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Steuertrieb

Hätte, hätte, Steuerkette!

Die Zeiten in denen eine Steuerkette der Garant für einen wartungsfreien Ventiltrieb war, sind lange vorbei – moderne Kettenantriebe sind aufwendig und im Schadensfall teuer in der Reparatur.

Während in den 80er und 90er Jahren noch zwei-Finger-breite Duplexketten verbaut wurden und hunderttausende Kilometer ohne Klagen über sich ergehen ließen, sind heutige Kettentriebe deutlich filigraner und anfälliger – früher war eben alles besser.Heute gehört der Wechsel der Steuerkette ebenso zum Werkstattalltag wie der Tausch des Zahnriemens noch zwanzig Jahre zuvor. Egal ob Mercedes, BMW, VW und Co – kaum ein Hersteller, der nicht wenigstens einen Motor im Angebot hat, der am Ventiltrieb krankt.

Im Schadensfall: Kette oder ganzer Steuertrieb?

Ist das Wechselintervall erreicht oder der Verschleiß der Steuerkette hörbar, muss die Steuerkette erneuert werden. Allerdings muss auch nicht immer der komplette Kettensteuertrieb erneuert werden, wenn das Intervall erreicht ist. Solche pauschalen Aussagen sind nicht zutreffend und einigen Herstellern nach sogar unnötig. Werden Zubehörteile verwendet, sind hier die Spezifikationen der Teilelieferanten entscheidend, auch wenn der Fahrzeughersteller andere Vorgaben hat. Damit ist gemeint, dass der Teilelieferant seine Bauteile im gesamten Paket/Satz testet. Würden dann nur einzelne Bauteile erneuert (z. B. nur die Steuerkette), können die nicht erneuerten Gleitschienen, Kettenspanner und Kettenräder die neue Steuerkette sehr schnell abnutzen und nach kurzer Zeit wieder Geräusche verursachen. Wenn also ein Hersteller einen kompletten Steuerkettensatz mit Gleitschienen, Kettenrädern und Kettenspannern anbietet, dann sollte auch alles ausgetauscht werden – auch wenn dies mit mehr Arbeit und damit Mehrkosten für den Fahrzeughalter verbunden ist. Aufwendig wird es vor allem bei Motoren wie dem hier gezeigten 3,2-Liter-V6 aus dem VAG Konzern: Sage und schreibe vier einzelne Ketten hat der Hersteller verbaut, die allesamt als Endlosketten ausgeführt sind – hier ist die Reparatur besonders aufwendig.

Achtung - Endloskette

Bei einigen Motorbauarten sind manche versucht, die neue Kette mit der alten einzuziehen – das spart eine Menge Zeit, wenn der Kettenkasten nicht geöffnet wird, sondern nur der Ventildeckel abgenommen werden muss. Es gibt einige Hersteller (z. B. Mercedes), die diese Methode als Reparaturlösung angeben, da es keine Endlosketten sind. Bei Endlosketten ist davon dringend abzuraten, da diese vom Hersteller schon vorgestreckt wurden, um eine Dehnung im Betrieb möglichst zu verhindern. Wird diese Kette mit Nietwerkzeug geöffnet und danach wieder geschlossen, ist die Wahrscheinlichkeit danach sehr groß, dass diese Kette reißen wird. Gleitschienen, Kettenspanner und Kettenräder bleiben bei dieser Methode auch die alten, ohne diese vorher genau in Augenschein genommen zu haben - was ebenfalls für einen baldigen Ausfall sorgen kann. In jedem Fall ist eine genaue Einhaltung der Herstellervorgaben notwendig, da es keinen generellen Verfahrensweg gibt.

Diagnose an der Kette:

Je nach Motorenhersteller ist es (bedingt) möglich, die Kettenspannung zu überprüfen - allerdings gibt das nicht jeder Hersteller vor. Bei Mercedes gibt es z. B. einen Messkettenspanner, mit dem der Kolbenhub genau gemessen werden kann. Wird ein bestimmter Wert überschritten, muss die Steuerkette erneuert werden. Für einige BMW-Motoren gibt es ein technisches Gerät, das die Geräusche der Steuerkette ermittelt. Liegt der ermittelte Dezibel-Wert über den Sollwerten, muss erneuert werden. Andere gehen den Weg, den Kettensteuertrieb bei Erreichen der angegebenen Laufleistung oder bei verschobenen Steuerzeiten komplett zu wechseln. Exakte Informationen dazu sind immer den Herstellerangaben zu entnehmen.

Zwischen den Rädern der beiden Nockenwellen sollte die Ketten jedoch in jedem Fall gespannt sein. In der Praxis sind solche Mess- und Prüfgeräte jedoch eher selten anzutreffen – die Kontrolle über die Steuerzeiten ist meistens der gängigste Weg. Steht die Kurbelwelle auf OT und die Nockenwellen erreichen nicht, nicht vollständig oder überhaupt nicht ihre OT Markierungen, ist die Kette reif für den Austausch.

Kettenräder überprüfen

Neben der Kette selbst gilt es, auch den sonstigen Kettentrieb in Augenschein zu nehmen. Nicht selten verschleißen die Kettenräder gleich mit, bei Mercedes etwa waren ganze Motorbaureihen von „weichen Zahnrädern“ betroffen. Wer eine neue Kette auf ein verschlissenes Zahnrad montiert, riskiert trotz viel Mühe einen Motorschaden. Sind die Kettenräder, genauer gesagt die einzelnen Zähne „spitz“ gelaufen, oder haben sichtbaren Grad gebildet, müssen diese austauscht werden – kein günstiger Spaß. Fehlen bereits ganze Zähne, erübrigt sich die Frage nach der Notwendigkeit jedoch – dann gilt es, wenn möglich noch die Bruchstücke zu finden.

Was verursacht den meisten Verschleiß?

Da die meisten Kettenspanner heutzutage hydraulisch arbeiten, sind die höchste Belastung die ersten Sekunden nach dem Kaltstart, wenn Spanner und Nockenwellenversteller noch nicht 100%ig mit Öldruck versorgt wurden – wenn zu einem hohen Kurzstreckenanteil auch noch verschleppte Ölservices dazukommen, wird es im wahrsten Sinne des Wortes spannend für die Triebglieder. Sehr viele Probleme mit Kettensteuertrieben lassen sich daher vermeiden, wenn man den regelmäßigen Ölservice fachgerecht durchführen lässt. Da es einen großen Unterschied macht, ob das Fahrzeug nur für Kurzstrecke oder Langstrecke genutzt wird, empfiehlt es sich, so etwas immer direkt abzufragen, damit der Fahrzeugführer selbst entscheiden kann, ob ein Ölservice jedes Jahr gemacht werden soll oder nicht. Ein vorgezogener Kettensteuertriebwechsel oder sogar ein Motorschaden ist definitiv kostenintensiver. Gerade bei Dieselfahrzeugen, die ohnehin einer Erhöhten Ölverdünnung ausgesetzt sind, und möglicherweise auch noch im Kurzstreckenbetrieb eingesetzt werden, ist eine teils erhebliche Verkürzung des Intervalls ratsam, wenn der Besitzer lange Freude an der Kette haben möchte – freilich freuen sich auch die übrigen Komponenten über neuen Schmierstoff. Bei Motoren, die potenziell gefährdet sind für vorzeitigen Verschleiß der Steuerkette, kann es hilfreich sein, proaktiv auf den Halter zuzugeben und die Problematik anzusprechen. Eine vorzeitig getauschte Steuerkette kommt den Kunden allemal billiger als eine während der Fahrt übergesprungene oder gar gerissene Kette, die auch Schäden am Kopf, den Ventilen oder gar den Kolben hinterlassen hat – die Ausfallzeit und den ungeplanten Ärger noch gar nicht eingerechnet.

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