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amz-Redakteur Martin Schachtner (li.) im Gespräch mit Anton Bigelmaier, 
Foto: Kögel
amz-Redakteur Martin Schachtner (li.) im Gespräch mit Anton Bigelmaier, 

Aufbauten

Kögel: „Nicht jeder Partner kann alle Arbeiten beherrschen“

Der Trailer-Hersteller Kögel kommt europaweit auf fast 1.000 Servicepartner. Im amz-Interview erklärt Aftermarket-Bereichsleiter Anton Bigelmaier, wie der Netzzugang geregelt ist. Ein neuer „Partner“ entsteht derzeit auf dem Werksgelände: Kögel bietet bald eigene Werkstattservices.

Bei Kögel bewegt sich was: Am Unternehmenssitz im bayerischen Burtenbach wird derzeit eifrig gebaut. Es entsteht auf dem Grundstück unter anderem eine moderne Werkstatt für Anhänger und Auflieger. Kögel-Mechatroniker werden nach Fertigstellung noch in diesem Jahr externe Kunden betreuen. Für Anton Bigelmaier bildet sich mit der offenen Trailer-Werkstatt neues Geschäftspotenzial heraus. Als Aftermarket-Bereichsleiter von Kögel fällt die Werkstatt in seinen Zuständigkeitsbereich. Wir haben uns vor Ort aber nicht nur über das in Entstehung befindliche Kögel-eigene Servicegeschäft unterhalten, sondern auch Chancen für Servicepartner thematisiert.

Wie ist Kögel im europäischen Aftermarket aufgestellt? Wie viele Servicepartner gibt es?

Anton Bigelmaier: Wir passen unsere Servicestruktur an die Eigenheiten in den unterschiedlichen Märkten an. In Deutschland verfügt Kögel Aftersales über rund 500 Servicepartner. Hinzukommen, mehr als 400 Servicepartner in den anderen europäischen Ländern.

Auf der Kögel-Webseite findet sich der sogenannte Service-Locator. Welche Informationen bietet die Suche Kunden zum Kögel-Netzwerk?

Anton Bigelmaier: Mit der Programmierung des Service-Locators versetzen wir Kunden in die Lage, unsere Partnerbetriebe auch von unterwegs zu finden. Die Suche wird permanent optimiert. Ein Beispiel ist die Differenzierung der Betriebe nach Spezialwissen. Grundsätzlich gilt: Nicht jeder Partnerbetrieb kann und muss alle Arbeiten beherrschen. Trotzdem wollen wir sichergehen, dass Kunden mit einem speziellen Problem auch die richtige Werkstatt ansteuern.

Eine Stichprobe hat ergeben, dass viele Vertragsbetriebe gelistet sind…

Anton Bigelmaier: Wir pflegen unsere Systempartnerschaften, beispielsweise im Rahmen von TruckWorks der Daimler Truck AG und MAN Service Complete.

Wie sieht es mit Partnern aus dem freien Reparaturmarkt aus?

Anton Bigelmaier: Wir arbeiten auch sehr gerne und sehr gut mit Freien Werkstätten zusammen. Eine wichtige Voraussetzung für die Kooperation sind unsere Servicekriterien.

Auf was legen Sie bei Aufnahme ins Kögel-Partnernetz Wert?

Anton Bigelmaier: Die Grundvoraussetzung ist unsere Servicepartner-Checkliste. Uns interessieren hier grundsätzliche Rahmenbedingungen wie Öffnungszeiten, Equipment, Know-how zu Bremssystemen oder auch Spezial-Kompetenzen. Auch sehen wir es gern, wenn Partnerbetriebe einen Pannendienst haben. Mit der Checkliste prüfen wir, ob der Servicebetrieb zu Kögel passt. Außerdem erlaubt er uns, eine gewisse Klassifizierung vornehmen.

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Kögel produziert eine eigene Achse. Mit dem Anhänger fährt der Außendienst auf den Hof von Werkstätten bzw. von Speditionen, um die Technik vorzuführen und potenzielle Wartungsarbeiten zu erläutern.
Foto: Kögel
Kögel produziert eine eigene Achse. Mit dem Anhänger fährt der Außendienst auf den Hof von Werkstätten bzw. von Speditionen, um die Technik vorzuführen und potenzielle Wartungsarbeiten zu erläutern.

Sieht ihre Checkliste auch Werkzeug-Empfehlungen oder die Teilebevorratung vor?

Anton Bigelmaier: Vorgaben zu Ersatzteilen macht Kögel Aftersales nicht. Genauso wenig ist das bei den Spezialwerkzeugen notwendig: Die Trailer-Reparatur erfordert in der Regel marktgängige Werkzeuge. Bremsen- und Achshersteller empfehlen ihrerseits bestimmtes Equipment für Wartung und Reparatur. In den Nfz-Betrieben ist dies Teil des täglichen Geschäfts und somit vorrätig. Dennoch gibt es von Kögel eigenes Spezialwerkzeug: Im KTA -Werkzeugkoffer finden sich geeignete Tools für die Kögel Trailer Achse KTA Novum: Damit geht die Arbeit mit unserer KTA Novum leichter von der Hand.

Wie organisiert Ihr Unternehmen die Ersatzteilversorgung in der DACH-Region? Gibt es einen Kögel-Direktvertrieb?

Anton Bigelmaier: Es gibt eine gewisse Wettbewerbssituation mit dem etablierten Teilehandel. Man sieht das am Beispiel Bremsen- und Achsenteile: Die Lieferanten beliefern den Teilehandel, über den Kögel-Webshop sind entsprechende Komponenten auch erhältlich. Bei den Trailerteilen beliefern wir die unterschiedlichen Märkte teils direkt, teilweise in Kooperation mit Partnern. Dieses Herstellerteile-Programm umfasst unter anderem Rahmenkomponenten, Unterfahrschutz, Verdeckteile, Rückwandtüren und Stirnwände. Auf dem deutschen Markt betreuen fünf Außendienst-Mitarbeiter die Kunden. Speditionen und Werkstätten bestellen die Ware bei Kögel und erhalten die Lieferung von unserem Logistik-Partner. Das Logistikzentrum befindet sich in Ulm und umfasst eine Fläche von mehr als 10.000 Quadratmetern.

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Der Webshop von Kögel bietet einen Zugriff auf 11.000 Ersatzteile.
Foto: Kögel
Der Webshop von Kögel bietet einen Zugriff auf 11.000 Ersatzteile.

Wie entwickelt sich der eigene Webshop?

Anton Bigelmaier: Unseren Online-Teileshop gibt es schon sehr lange und das Interesse nimmt stetig zu, vor allem seit der Corona-Pandemie. Der Anteil der Online-Bestellungen liegt inzwischen bei rund 50 Prozent. Die Kunden haben hierüber Zugriff auf insgesamt 11.000 Teile. Hinzu kommt nun noch das Kögel Original Parts-Programm. Es umfasst insbesondere sogenannte Fast-Mover, also Verschleißteile wie Bremsscheiben, Bremsbeläge, Bremszylinder, Stoßdämpfer oder Luftfederbälge, die besonders häufig gedreht werden. Kögel Original Parts sind Ersatzteile in Erstausrüsterqualität und verfügen über besonders hohe Standfestigkeit und ein möglichst niedriges Eigengewicht. Damit haben die Kunden die Möglichkeit, den technischen Zustand auf dem Niveau eines Neufahrzeugs von Kögel zu erhalten – mit den Vorteilen für die Betriebskosten und den Werterhalt des Trailers. Natürlich entwickeln wir den Webshop stetig weiter. So wurden vor kurzem moderne Zahlungsmethoden wie Sofort-Überweisung, Kreditkartenbezahlung, oder Paypal integriert, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Zudem gibt es nun eine Schnittstelle vom Kögel-Kundenportal zur Sendungsverfolgung des Dienstleisters.

Wie viel vom „Tagesbedarf“ eines Servicebetriebs mit Trailer-Schwerpunkt oder einer Speditionswerkstatt deckt das Kögel-Teileangebot ab?

Anton Bigelmaier: Bis zu 90 Prozent der benötigten Trailer-Ersatzteile sind über Nacht verfügbar – wenn wir uns im Bereich der Serie bewegen bzw. so es sich um Standardprodukte handelt. Bei spezielleren Trailerteilen kann es vorkommen, dass beispielsweise Stirnwände oder Rückwandtüren in besonderen Höhen erst produziert werden bzw. die Dimensionen etwa eines Dachbaums Sondertransporte notwendig machen. Dann ist eine 24-Stunden-Lieferung natürlich nicht möglich.

Wie hoch ist der Anteil an Full-Service-Verträgen?

Anton Bigelmaier: Wir verzeichnen insbesondere seit Beginn dieses Jahres eine zunehmende Nachfrage nach Full-Service-Verträgen. Wir nehmen wahr, dass gerade in diesen herausfordernden Zeiten, die Kunden eine verbindliche Kostenkalkulation wünschen.

Kögel baut derzeit hier am Unternehmenssitz in Burtenbach. So ist auch eine Werkstatt im Entstehen begriffen. Wollen Sie auch externen Kunden Services bieten?

Anton Bigelmaier: Wir bauen hier am Standort eine voll ausgestattete und öffentlich zugängliche Werkstatt für Trailer. Wir gehen in diesem Zusammenhang eine Servicepartnerschaft mit den etablierten Achs- und Bremsherstellern ein. Auch wollen wir Kunden- und Garantiereparaturen sowie HU- und SP-Abnahmen durchführen. Daneben ist der Servicestandort auch für den internen Bedarf gedacht: So sollen auch Anhänger und Auflieger aus unserem Mietprogramm sowie Gebraucht-Fahrzeuge repariert und gewartet werden.

Herr Bigelmaier, vielen Dank für das Gespräch!

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