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Beim 5. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin diskutierten rund 350 Teilnehmer zwei Tage lang über den sicheren, effizienten und nachhaltigen Güterverkehr der Zukunft.
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Beim 5. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin diskutierten rund 350 Teilnehmer zwei Tage lang über den sicheren, effizienten und nachhaltigen Güterverkehr der Zukunft.

5. Dekra-Zukunftskongress Nutzfahrzeuge

Klimafreundlich, vernetzt und sicher

Rund 350 Experten und Praktiker aus Politik, Industrie, Forschung und Transportgewerbe diskutierten beim 5. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin über die Potenziale innovativer Technologien rund um das Nutzfahrzeug von morgen.

Die Fachleute sind sich einig: Der Güterverkehr auf der Straße wird bis zum Jahr 2050 deutlich zunehmen. Das bedeutet zahlreiche Herausforderungen für die Nutzfahrzeughersteller und ihre Zulieferer, für die gesamte Transport- und Logistikbranche sowie für Politik und Wissenschaft. Und das in Bezug auf Effizienz und Umweltverträglichkeit ebenso wie im Hinblick auf die Verkehrssicherheit.

Diese Herausforderungen wurden Ende Oktober beim Dekra-Zukunftskongress in den drei Themensträngen „Nutzfahrzeug-Technologie“, „Digitalisierung“ und „Letzte Meile“ ausführlich diskutiert. „Ein zukunftssicherer Güterverkehr bleibt unerlässlich für unsere Volkswirtschaften und für die Gesellschaft als Ganzes“, sagte Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH, zum Auftakt. Einmal mehr untermauere die Veranstaltung ihre Position als zentrale Plattform für die gesamte Transport- und Logistikbranche.

Politik und Wirtschaft müssen sich verstärkt austauschen

Einen zentralen Schwerpunkt beim Kongress bildete die Frage, mit welchen Anforderungen an Transport- und Logistikunternehmen der Umstieg auf alternative Antriebe verbunden ist. In diesem Kontext erinnerte Hartmut Höppner, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, an das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung. Danach müssen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Für das Jahr 2040 gilt ein Minderungsziel von mindestens 88 Prozent, die Klimaneutralität soll Deutschland bis 2045 erreichen. „Die Transformation kann nur im gemeinsamen Schulterschluss von Politik und Wirtschaft gelingen“, so Höppner. Gleichzeitig biete der Umstieg auf klimafreundliche Lösungen auch Chancen für die Transportbranche und sei mit Wettbewerbsvorteilen verbunden. Wichtig sei, den Wandel jetzt aktiv zu gestalten.

Dass es bis zur Klimaneutralität noch ein weiter Weg ist, zeigte Martin Schmied, Leiter des Fachbereichs Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien im Umweltbundesamt, auf. Vor allem verwies er dabei auch darauf, dass mit den derzeit durch die Politik beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen im Bereich der alternativen Antriebe im Straßengüterverkehr wie Fahrzeugförderung, Infrastrukturaufbau und Regulatorik in Form etwa der CO2-Maut die erklärten Emissionsziele nicht zu erreichen sind. „Laut Projektionsbericht der Bundesregierung ist allein schon für das Jahr 2030 von einer Lücke von 28 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten auszugehen“, führte Schmied aus. Klimaschutz sei mehr denn je eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Ziele könnten nur mit einer Kombination von Energiewende und Verkehrswende erreicht werden. 

Technologieoffenheit ohne Grabenkämpfe

Thomas Fabian, Nutzfahrzeug-Direktor des europäischen Fahrzeugherstellerverbands ACEA, stellte seinerseits klar: „Die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht, die für den Umstieg notwendigen Fahrzeuge stehen bereit.“ Die Politik müsse sich jetzt auf die Dekarbonisierung konzentrieren, anstatt Gefahr zu laufen, den Fokus hierauf durch neue regulatorische Vorschriften wie die Abgasnorm Euro 7 zu verlieren. Dringend notwendig sei zudem ein deutlich schnellerer Aufbau einer flächendeckenden europaweiten Ladeinfrastruktur.

Für Frank Huster, Hauptgeschäftsführer beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, ist die E-Mobilität im Straßengüterverkehr zwar angekommen. Am Ende müssten sich die Fahrzeuganschaffungen aber für den Unternehmer über die Gesamtbetriebsdauer rechnen. Vorhersagen über die Entwicklung der Strompreise seien unmöglich. Batterieelektrische Lösungen, so wurde beim Dekra-Zukunftskongress deutlich, sind jedoch nur eine von zahlreichen Varianten auf dem Weg hin zur Dekarbonisierung. Wie zahlreiche Vorträge untermauerten, müssen angesichts des immer deutlicher sichtbaren Klimawandels auch Gasantriebe, alternative Kraftstoffe und der Wasserstoffantrieb in Betracht gezogen werden.

Neben der Frage des Antriebs gingen verschiedene Referenten auch auf die Herausforderungen und Chancen ein, die sich für Zulieferer aus der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung der Nutzfahrzeuge für das eigene Produkt-Portfolio ergeben. So erläuterte zum Beispiel Dr. Huba Németh, Director Advanced Engineering bei der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, den modularen Ansatz des Unternehmens in Sachen sogenannter Fail-Operational- und sicherheitskritischer Systeme beim vollautomatisierten Fahren. Weitere Referenten von Zulieferern und Trailerherstellern wie SAF-Holland, Kögel, Schmitz Cargobull, Krone oder BPW Bergische Achsen zeigten auf, mit welchen Konzepten sie dem Umbruch begegnen. 

Ausgiebige Prüfung automatisierter Systeme

Einen gebührenden Raum nahm beim Kongress auch die Sicherheit von Nutzfahrzeugen ein. „Die Fahrzeugentwicklung hat hier in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht“, unterstrich Dekra-Geschäftsführer Jann Fehlauer. Fahrerassistenzsysteme wie zum Beispiel der Spurhalteassistent oder der Notbremsassistent könnten Menschenleben retten. Entscheidend komme es darauf an, dass sie in der Flotte möglichst weit verbreitet sind, das technisch Mögliche ausschöpfen, nicht manipuliert werden können und dauerhaft funktionieren. Vor der Zulassung und der Serienfertigung gelte es daher, die Systeme ausgiebig auf Herz und Nieren zu prüfen und zu evaluieren. Und genau das geschieht unter anderem im Dekra Technology Center im brandenburgischen Klettwitz, wie Uwe Burckhardt, Leiter Test und Event am Dekra Lausitzring, ausführte.

Die Expertenorganisation hat am Lausitzring in den letzten Jahren auf einer Gesamtfläche von rund 550 Hektar das europaweit größte unabhängige Testgelände für automatisiertes und vernetztes Fahren geschaffen. Jüngster Meilenstein war Ende Juni 2023 die Einweihung spezieller Citykurse, um dort so realitätsnah wie möglich automatisierte Fahrfunktionen im städtischen Umfeld zu erproben. „Mit Hilfe hochmoderner Technik können wir Fahrzeuge in nahezu beliebig komplexe Situationen bringen, um ihre automatisierten Fahrfunktionen der maximalen Test-Herausforderung auszusetzen“, ging Uwe Burckhardt ins Detail.

In sogenannten Schwarmtests sind dabei bis zu zwölf bewegte Objekte im Umfeld des Testfahrzeugs einsetzbar. Solche Objekte können unterschiedlichste andere Fahrzeuge wie auch Fußgänger darstellen und lassen sich zentimetergenau steuern. Damit sind nach Angaben des Experten die gleichen Testabläufe immer wieder reproduzierbar, so dass Systeme und Funktionen unter jeweils gleichen Bedingungen getestet werden können. Also etwa die Reaktion eines Notbremsassistenten auf ein Stauende oder einen plötzlich die Straße querenden Fußgänger, das Verhalten eines Abbiegeassistenten bei einem Radfahrer im toten Winkel oder auch die Zuverlässigkeit hoch- und vollautomatisierter Fahrzeugsysteme der Zukunft. 

Mehrwerte durch intelligente Telematik

Auf dem Zukunftskongress Nutzfahrzeuge nahmen die Experten und Praktiker aus Industrie und Forschung schließlich auch ausgiebig den Status sowie die weiteren Entwicklungen in Sachen Digitalisierung und Letzte Meile unter die Lupe. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen wie zum Beispiel: Welche neuen Dienste erhöhen die Effizienz von Tachographen? Wie kann Künstliche Intelligenz die Tourenplanung in Nutzfahrzeugflotten optimieren? Wie lässt sich die Ladungssicherung durch die Digitalisierung einzelner Prozesse verbessern? Wie ist es um die Tank- und Ladeinfrastruktur für die Letzte Meile bestellt? Nicht zuletzt war in Berlin auch das Thema Cyber Security omnipräsent. Denn die angestrebte Effizienzsteigerung wird sich nur dann wirklich realisieren lassen, wenn die Daten sicher und vor Angriffen geschützt unterwegs sind. Auch in diesem Punkt zeigte der Zukunftskongress vielversprechende Lösungen auf. 

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