Foto: Kolb & Sörgel

Teilegroßhandel

Kolb & Sörgel meldet Insolvenz an

Investor abgesprungen: Das Fürther Traditionsunternehmen Kolb und Sörgel ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten und hat einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

Die Vorweihnachtszeit hatte sich Kilian Sörgel, Geschäftsführer der Kolb und Sörgel GmbH & Co. KG, wirklich anders vorgestellt. Nach gut halbjähriger Vorbereitungszeit sollte sein Unternehmen eigentlich im Dezember verkauft werden. Die Parteien waren sich handelseinig, der Notartermin war für den 10. Dezember angesetzt.

Doch dann kam alles anders. Nur einen Tag vor der geplanten Vertragsunterzeichnung sagte die Käuferseite nicht nur den gemeinschaftlichen Termin ab, sondern gleich das ganze Geschäft. „Der plötzliche Sinneswandel kam für uns sehr überraschend und hat uns kalt erwischt“, erklärt Kilian Sörgel gegenüber der amz-Redaktion. Geplant war ein Asset Deal, bei dem die Eigentümerfamilie das operative Geschäft zu einhundert Prozent verkauft hätte, die Gebäude und Grundstücke aber behalten hätte.

Bankenfinanzierung auf Verkauf ausgerichtet

Die gesamte Bankenfinanzierung des Teilegroßhändlers, der bereits in vierter Generation betrieben wird, war allerdings darauf ausgerichtet, dass ein neuer Eigentümer einsteigt. Die bis Ende 2019 laufenden Kreditlinien des Fürther Unternehmens, das in Maisach bei München einen zweiten Standort betreibt, wären dann um zwei Jahre verlängert worden.

„Nach der Absage des Interessenten drohte uns die Zahlungsunfähigkeit“, erläutert der Geschäftsführer. Daher hat er am 16.12. beim Amtsgericht einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Diesem Antrag wurde rückwirkend zum 1. Dezember stattgegeben.

Dabei sei das Geschäftsjahr 2019 für den Teilehändler dem Markttrend entsprechend zwar alles andere als gut verlaufen, aber eben auch nicht katastrophal schlecht. Der Umsatz lag etwa sechs Prozent unter dem des Vorjahres. In Summe setzte die Firma 2019 Waren im Wert von rund 35 Mio. Euro um. Sörgel räumt allerdings ein, dass in den vergangenen Jahren zunehmend deutlich geworden sei, dass das Unternehmen neben frischem Kapital auch eine neue strategische Ausrichtung benötige. „Dafür haben wir einen Investor gesucht.“

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Was sind die nächsten Schritte? Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, die Kunden werden weiterhin bedient, Kilian Sörgel bleibt als Geschäftsführer mit an Bord. Allerdings hat das Amtsgericht einen Sachwalter für das Unternehmen berufen. Ein kurzfristiger Stellenabbau ist nach den Worten des Geschäftsführers nicht geplant. Die Gehälter seien über das Insolvenzausfallgeld für die nächsten drei Monate gesichert. „Im Sinne der Eigenverwaltung ist es jetzt unser Ziel, so schnell wie möglich eine Lösung herbeizuführen und einen neuen Investor zu finden“, so Sörgel. Die ersten Gespräche seien dazu schon geführt worden.

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