E-Mobilität 02.07.2019

Hundert Euro Zuschuss für den Warnton

Weil leise E-Autos in Konflikt mit Passanten und Radfahren geraten, sind künstliche Fahrgeräusche für Elektroautos in einigen Jahren Pflicht. Wer sie freiwillig jetzt schon ordert, erhält Geld vom Staat.

Ab sofort fördert der Staat akustischer Warnsysteme für Elektroautos pauschal mit 100 Euro. Das sogenannte Acoustic Vehicle Alerting Systems (AVAS) muss zum Zeitpunkt des Neuwagenkaufs serienmäßig vom Hersteller oder durch eine autorisierte Werkstatt eingebaut worden sein. Die Förderung läuft im Rahmen des nun bis Ende 2020 verlängerten Umweltbonus und wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle durchgeführt.

 - Bald nicht mehr ganz so leise unterwegs: Stromer müssen ab 2021 mit Warntönen ausgestattet sein - bis dahin gibt es 100€ Zuschuss, wenn man ohne Verpflichtung den Warnton mitbestellt.
Bald nicht mehr ganz so leise unterwegs: Stromer müssen ab 2021 mit Warntönen ausgestattet sein - bis dahin gibt es 100€ Zuschuss, wenn man ohne Verpflichtung den Warnton mitbestellt.
BMW

Das akustische Warnsystem für E- und Hybridautos soll alle Fußgänger, vor allem aber sehbehinderte Menschen und Kinder, vor Unfällen mit den geräuscharm fahrenden E-Autos schützen. Einige Hersteller bieten bereits heute AVAS-Systeme als Ausstattungsoption für ihre Neuwagen an, Pflicht ist es aber aktuell nur für neue Fahrzeug-Typen. Erst ab 2021 müssen alle neu zugelassenen Modelle über eine akustische Warnfunktion verfügen. Eine Nachrüstung bei Bestandsfahrzeugen ist nicht vorgesehen – die Stromer der ersten Stunde bleiben also still.

Die künstlichen Fahrgeräusche müssen bei Geschwindigkeiten unterhalb von 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren aktiviert sein, bei höherem Tempo machen Wind- und Abrollgeräusche das E-Auto hörbar- In den USA müssen die Leisetreter ihre akustische Warnung sogar bis 30 km/h aktiveren. Für den Klang des Warntons gibt es diverse Vorgaben zu Hörbarkeit und Identifizierbarkeit, innerhalb derer sind die Hersteller aber in der Gestaltung frei. So soll die Tonlage Auskunft drüber geben, ob das Auto bremst oder beschleunigt und wie schnell es sich bewegt. Kritiker warnen bereits, dass es künftig an den Kreuzungen der Innenstadt sogar lauter werden könnte, da aktuelle Verbrenner gut gedämpft sind und durch Start/Stopp die Motoren an der Ampel abschalten – der Warnton der Stromer muss jedoch durchlaufen. Klingt nach Science-Fiction? Die Wirtschaftskommision der EU hat bereits ein Beispiel online gestellt.

(sib), Holger Holzer/SP-X