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Foto: eleonimages - stock.adobe.com
Rot ist die Farbe für frisches Getriebeöl und sanfte Gangwechsel – beim Wechseln und Befüllen gibt es einiges zu beachten

Getriebe

Getriebeöl: Wechseln, spülen, Gänge schalten

Beim Motoröl ist für die Meisten klar: Es gehört einmal im Jahr gewechselt wenn man dem Motor etwas Gutes tun will – beim Getriebeöl scheiden sich die Geister. Wir bringen Licht ans Ende des Getriebetunnels.

Während die Vorschriften für den Schmierstoffwechsel beim Motor immer eindeutig und beinahe für jedes Fahrzeug gleich sind– unabhängig von der Leistung und Kraftstoffsore , gibt es für den Getriebeschmierstoff viele verschiedene Vorgaben: Lebensdauerfüllung, Ölwechsel einmalig nach 60.000 Kilometern, Ölwechsel nach 120.000 km, Ölwechsel alle 60.000 km oder einer gewissen Zeit, etwa 5 Jahren  – dazu noch etliche Sorten verschiedener Öle und diverse Verfahren, die Flüssigkeit ins oder aus dem Getriebe zu bringen: Kein Wunder, dass viele Werkstätten hier vorsichtig arbeiten.

Handschaltgetriebe

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Foto: Volkswagen Das MQ 281, das neueste, manuelle Sechsganggetriebe des VAG Konzerns, kommt mit nur 1,5 Litern Getriebeöl aus.

Die allermeisten Handschaltgetriebe, die in den letzten 30 Jahren auf den Markt gekommen sind, sind ab Werk mit einer Lebensdauerfüllung ausgestattet – Ölwechsel nicht vorgesehen. Und tatsächlich schaffen diese zum Teil beachtliche Laufleistungen auch mit der Werksfüllung. Schalten sich jedoch die Gänge nicht mehr so sauber oder ist die Synchronisation – gerade in den ersten Gängen mit hoher Spreizung – nicht mehr wie „früher“, oder liegt die Laufleistung deutlich oberhalb von 150.000 Kilometern, kann auch hier ein Ölwechsel nicht schaden. Da Lager, Zahnräder, Synchronkörper und gelegentlich zu harsches Schalten auch hier für Abrieb sorgen, kommt nicht selten eine grau/silbrige Flüssigkeit beim Wechsel aus dem Getriebe. Der korrekte Ölstand wird zumeist über die Höhe der Einfüllschraube definiert, läuft das frische Öl hinaus, ist das Getriebe voll. Die Schmierstoffmengen liegen in der Regel zwischen 1,5 und 2,5 Litern. Neuere Handschaltgetriebe sind zur Senkung der Planschverluste teils mit Pumpen und Filtern ausgestattet, deren Wechsel ist jedoch nicht vorgesehen und auch von außen nicht zugänglich. Gegen frischen Schmierstoff haben auch aber solche Getriebe nichts einzuwenden. So mancher Fahrer wundert sich nach dem Ölwechsel, wie leicht sich die Gänge wieder schalten lassen.

Wandlergetriebe / Wandlerautomaten

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Foto: Daimler AG Mercedes-Benz 7 G-Tronic
– ein modernes Wandlergetriebe mit Planetensätzen und komplexer Steuerung – Ölwechsel dringend erforderlich. 

Wandlergetriebe wie man sie aus der Mittel- und Oberklasse kennt, werden mit ATF (Automatic Transmission Fluid, deutsch: Automatikgetriebeöl) befüllt, welches deutlich dünnflüssiger ist als ein herkömmliches Motorenöl. Da Wandlergetriebe die Ravineaux-Sätze der verbauten Planetengetriebe mittels Kupplungen und Bremsbändern schalten, und das Öl ohnehin thermisch höher belastet wird (Einsatz im hydraulischen Drehmomentwandler), sind hier meist regelmäßige Schmierölwechsel fällig. Die Ölwannen dieser Generation sind noch aus Stahlblech geformt, darunter beherbergen sie einen auswechselbaren Filter, die Gesamte Füllmenge liegt deutlich höher als beim Handschalter, zumeist im Bereich um 8-10 Liter. Wird jedoch nur die Ölwanne entleert und der Filter gewechselt, reduziert sich der Ölbedarf auf etwa 3,5-5 Liter frisches ATF. Da ATF-Öl sich bei steigender Temperatur stark ausdehnt und damit den Ölstand verfälscht, schreiben sowohl die Getriebe- als auch Fahrzeughersteller meist eine Temperaturmessung mittels Diagnosecomputer vor, um den korrekten Ölstand zu erreichen. Gemessen wird der Ölstand zumeist im Betrieb, also dem Wählhebel auf D, damit die Pumpe das Öl aus dem Reservoir ziehen kann – die Messung bei stehendem Motor ist im Gegensatz zum Handschalter nicht ausreichend.

Moderne Wandlergetriebe

Moderne Wandlergetriebe mit 7, 8 oder 9-Gängen weisen meist eine Ölwanne aus Kunststoff auf, in die der Ölfilter fest integriert ist. Hier wird beim Ölwechsel die Ölwanne direkt mit ausgetauscht. Ansonsten sind auch hier regelmäßige Ölwechsel fällig, nur teils mit deutlich längeren Intervallen. Mercedes etwa gibt für die 9-G-Tronic einen erstmaligen Ölwechsel nach 120.000 km an.

Doppelkupplungsgetriebe (DSG)

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Foto: Volkswagen Auch Doppelkupplungsgetriebe wie das DQ381 mögen frisches Öl – gerade wenn sie stark belastet werden.

Zwar verfügen Doppelkupplungsgetriebe nicht über Wandler oder Planetensätze die mittels Bremsbändern geschaltet werden, dennoch steht auch hier ein Ölwechsel auf dem Programm: Für frühe DSGs einmalig nach 60.000 km(DQ500), später wurde der Ölaushalt der 7-Gang-Getriebe (DQ381) um einen Liter auf 7-Liter vergrößert, der Wechselintervall stieg auf 120.000 km – hauptsachlich um die Servicekosten für Leasingkunden niedrig zu halten, die so um den Ölwechsel während der 2- oder 3-jährigen Leasingdauer meist umher kamen – ein Schelm wer dabei böses denkt. Auch DSG Getriebe verfügen über einen Ölfilter, der beim Wechsel mit gewechselt wird.

„Nasse“ Kupplungen sorgen für Abrieb

Bei Doppelkupplungsgetrieben muss man vor allem nach zwei Bauarten unterscheiden: solchen mit trocknen Kupplungen und solchen mit nassen Kupplungen. Die trockenen Kupplungen laufen, wie der Name es schon verrät, trocken – wie eine herkömmliche, manuelle Kupplung. Hier gelangt kein Abrieb von der Kupplung ins Getriebeöl, dies ist nur wie das gewöhnliche Getriebe von Abrieb von Lagern, Zahnrädern und der hydraulischen Steuerung belastet. Da aber die Additive auch hier altern, und die Mechatronik nur einen Teil der Ölalterung durch stärkeres Ansteuern ausgleichen kann, kommt dem Ölwechsel hier eine höhere Bedeutung als beim Handschalter zu. Die stärkeren Doppelkupplungsgetriebe besitzen „nasse“ Kupplungen. Hier laufen die Kupplungen unter Öl, was diese kühlt und damit höhere Drehmomente übertragbar macht, ohne dass die Kupplungen überhitzen. Nachteilig ist hier der bauartbedingte Eintrag von Kupplungsabrieb in das Getriebeöl – wie beim Wandlerautomaten. Zwar hält auch hier der Ölfilter das Gröbste ab, die Alterung ist jedoch stärker als beim trockenen Doppelkupplungsgetriebe. Zudem werden stärkere Fahrzeuge (meist) auch anders bewegt als der Skoda Fabia mit 95 PS von Oma Erna mit (trockenem) DQ200 . Wird das Öl stark belastet, etwa bei hochmotorisierten Fahrzeugen, viel Stopp-and-Go-Verkehr oder dem Ziehen von schweren Anhängern/Caravans oder Geländeeinsatz, kann es mitunter auch ratsam sein, das Öl deutlich früher als nach der Vorgabe zu wechseln.

Wechseln oder Spülen?

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Foto: Liqui Moly Bequem gespült: Mit hochmodernen Ölwechselgeräten wie dem Liqui Moly Gear Tronic II wechselt sich das Getriebeöl fast von selbst

Neben dem Wechseln des Getriebeöls, dessen genauer Vorgang sich ohnehin schon von Getriebe zu Getriebe unterscheidet, gibt es neben dem Wechseln auch noch die Möglichkeit, dass Getriebe zu spülen. Hier droht jedoch Verwechslungsgefahr: Wenn Getriebe- und Fahrzeughersteller in ihren Vorgaben von einer Spülung sprechen, ist eine Spülung mit dem sortenreinen Getriebeöl die Rede. Diese Spülung sorgt dafür, dass auch der Wandler(sollte dieser nicht über eine Ablassschraube verfügen), sämtliche Leitungen und auch der Getriebeölkühler komplett vom alten Öl und Ablagerungen befreit werden. Dieser Vorgang benötigt mehr Öl als die Gesamtfüllmenge des Getriebes, da ein gewisser Verlust nicht umgänglich ist. Für das beliebte und fast zwanzig Jahre lang gebaute Mercedes 722.6 Getriebe mit 5-Gängen werden hierfür ca. 13 Liter neues ATF benötigt (Füllmenge 8,5 Liter). Die Spülungen mit dem sortenreinen Getriebeöl sind sowohl durch Mercedes als auch ZF freigegeben.

Spülung mit Reinigungsmittel

Neben der Spülung mit dem vorgeschriebenen Getriebeöl gibt es noch die Möglichkeit, gezielt Reinigungsflüssigkeit und spezielle Reinigungsgeräte und Verfahren einzusetzen. Diese zielen meist darauf ab, bei Fahrzeugen, die sehr lange keinen Getriebeölwechsel erhalten haben, möglichst alle Ablagerungen zu entfernen. Etwa wenn das Getriebe die Gänge nicht mehr korrekt einlegt, sehr hart schaltet oder auch wenn die Beschwerden nach einem normalen Getriebeölwechsel nicht vollständig gelöst worden sind. Auch wenn der AHA-Effekt von vielen Kunden nach der Spülung bemerkt wird, sind diese idR nicht von den Herstellern freigegeben: Die Reinigungsmittel können Kunststoffteile im Getriebe angreifen oder aufquellen lassen. Die Getriebehersteller begründen dies vor allem mit der Tatsache, dass der Reiniger nie zu 100% entfernt werden kann, und sich anschließend ein Öl-Reiniger-Gemisch bildet. Da hieraus für die Getriebehersteller ein großes Haftungsrisiko resultiert, ist das Spülen mit Reinigern grundsätzlich ein Ausschlusskriterium für Garantieansprüche. Zudem enthalten auch die „normalen“ Getriebeöle Reinigungsadditive, die Rückstände entfernen und so lange in der Schwebe halten, bis diese im Filter eingelagert werden.  Ein großer Teil der spürbaren Verbesserung im Schaltverhalten nach einer solchen Spülung rührt daher schlichtweg vom neuen Schmierstoff und dessen frischen Additiven her, die das Getriebe wieder sanft schalten lassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich an die Vorgaben der Hersteller und spült ohne zusätzliche Reiniger – gerade bei Fahrzeugen, die sich noch in der Garantiezeit befinden.

Mehrfach wechseln statt spülen?

Wer (noch) kein Getriebeölwechselgerät besitzt, aber dennoch einem Getriebe etwas Gutes tun will, kann statt der Spülung auch das Getriebeöl mehrfach in kurzer Abfolge wechseln, erklärt Philipp Janczewski, technischer Trainer bei ZF Aftermarket. Hierbei wird der Ölfilter nur einmalig beim letzten Wechsel ausgetauscht, das Getriebeöl mit der Servicemenge ( idR 3-5 Liter) jedoch dreimal ausgetauscht. So wird ein Großteil des Öls erneuert und viel Abrieb entfernt, ohne dass es spezielles Equipment benötigt. Gerade für Werkstätten, die bisher noch keine Getriebeölwechsel vorgenommen haben, ein einfacher Einstieg in ein gewinnträchtiges Themenfeld. Für Getriebe, die bereits stark rucken beim Gangwechsel, kommt diese Methode jedoch nicht mehr in Frage. Hier muss tatsächlich der gesamte Ölhaushalt ausgetauscht werden.

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Foto: amz / Baeumer v.l.n.r.: Altöl nach dem ersten Ablassen, Altöl nach dem zweiten Ablassen, frisches ATF – der Abrieb ist deutlich zu erkennen.

Wir haben diese Methode an einem ZF 5-HP-19 in der Redaktion schon selbst getestet: Zunächst wurde das Getriebeöl abgelassen und erneuert, anschließend wurde der Vorgang mit kurzen Zwischenfahrten noch zweimalig wiederholt. Das Rucken beim Schalten des Wählhebels auf „D“ ist verschwunden, die Gänge schalten deutlich sanfter.

Foto: ZF Friedrichshafen

Motor und Antrieb

ZF: neues 8-Gang-Hybridgetriebe

Der Getriebespezialist ZF setzt bei der neuesten Version des 8-Gang-Automaten auf Hybrid: Motor und Leistungselektronik sind fest mit integriert. Das spart nicht nur Bauraum, sondern auch Emissionen und Integrationskosten.

Foto: Petronas

Schmiermittel

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Mit Tutela gibt es ein neues Schmiermittel aus dem Hause Petronas. Die Produktpalette soll schon zum Marktstart 80 Prozent des Fuhrparks abdecken.

Foto: ZF Aftermarket

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Neben Wandler- und DSG-Getrieben gibt es noch eine dritte Variante auf dem Markt - die automatisierten Schaltgetriebe. ZF bietet hierfür Ersatzteile und gibt Praxistipps.