nicht mit Schmierstoff versehen werden, da Kunststoffe eine Schmierung mit Fett nicht gut vertragen. Sie können aufquellen oder rissig werden, was beides zum Ausfall des Ausrücklagers führen kann. Auch Ausrücklager mit PTFE-Buchsen dürfen nicht mit Schmierstoff versehen werden, sie zählen zu den Kunststoffen und vertragen ebenfalls keine Schmierstoffe. Ist ein Ausrücklager mit Kunststoff/PTFE-Gleitlager verbaut, reicht es, die Führungshülse so zu reinigen. Ist diese zu stark verschmutzt oder hat starke Einlaufspuren, sollte diese ausgewechselt werden. Eine spätere Reklamation mit erneutem Getriebeausbau ist unbedingt zu vermeiden.

Fazit

Beim Kupplungswechsel braucht es nicht viel, aber den richtigen Schmierstoff. Alte Gesellenweisheiten bringen den Mechatroniker an neuem Material nicht weiter und können sogar schädlich sein, wenn auf Grund der Schmierung das Kunststoffausrücklager aufquillt und festsitzt. In den meisten Kupplungskits ist bereits die notwendige Menge an korrektem Schmierstoff enthalten, wer häufiger wechselt oder eine Kupplungsscheibe separat beschafft hat, greift zur Abhilfe aus der Tube.

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