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Synthetische Kraftstoffe

Studie: „Synfuels“ nur für schwere Lkw sinnvoll?

Synthetische Kraftstoffe gelten einigen Politikern und Kfz-Branchen-Experten als die bessere Alternative zur E-Mobilität. Eine aktuelle Studie der Deutschen Post sieht das anders.

Ergebnisse auch für Pkw-Markt relevant

„Nachhaltige Kraftstoffe für die Logistik“ hat die Deutsche Post ihre Studie überschrieben und damit den gegenwärtigen Status der Trends und Entwicklungen in diesem Bereich zu ermitteln versucht. Dabei ging es dem Auftraggeber in erster Linie darum, die Bedeutung verschiedener Antriebs- und Energiekonzepte für den Transportsektor zu eruieren – aber das Ergebnis ist auch für die strategischen Überlegungen bezüglich der Nachhaltigkeit des Individualverkehrs relevant.

E-Antrieb für kurze Strecken alternativlos

Grundsätzlich unterscheiden die Logistik-Forscher Transporte für die Kurz- und für die Langstrecke. Um auf der Kurzstrecke „carbon-neutral“ zu werden, also ohne fossile Brennstoffe auszukommen, halten die Forscher den reinen elektrischen Antrieb auf der Grundlage regenerativer Energien für alternativlos – kein Wunder, setzt doch die Deutsche Post/DHL in Deutschland bereits gut 10.000 elektrisch fahrende Street-Scooter für die Paketlogistik im Nahverkehrsbereich ein und will damit künftig auch europaweit Pakete im städtischen Bereich abholen und bringen. Hinzu kämen immer mehr elektrische Lieferräder und auch e-Scooter für die Innenstädte, sagt die Post. Damit kann das Unternehmen bereits auf einen enormen Erfahrungsschatz in diesem Kurzstreckensegment verweisen.

Transportstrecken sind überwiegend Langstrecken

Allerdings, so betont die Studie, machen nach wie vor die Langstreckentransporte mit schweren Lastwagen 80% der Lieferstrecken aus. Und da stellen die Analytiker fest, dass ein zukünftiger kommerzieller Einsatz elektrischer Antriebe für diesen Bereich nicht realistisch ist. Dasselbe gelte für Langstrecken-Personentransporte. Daher sei die Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe für klimaneutrale Ferntransporte alternativlos.

Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit, flächendeckende Versorgung

Zum Glück, so die Studie, gebe es inzwischen eine große Auswahl potenziell nachhaltiger Kraftstoffe, etwa BioFuels, Wasserstoff und die weniger bekannten synthetischen Kraftstoffe. Jede dieser Alternativen habe aber Vor- und Nachteile und stelle die Entwickler vor Herausforderungen, so dass keine der Optionen die offensichtlich ideale Wahl sei. Für große Logistikunternehmen sind drei Faktoren entscheidend: Eine gesicherte Verfügbarkeit, ein wirtschaftlich vertretbarer Preis und ein flächendeckendes Versorgungsnetz. Dafür sei es unabdingbar, viel koordinierter als bisher und über nationale Grenzen und Industriezweige hinweg zu agieren, denn internationale Kompatibilität sei entscheidend in einer globalisierten Welt.

Synfuels haben Charme

Synthetische Kraftstoffe, genauer die sogenannten E-Fuels, können aus Wasser und Kohlendioxid gewonnen werden – unter dem Einsatz von Elektrizität. Da die so produzierten Kraftstoffe genauso wie Benzin und Diesel einfach aus Zapfsäulen getankt werden können, das vorhandene Versorgungsnetz also gewissermaßen per „Update“ recht einfach genutzt werden könnte, zudem die vorhandenen Verbrennungsmotoren weiter verwendet werden könnten, hat diese Lösung einen gewissen Charme, zumal das bei der Verbrennung an die Luft abgegebene CO2 zuvor aus der verschmutzten Luft gewonnen werden könnte, also „klimaneutral“ wäre, aber auch die verwendete Elektrizität müsste dafür vollständig aus erneuerbaren Quellen kommen. So gibt es bereits Ansätze, direkt aus Sonnenenergie mit künstlicher Fotosynthese Kraftstoffe herzustellen, aber die Technik steckt noch in den Kinderschuhen.

Zwar ist die Energieeffizienz synthetischer Kraftstoffe nicht so hoch wie direkt verwendete elektrische Energie, aber die Vorteile der Reichweitenunabhängigkeit und der hohen Kompatibilität mit vorhandenen Antriebskonzepten könnten das aufwiegen.

Synfuels brauchen noch Zeit

Allerdings hakt es an einem für Unternehmen extrem wichtigen Punkt: E-Fuels sind „derzeit wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig“, wie Thomas Ogilvie, Arbeitsdirektor und Vorstand für Personal und Corporate Incubations bei DPDHL, auf der „aireg - Konferenz für nachhaltigen Flugtreibstoff 2019“ konstatierte, als er das Arbeitsergebnis der Studie vorstellte.

Abgesehen davon ist ökologisch gewonnener Strom noch nicht in ausreichender Menge verfügbar, um die Nachhaltigkeit der Produktion zu gewährleisten. In fünf bis zehn Jahren, glaubt Ogilvie, könnten Synfuels massenmarkttauglich sein, aber nur wenn man international zusammenarbeite und gemeinsame Standards entwickle.

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