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Beim Daimler-Partner S&G Automotive kümmern sich die Technik-Mitarbeiter um die Fahrzeuge der Fuso eCanter-Kleinserie (rechts im Bild). Die Mehrheit der Arbeiten dreht sich auch in der Nfz-Werkstatt noch um dieselbetriebene Fahrzeuge.
Foto: Martin Schachtner
Beim Daimler-Partner S&G Automotive kümmern sich die Technik-Mitarbeiter um die Fahrzeuge der Fuso eCanter-Kleinserie (rechts im Bild). Die Mehrheit der Arbeiten dreht sich auch in der Nfz-Werkstatt noch um dieselbetriebene Fahrzeuge.

Serviceporträt

Fuso eCanter: Kleinserie als Vorbote

Auch leichte Nutzfahrzeuge bringen Geschäft – selbst wenn sie unter Strom und einem Exotenstatus stehen. Wir haben uns das Servicekonzept des Fuso eCanter bei Daimler Truck angesehen.

Derzeit stromern über 350 Fuso eCanter an ihrer kurzen Leine durch die Welt – das heißt, der japanische Leicht-Transporter mit einer Reichweite von rund 100 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wird eng durch die Daimler-Organisation betreut. Das Fahrzeug ist Teil einer Vollelektro-Kleinserie und entstammt der Daimler-Tochtergesellschaft Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC). Das 7,49-Tonnen-Fahrzeug wurde 2012 erstmals als Studie zur IAA Nutzfahrzeuge vorgestellt, Anfang 2021 in Europa eingeführt und soll bald in größerem Maßstab ausgeliefert werden – vorerst aber nur auf dem japanischen Markt.

Der aktuelle Test-Fuhrpark von über 350 Stromern hat es mittlerweile auf eine Laufleistung von zusammengenommen über 4,5 Millionen Kilometern gebracht und liefert dem Hersteller Kunden-Feedback sowie über das Telematiksystem „Truckonnect“ wichtige Nutzungs- und Fahrzeugdaten. „Die derzeitigen Erfahrungen werden gesammelt und sollen in die Großserien-Produktion einfließen“, erklärt Tina Krüger aus der Marketingabteilung von Fuso. Die Daten werden auch den Kunden zugänglich gemacht. Perspektivisch sollen auch Ferndiagnose und Software-Updates „Over-the-Air“ ein Thema werden, so Tina Krüger.

Der Fuso eCanter erhält seinen Service derzeit überwiegend in der Daimler-Organisation. Das Ersatzteilkonzept basiert laut Marc Ehlers auf einer Gleichteilstrategie, d.h. viele Komponenten wie Akkus, Leistungselektronik oder Inverter entstammen dem Elektrobaukasten Pkw. Der Kfz-Meister 2011 lernte sein Rüstzeug u.a. in der Daimler-Niederlassung Stuttgart-Hallschlag sowie im Technischen Support. Seit 2011 engagiert er sich im Fuso-Aftersales und betreut den europäischen Markt als „Support Second Level“ von Stuttgart aus. „Wir bilden mit Fuso in Europa zwar eine Nische, haben aber gute Möglichkeiten, uns bei der Marke zu verwirklichen“, erklärt er gegenüber amz.

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Marc Ehlers (li.) unterstützt als zweite Stufe des technischen Supports bei Fuso Aftersales – er wird angerufen, wenn andere Serviceprofis aus dem Daimler-Konzern nicht mehr weiter wissen. Beim amz-Besuch in Karlsruhe-Hagsfeld geht er im Gespräch mit Kundendienstleiter Volker Burger von der S&G Automobil AG auf Besonderheiten des Fuso eCanter ein.
Foto: Martin Schachtner
Marc Ehlers (li.) unterstützt als zweite Stufe des technischen Supports bei Fuso Aftersales – er wird angerufen, wenn andere Serviceprofis aus dem Daimler-Konzern nicht mehr weiter wissen. Beim amz-Besuch in Karlsruhe-Hagsfeld geht er im Gespräch mit Kundendienstleiter Volker Burger von der S&G Automobil AG auf Besonderheiten des Fuso eCanter ein.

Im Bereich Diagnose benötigen Werkstätten für die eCanter-Modelle Erweiterungsprogramme: In der Xentry-Datenbank sind zwar die Marke Mercedes-Benz sowie die Fuso Canter mit Diesel- und Hybridmotor abgedeckt sind, doch andere spezifische Komponenten des eCanter finden sich nicht. Einblick in das Servicekonzept erhalten früher oder später freilich auch freie Werkstätten: Bereits heute steht es Marktbegleitern frei, sich technische Informationen auf dem Fuso-Serviceportal zu buchen, so Marc Ehlers. Auch der Zugang zu Schulungen ist über das Weiterbildungsportal „Trucktraining“ von Daimler Truck möglich.

Der als urbanes Verteilerfahrzeug eingesetzte E-Transporter schöpft seine Energie aus sechs Akkus mit einer Leistung von je 13,5 kW/h. Auch hierzulande ist der Fuso eCanter aktuell unterwegs. Den Service übernehmen spezialisierte und qualifizierte Daimler-Partnerbetriebe. In Karlsruhe betreut die S&G Automobil AG je einen eCanter von Speditionsprofi Dachser und einen in Besitz des Gemüsebau-Betriebs Frey. Die Anforderungsprofile könnten nicht unterschiedlicher sein: Dachser nutzt sie als Verteilerfahrzeuge für die letzte Meile und lässt Pakete aus den Depots am Stadtrand abholen. Dazu benötigt der Transporteur eine Fahrgestell-Tragfähigkeit von über vier Tonnen, abzüglich der Batterien mit einem Gesamtgewicht von 600 Kilogramm. Das Fahrzeug muss zu elf Paletten Platz bieten und zudem einen Hubwagen von der Größe einer „Ameise“ aufnehmen können. Gemüsebau Frey hat bereits einige Dieselmodelle des Fuso Canter im Fuhrpark und legt Wert auf einen Kühlkoffer mit autarkem Energiesystem. Also ließ der Hersteller Solarzellen auf dem Dach des eCanter montieren.

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Derzeit sind von der Fuso eCanter-Kleinserie über 350 Elektrotransporter weltweit unterwegs.
Foto: Martin Schachtner
Derzeit sind von der Fuso eCanter-Kleinserie über 350 Elektrotransporter weltweit unterwegs.

Fuso vermarktet weltweit 140.000 Nutzfahrzeuge pro Jahr

Erhältlich sind die Ausstattungsvarianten Standard (Zweisitzer), Comfort (mit drei Sitzen), aber auch mit Doppelkabine und sieben Sitzen. Einer Pressemitteilung zufolge plant MFTBC für alle Standorte der Marke Fuso weltweit E-Mobility-Spezialisten zu schulen. „Fuso-Partner werden im Zuge der Elektrifizierung auf Hochvoltkompetenz qualifiziert, bestätigt Tina Krüger beim amz-Ortbesuch in Karlsruhe. Fuso ist als Hersteller insbesondere in Asien und Australien für schwere Nutzfahrzeuge bekannt. Pro Jahr setzt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge 140.000 Nutzfahrzeuge ab: Neben dem Canter hören die Modellreihen im Schwerlastbereich auf die Typbezeichnungen „Fighter“ und „Super Great“. Im Segment Personentransport vermarktet Fuso u.a. die Busse Aero Ace, Aero Queen sowie Aero Star.

In puncto Elektromobilität verfolgen die Japaner ehrgeizige Ziele: Laut Paul Mandaiker sollen 2039 alle Fuso-Fahrzeuge über einen Stromantrieb verfügen. Als Sprecher Global Operations bei Daimler Trucks Asia gastierte er jüngst in Oslo und hat den Service-Stützpunkt des bedeutendsten eCanter-Flottenkunden DB Schenker besucht. Der Manager war zuvor u.a. beim indischen Hersteller Bharat Benz, ebenfalls einer Tochtergesellschaft von Daimler Truck, in Chennai beschäftigt. Am Hauptsitz in Kawasaki (Japan) gibt es seit kurzem das Ausbildungszentrum „eLab“ – dort bietet der Hersteller ein „e-Mobility Expert“-Programm an. So sollen aus Serviceprofis „Botschafter“ für die Elektromobilität werden.

Leuchtturmprojekt im Ländle

In Baden-Württemberg macht aktuell insbesondere S&G mit ihrer eCanter-Expertise von sich Reden. Der eigenen Angaben zufolge älteste Daimler-Vertragspartner verfügt laut Marketingleiter Joachim Bätzler über diverse Standorte im Ländle. Hinzu kommen ein Betrieb in Rheinland-Pfalz sowie einige in Sachsen-Anhalt. Die Filiale in Karlsruhe-Hagsfeld bezog im Dezember 2020 einen Neubau, verfügt über einen Nfz-Schwerpunkt und beschäftigt 140 Mitarbeiter, davon 40 im Nfz-Service. Weitere Ausbaustufen erfolgen bei laufendem Betrieb und gliedern sich in mehrere Stufen.

Die Wurzeln der Badenser gehen ins Jahr 1898 zurück. So lange bleibt man nur mit der richtigen Servicephilosophie am Markt. Laut Volker Burger stehe der Kunde immer Mittelpunkt, was wenig überrascht. Dann tätigt der Leiter Kundendienst bei der S&G Automobil AG einen interessanten Zusatz: „Die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist ebenso wichtig. Schließlich bedingen sich beide ‚Befindlichkeiten‘ gegenseitig.“ Mit diesem Fokus sei man bisher auch „mit blauem Auge durch die Pandemie gekommen". Im Nutzfahrzeugbereich habe man zunehmen können, der Pkw-Bereich sei leicht rückläufig. Volker Burger ist ein Eigengewächs und startete seine Karriere 1996 bei S&G als Nfz-Mechatroniker. Später kamen der Meisterbrief, ein Traineeprogramm bei Daimler und Führungstätigkeiten in und außerhalb der Organisation mit dem Stern hinzu.

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Die Wurzeln der S&G Automobil AG reichen ins Jahr 1898 zurück.
Foto: Martin Schachtner
Die Wurzeln der S&G Automobil AG reichen ins Jahr 1898 zurück.
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Neben dem Canter hören die Modellreihen im Schwerlastbereich auf die Typbezeichnungen „Fighter“ und „Super Great“. Im Segment Personentransport vermarktet Fuso u.a. die Busse Aero Ace, Aero Queen sowie Aero Star.

Rückspiegel

Fuso wird 90

Von wegen hochbetagt – die Marke Fuso bereitet sich zum Jubiläum auf die Großserienproduktion des jüngst aufgefrischten eCanter vor. Die Wurzeln der heutigen Daimler Truck-Tochter reichen ins Jahr 1932 zurück.

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