Foto: Sven Krautwald - Fotolia.com

Fahrzeughandel

Für kürzere Standzeiten und mehr Marge

Spätestens in Zeiten der Corona-Pandemie zeigt sich, wie wichtig digitale Tools im Gebrauchtwagengeschäft sind. Warum man jetzt in die Digitalisierung investieren sollte und worauf dabei zu achten ist, erklärt Olaf Bock, Geschäftsführer von Alpha Online.

Herr Bock, Wie schätzen Sie den Grad der Digitalisierung im Autohandel ein?

Olaf Bock: Der Autohandel ist, was die Digitalisierung angeht, nicht so schnell wie andere Branchen. Inzwischen ist zwar jedem klar geworden, dass diesbezüglich Handlungsbedarf besteht, nur scheitert es teilweise noch an der Umsetzung. Um nicht den Anschluss zu verpassen, muss jedes Unternehmen für sich definieren, was konkret getan werden kann. Hier liegt enorm viel Potential, denn Unternehmen können durch digitale Tools ihre Prozesse beschleunigen und professionalisieren.

Können Sie ein Beispiel nennen? Wo genau wird Digitalisierung benötigt?

Olaf Bock: Ein gutes Beispiel ist der Gebrauchtwagenhandel. Gebrauchtwagen haben im Gegensatz zu neuen Modellen wesentlich längere Standzeiten, im Schnitt ca. 82 Tage (DAT, 2019). Digitale Tools können die Hereinnahme effizienter machen. Werden die Fahrzeuge auch online auktioniert, kann durch die Einbindung digitaler Tools der Einstellprozess beschleunigt und dadurch auch die Standzeit verkürzt werden. Ich nenne explizit den Gebrauchtwagenhandel, da wir seit 2017 einen steten Anstieg auf dem Gebrauchtwagenmarkt feststellen können. Letztes Jahr waren es knapp 90 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland (DAT, 2020). Deshalb müssen sich die Händler in diesem Bereich unbedingt professionalisieren, auch um Margen zu erhöhen.

Die Hereinnahme von Gebrauchtwagen besteht aus vielen Prozessschritten. Wie können Tools diesen Prozess vereinfachen?

Olaf Bock: Digitales Prozessmanagement bringt Transparenz und Struktur in alle Schritte der Hereinnahme. Alle wichtigen Daten der Gebrauchtwägen können schnell und einfach aufgenommen oder im Laufe des Prozesses ergänzt werden. Sie bleiben jederzeit übersichtlich, transparent für alle und aktuell. Fahrzeugbeschreibungen, sogar inklusive Schäden, werden automatisch generiert und müssen nicht mehr mühsam einzeln verfasst werden. Insgesamt entsteht also eine digitale Fahrzeugakte, auf die alle Abteilungen des Autohauses zu jeder Zeit zugreifen können und an denen auch parallel gearbeitet werden kann. Durch Transparenz und die einfache Struktur werden etwaige Schwachstellen im Prozessmanagement aufgedeckt bzw. können diesen schon im Vorfeld vorgebeugt werden, indem doppelte Arbeiten bei der Hereinnahme von Gebrauchtwagen vermieden werden.

Was müssen die digitalen Tools mitbringen, um Prozesse wirklich optimieren zu können?

Olaf Bock: Digitale Lösungen sollten den gesamten Gebrauchtwarenprozess abdecken. Tools müssen unterstützende Systeme wie DAT oder Schwacke inkludieren. Wesentlich sind außerdem die Financial-Service-Anbindungen wesentlicher Hersteller, sowie die Anbindung an Schnittstellen aller Bewertungsinstitute, inklusive eigener Bewertungssoftware, und an Preisfindungssysteme. Ebenfalls digital möglich sind die revisionssichere Kalkulation und Erstellung aller Dokumente für den Ankauf. Um wirklich Zeit und Kosten sparen zu können, ist es wichtig, nicht auf viele einzelne Insellösungen zurückzugreifen, sondern ein ganzheitliches System zu nutzen, welches den Prozess der Hereinnahme, aber auch die Online-Auktion der Fahrzeuge möglich macht. Wenn unterschiedliche Anwendungen verwendet werden, müssen viele Arbeitsschritte doppelt ausgeführt werden. Ist das Auktions-System direkt in die Prozessmanagement Software integriert, können Online-Auktionen und die Erfassung von Daten und Schäden eines Fahrzeuges durch ein einziges System abgedeckt werden.

Lohnt sich die Implementierung digitaler Tools für alle Händler?

Olaf Bock: Ich würde sogar sagen, dass nicht mehr darauf verzichtet werden kann. Die Vorteile digitaler Tools liegen für mich auf der Hand. Zum Beispiel bietet das AlphaSalessystem die Möglichkeit, nicht nur den eigenen Bieterkreis anzusprechen, sondern auf einen erweiterten Kreis zuzugreifen. Dadurch wird die eigene Zielgruppe vergrößert. Außerdem ist es gerade in der jetzigen Zeit enorm wichtig auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen und digitale Lösungen anzubieten. Damit der gebeutelte Autohandel wieder an Fahrt gewinnt, muss auf effizientes Gebrauchtwagenmanagement gesetzt werden. Nur so lassen sich Standzeiten verkürzen und Margen erhöhen.

Zur Person

Olaf Bock ist Geschäftsführer der Alpha Online GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Anbieter von Online-Auktionen. Alpha Online entwickelt maßgeschneiderte Unternehmenslösungen für Kunden und Partner und bietet seit 2007 mit dem AlphaController ein Instrument für das digitale Gebrauchtwagen-Management.

Foto: Axalta

Digitalisierung in der K&L-Branche

"Schnellere Abläufe"

Inwieweit beeinflussen digitale Prozesse ein klassisch analoges Handwerk wie die Fahrzeuglackierung? Dazu haben wir Frank Forst als Vertriebsleiter Refinish Deutschland bei Axalta befragt.

Foto: Chris - stock.adobe.com

Kundenakquise

Werkstattportale: Tore geschlossen?

Kfz-Servicebörsen werben mit Onlinebuchung zu Festpreisen. Marketinghilfe für die einen, unmoralisches Angebot für die anderen. Aktuell geht einigen die Puste aus, während andere Betreiber investieren.

Foto: Twinner

Teilegroßhandel

Zweistelliger Millionenbetrag für Twinner

Das in Halle (Saale) ansässige Unternehmen Twinner betreibt ein innovatives System zur Digitalisierung von Gebrauchtwagen. Für die globale Marktexpansion stattet eine Investorengruppe das Start-up jetzt mit frischem Kapital aus.

Foto: TMD Friction

Werkstatt-Software

TMD Friction startet Tablet-basierte Softwareplattform für freie Werkstätten

Alle Welt spricht von Digitalisierung, wirklich durchgesetzt haben sich neue Lösungen meist nur im Management oder in der Verwaltung, aber nicht an der Hebebühne. Die Plattform GaraShield soll direkt an der Hebebühne unterstützen.