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Foto: Continental
Daten strömen vermehrt ins und aus dem Fahrzeug. Das Umsatzvolumen nimmt einer Ericsson-Studie zufolge bis 2025 auf 140 Milliarden Euro zu.

Umsatzbringer Connected Car

IAA: Surfen im Cockpit

Laut Ericsson-Studie steigt das Umsatzvolumen vernetzter Autos bis 2025 auf fast 140 Milliarden Euro. BMW, ZF, Conti und Co. gehen in Vorleistung und liefern Bausteine für Zusatzgeschäfte.

„Bitte entschuldige die Störung, aber alle Parkplätze am Zielort sind belegt. Soll ich eine Route zu einem anderen Parkhaus in der Nähe wählen?“ Mit diesen Worten meldet sich ein sogenannter „eTravel.Companion“ während der Fahrt und unterbreitet ein Komfortangebot. Einer Ankündigung zufolge hat Continental einen virtuellen Reise-Assistenten entwickelt, der Empfehlungen für freie Parkplätze, günstige Tankstellen, Warnungen vor Druckverlust im Reifen oder drohendem Unwetter, individuelle Sportnachrichten oder Tipps für Kulturveranstaltungen aussprechen kann. Grundlage des digitalen Beifahrers sind Fahrzeugdaten und die Vernetzungsmöglichkeiten moderner „Connected Cars“ einem aktuellen Trendthema.

Ericsson hat im Vorfeld der IAA mobility in München eine Studie zum Monetarisierungs-Potenzial von vernetzten Fahrzeugen veröffentlicht. Das schwedische Unternehmen kommt auf ein mögliches Umsatzvolumen bis 2025 von 166 Milliarden US-Dollar (139 Milliarden Euro). Laut "Connected Cars Report" haben bereits heute 85 Prozent der verkauften Fahrzeuge in EU und USA eine SIM-Card-Anbindung. Den Pionierstatus reklamiert übrigens die BMW-Gruppe für sich: Bereits 1997 verbauten die Münchner eigenen Angaben zufolge die erste SIM-Karte in ein Fahrzeug (eSIM oder embedded SIM).

Vor einem großen Sprung steht die Fahrzeuganbindung aktuell mit Einführung eines neuen Mobilfunkstandards. Dank 5G, so heißt es beispielsweise bei BMW, würden sich die Möglichkeiten der Datenübertragung deutlich steigern, was neue, datenbasierte Anwendungen ermöglicht und die Qualität der bestehenden Enter- und Infotainment-Dienste erhöht. 5G spielt bei der Zukunft vernetzter Autos eine Schlüsselrolle, weiß man auch bei Ericsson: Die Technologie biete geringere Latenzen, Kommunikation in Echtzeit sowie eine wesentliche Voraussetzung für autonomes Fahren.

Streamen und Surfen

BMW führt 5G im neuen Modell iX und in Kooperation mit der Deutschen Telekom ein. Ab Marktverfügbarkeit des BMW iX (Plan: Ende 2021) können Kunden ihren Telekom-Vertrag mit der Option „MobilityConnect“ für 9,95 Euro im Monat auf den BMW iX und später weitere befähigte Modelle ausweiten, heißt es. Den griffigen, monetarisierbaren Vorteil liefert der aktuelle Pressebericht gleich mit: Über die Personal eSIM lässt sich ein WiFi-Hotspot im Fahrzeug aktivieren, über den bis zu zehn Endgeräte mit 5G Geschwindigkeit surfen oder streamen können.

OTA-Updates

Es geht bei den Optimierungsmöglichkeiten jedoch nicht nur um mehr Einnahmen, sondern auch um Einsparungen: Ericsson macht dies am Beispiel der so genannten „Over-the-Air-Updates“ (OTA) deutlich. Durch die zunehmende Verbreitung von Fahrzeugen mit Funkanbindung zum OEM-Server lassen sich laut Studie bis zu 87 Prozent der Kosten sparen im Vergleich zu herkömmlichen Updates. Statt nämlich mit dem Auto zur Werkstatt zu fahren, um Software-Updates vorzunehmen, könnten diese kostengünstig aus der Ferne durchgeführt werden.

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Foto: ZF Friedrichshafen Der Höhenstandssensor von ZF unterstützt bei der Fahrwerkregulierung. Eine wichtige Nebenwirkung: Intelligente Algorithmen lassen Rückschlüsse auf den Zustand von Fahrzeug und Straßenbelag zu. Aus diesen Daten können sich Geschäftsmodelle ergeben.

Daten fließen in beide Richtungen

Natürlich handelt es sich beim Thema Fahrzeugdaten nicht nur um eine Einbahnstraße. Fahrer, Mitfahrer und Fahrzeuge rufen schließlich nicht nur Informationen und Content ab, sondern liefern auch. Ein Beispiel gab der Zulieferer ZF Friedrichshafen mit einer intelligenten Fahrwerkskomponente: Der in der Fahrwerklagerung integrierte und funktionserweiterte Höhenstandssensor verbessert nicht nur Komfort und Sicherheit an Bord, sondern generiert laut ZF mittels kluger Algorithmen Hinweise und erlaubt damit Geschäftsmodelle. „Die Daten, die der Sensor sammelt, lassen zusätzliche Rückschlüsse über das Fahrzeug, seine Umgebung und die Straßenoberfläche zu“, erklärt Steffen Reichelt, Leiter der Produktlinie Fahrwerkkomponenten bei ZF.

Damit spricht der Manager zum einen das weite Feld der vorausschauenden Wartung an. Einen möglichen „Use Case“, also Anwendungsbereich, identifiziert das Unternehmen zudem für Autovermieter: Über diese und weitere Sensorik lässt sich eigenen Angaben zufolge der technischen Zustand von Flotten dokumentieren. Wenn künftig immer mehr Fahrzeuge im Rahmen neuer Mobilitätskonzepte von unterschiedlichen Nutzern bewegt werden, drohen Flottenmanager den Überblick zu verlieren. Hier könnten automatisierte, auf der Fahrzeugsensorik basierende Zustandsberichte weiterhelfen, ist man sich bei ZF sicher. Der Produktionsstart der smarten Fahrwerkkomponente ist für 2023 geplant.

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Foto: BMW BMW und Telekom statten das neue Modelle iX der Münchener optional mit dem Mobilfunkstandard 5G aus. Mittels personalisierter SIM-Karte können Nutzer das Fahrzeug zum WiFi-Hotspot machen – das Entertainmentprogramm auf langen Autofahrten scheint gesichert.