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Ford ist zurück in der Welt der schweren Nutzfahrzeuge – den Anfang macht der F-MAX 500
Foto: F-Trucks Deutschland GmbH
Ford ist zurück in der Welt der schweren Nutzfahrzeuge – den Anfang macht der F-MAX 500

Markteintritt

Ford ist zurück in der Welt der schweren Nutzfahrzeuge 

Die vergangenen Jahrzehnte beschränkten sich die Nutzfahrzeuge von Ford auf die verschiedenen Versionen von Transit und Tourneo. Nun startet Ford mit einem Joint-Venture auch im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge wieder durch.

Außerhalb von Deutschland wird der F-Max 500 schon seit zwei Jahren angeboten, nun ist er auch hierzulande zu haben. Wir haben mit Holger Hahn, Managing Director der F-Trucks Deutschland GmbH über den Wiedereinstieg von Ford in den umkämpften Markt gesprochen.

Sie haben sich ja etwas Ambitioniertes vorgenommen: Vor 60 Jahren endete in Deutschland die Fertigung von Ford-Nutzfahrzeugen, vor 30 Jahren lief die Produktion auch in den Niederlanden, in Amsterdam aus, und nun meldet sich Ford-Trucks in Deutschland zurück.

Hahn: Ja, Ford-Trucks ist zurück, soviel vorweg. Das letzte vergleichbare Auto von Ford war der Transcontinental, der bis 1984 in Amsterdam gebaut wurde. Als reines Komponentenfahrzeug mit Cummnis-Motor, Fuller Getriebe und Rockwell-Achsen unter einem Berliet-Fahrerhaus hatte es keine richtigen Chancen im Markt. Der neue Ford F-Max kommt nun aber aus einem Haus, genauer dem Joint-Venture Ford-Otosan aus der Türkei, an dem sowohl die Ford Motor Company aus Detroit als auch die türkische Koc-Gruppe zu gleichen Anteilen beteiligt sind. Im gleichen Werk, in dem der F-Max entsteht, laufen auch der Transit und der Tourneo vom Band. Man kann den F-Max also als direkten Nachfolger des Transcontinental sehen und wir bemühen uns, den Markteintritt erfolgreich zu gestalten.

Neben den technischen Schwierigkeiten, was genau war denn damals das Problem?

Hahn: Auf jeden Fall das Servicenetz. Es war so, dass auch viele Ford-Partner damals Transconti reparieren sollten – aber die hatten ja die baulichen Gegebenheiten gar nicht und waren auf die Wartung und Reparatur von schweren Nutzfahrzeugen überhaupt nicht eingestellt. Auch war der Transconti technisch schon überholt als er auf den Markt kam – die Fahrer mochten ihn zwar wegen der Kabine, es gab aber oft ungeplante Standzeiten vor allem wegen Problemen mit der Elektrik.

So soll es sich ja sicherlich nicht noch einmal wiederholen – das heißt Sie bauen jetzt ein eigenes Ford-Trucks Vertriebs- und Servicenetz auf?

Hahn: Genau. Wir suchen uns Partner – viele bewerben sich auch proaktiv – die unsere Standards erfüllen. Im Wesentlichen ist es die Betriebsstruktur und Ausstattung, um schwere Nutzfahrzeuge reparieren und warten zu können – und so gehen wir auf die bestehenden Marken im Markt zu. Viele Partner sehen uns aber vor allem als Chance, um ihr Portfolio abzurunden und mit einem Ford auch Kunden anzusprechen, die sie mit ihrer Hauptmarke nicht erreichen. Wir haben schon einige namhafte Partner für uns gewinnen können.

Kann denn jeder interessierte Betrieb Partner werden?

Hahn: Neben unseren Standards versuchen wir im ersten Schritt vor allem die Hauptverkehrsrouten abzudecken – der Service muss dort sein, wo der Kunde unterwegs ist. Im Süden und Westen ist die Abdeckung schon gut, im Norden und Osten entwickelt sie sich aber auch. Bis Ende des Jahres werden wir zirka 30 Partner unter Vertrag haben, wovon 50% sowohl Service als auch Vertrieb machen werden.

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Ein modernes Fahrerhaus und leichte Bedienbarkeit sollen den Fahren des F-Max den Umstieg einfach machen.
Foto: F-Trucks Deutschland GmbH Ein modernes Fahrerhaus und leichte Bedienbarkeit sollen den Fahren des F-Max den Umstieg einfach machen.

Damit der Service funktioniert, braucht es auch Ersatzteile – können Sie hier auf das Ersatzteilnetz von Ford-Deutschland zugreifen oder bauen Sie auch hier eine eigene Struktur auf?

Hahn: Wir setzen auf ein ganz eigenes Distributionsnetz. Dafür haben wir ein großes Logistikzentrum in der Nähe  von Warschau, wo alle Teile für den F-Max 500 lagern. Die Logistik wird über einen namhaften Logistiker abgewickelt. Werden die Teile bis 12 Uhr bestellt, sollten sie am nächsten Tag da sein – wir haben ein Leistungsversprechen von 24 Stunden. Und dieses Versprechen halten wir auch! Man muss aber auch sagen: Wir sind der 45 Markt, auf dem der F-Max nun angeboten wird. Andere Länder in Europa wie Spanien, Portugal oder Tschechien sind uns schon zwei Jahre voraus, die Kollegen wissen also schon, welche Teile gebraucht werden.

Welche Stückzahlen haben Sie für den deutschen Markt anvisiert? Deutschland gilt ja als hart umkämpfter Markt in dieser Branche.

Hahn: Der deutsche Markt ist sicher einer der anspruchsvollsten in Europa und der am härtesten umkämpfte Markt – aber auch der größte. Für dieses Jahr sind wir schon sehr zufrieden. Nächstes Jahr wollen wir die Zahl dann verdreifachen oder noch etwas mehr. Wir reden deswegen auch noch gar nicht von Marktanteilen, weil das zum jetzigen Zeitpunkt wenig aussagekräftig ist. Wir wollen organisch wachsen und starten daher mit nur einem einzigen Produkt, dem F-Max 500. Damit wollen wir unsere Strukturen aufbauen und Vertrauen bei den Kunden schaffen, bevor es in die Breite geht. Für uns geht daher die Servicenetzdichte und -qualität noch vor den Stückzahlen.

Noch einmal zurück zum Fahrzeug selbst: Statt Zukaufteilen setzt man bei Ford-Otosan auf Eigenentwicklungen – wie sieht der Antriebsstrang konkret aus?

Hahn: Fangen wir beim Motor an: Der EcoTorq-Motor mit 12,7 Litern Hubraum ist seit Jahren eine Eigenentwicklung von Ford-Otosan und wird auch in der Türkei gebaut. Das Getriebe des F-Max ist ein 12-Gang ZF-Traxxon Automat, die Achsen sind wiederum Eigenentwicklungen von Ford.

Wie sieht es mit der Weiterentwicklung des Antriebsstrangs in der Zukunft aus? Gibt es schon Entwicklungen in Richtung Wasserstoff, Elektroantrieb oder ähnlichem?

Hahn: Da ist der Hersteller dran – aktuell sehen wir es jedoch noch nicht, die Nachfrage aus dem Markt im Fernverkehr ist derzeit ausschließlich Diesel, und künftig Fuel-Cell und Elektro. Wir als Importeur beobachten den Markt und geben unsere Erkenntnis an den Hersteller weiter, die Entwicklung selbst läuft dort ab.

Thema Kauf, Miete Finanzierung – wie ist man dort aufgestellt?

Hahn: Wir haben alle gängigen Dienstleistungen im Angebot, Finanzierung ist möglich, Miete ist möglich, Leasing ist möglich, natürlich auch ein Wartungs- und Reparaturvertrag. Auch bieten wir umfangreiche Garantiepakete an: Etwa eine Dreijahres-Vollgarantie, eine Ergänzung im vierten Jahr auf den Antriebsstrang, man kann eine Vierjahres-Vollgarantie kaufen – da sind wir marktüblich aufgestellt, auch beim Leistungsumfang. Darüber hinaus sind wir auch gerade mit einer Bank im Gespräch, damit wir demnächst auch Lösungen aus einer Hand anbieten können.

Mit nur einem einzigen Modell anzutreten, ist ja bestimmt auch eine Herausforderung im Markt – wie gehen Sie mit dem Thema um?

Hahn: Ja, bei uns gibt es derzeit wirklich nur ein Auto, den F-Max 500 als 4x2 – ein bisschen kann man allerdings schon variieren: Wir haben einen normalen und einen niedrigen Rahmen, verschiedene Radstände können realisiert werden, optional sind auch Retarder und Nebenabtrieb möglich sowie verschiedene Tankvarianten. Für den Fahrer und die Optik bieten wir Aluminiumfelgen, LED-Licht, Sidecourts und zwei Ausstattungen für die Kabine: Das Comfort-Plus-Paket als solide Fernverkehrs- ausstattung sowie das Luxuspaket, was viele der angesprochenen Features enthält. Andere Varianten, etwa eine flache Kabine für einen Autotransporter, das gibt es bei uns noch nicht. Derzeit haben wir nur dieses eine Auto, Punkt. Uns ist bewusst, dass das Kunden kostet, aber auf der anderen Seite gewinnt es Servicepartner und macht uns den Aufbau des Servicenetzes in der Qualität, die wir liefern wollen, deutlich leichter.

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Der EcoTorq-Motor mit 12,7 Litern Hubraum ist eine Eigenentwicklung von Ford-Otosan und wird in der Türkei gebaut
Foto: F-Trucks Deutschland GmbH Der EcoTorq-Motor mit 12,7 Litern Hubraum ist eine Eigenentwicklung von Ford-Otosan und wird in der Türkei gebaut

Und wie kommt dieses Konzept bei Ihren Partnern an?

Hahn: Bislang sehr gut. Sie müssen es ja so sehen: Wer jetzt bei uns als Partner einstiegen will, der muss nicht gleich Ersatzteile für zig Varianten für zig taused Euro kaufen sowie die notwendigen Spezialwerkzeuge für viele unterschiedliche Fahrzeuge, sondern kann im Prinzip erstmal mit der schon vorhandenen Betriebsstruktur und einem genau abgestimmten Starterpaket loslegen – das ist ganz wichtig.

Ersatzteile und Spezialwerkzeuge sind für Werkstätten die eine Sache – die Fort und Weiterbildung der Mitarbeiter die andere. Wie wird aus dem Fremdmarken-Lkw-Schrauber nun ein F-Max-Schrauber?

Hahn: Die gesamten Trainings stehen derzeit in Englisch zur Verfügung, wir organisieren das gemeinsam mit unserem türkischen Partner. Aber wir haben bereits ein eigenes Team, welches alle Schulungen in der Türkei absolviert, die Inhalte ins Deutsche übersetzt und gemäß dem Train-the-Trainer Konzept dann an die neuen Mechaniker an unserem Standort in Crailsheim oder online weitergibt. Das Serviceniveau muss dabei stets gewährleistet werden – eine qualitative Reparatur kann nur gelingen, wenn der Mitarbeiter auch entsprechend geschult ist

Wenn die Werkstatt eines neuen Partnerbetriebs vor einem Problem steht, nimmt man dort das Telefon zur Hand und kommt dann bei Ihren Kollegen in Crailsheim raus?

Hahn: Genau. Wir haben auch hierfür schon eine technische Hotline eingerichtet, an die sich die Mechaniker wenden können, wo ihnen geholfen wird. Zudem haben wir eine Plattform eingerichtet, wo jeder einen Schaden oder ein Problem mit Foto eingestellt kann, und alle Mechaniker aller Standorte sehen das und können antworten– das ist besonders jetzt in der Anfangsphase sehr wichtig und der Austausch der Kollegen fördert die Reparaturqualität. Das ist sicherlich keine Lösung wenn man mehrere tausend Autos im Markt hat, aber gerade jetzt beim Aufbau eines qualitativ hochwertigen Servicenetzes ist es sehr wichtig und funktioniert sehr gut.

Das klingt vielversprechend für einen Marktteilnehmer – wie sieht der Service aus Sicht eines Fahrers aus?

Hahn: wir stellen eine europäische Hotline zur Verfügung. Mit unserem belgischen Partner EBTS haben wir einen Notdienst eingerichtet, der rund um die Uhr mehrsprachig telefonisch zur Verfügung steht. Die Kollegen dort schauen dann wo der nächste Stützpunkt ist, und routen dann einen Kollegen mit einem Werkstattwagen dorthin.

Und wenn der Markteintritt mit dem F-Max 500 geglückt ist, folgt dann eine Ausweitung des Lieferprogramms?

Hahn: Auf jeden Fall. Im nächsten Schritt wäre etwa ein 6x2 denkbar, sowie beim vorhandenen Auto eine höhere Varianz, etwa ein 480-PS und ein 450-PS Motor, die wir zur Zeit nicht anbieten. Uns war es nur wichtig, die Strukturen nicht direkt zu überlasten, sondern organisch hochzufahren. Und da ist es dann besser, erstmal mit einem Produkt anzufangen, wo alle Beteiligten direkt ihre Erfahrungen mit sammeln können und sich entsprechend austauschen.

Was sagen die Stimmen des Wettbewerbs zu Ihrem Fahrzeug?

Hahn: Einige Hersteller hatten ihn schon bei Vergleichsfahrten mit dabei und der Tenor war eindeutig: Das ist ein gutes Auto, dass man im Markt ernst nehmen muss. Wir sehen uns in unserer Arbeit bestätigt und wollen jetzt das Auto an den Mann – oder die Frau bringen.

Im Markt spielen Gebrauchtfahrzeugmarken wie TopUsed oder TruckStore eine wachsende Rolle. Haben Sie schon Pläne für etwas Ähnliches?

Hahn: Eine eigene Gebrauchtwagenorganisation haben wir natürlich als „Newcomer“ noch nicht. Wir geben natürlich Restwertempfehlungen raus, ich habe auch schon eine Restwertkurve entwickelt die wir den Partnern zur Verfügung stellen, aber wir können noch keine Flottengeschäfte mit Buy-Back Option anbieten – das ist einer der wenigen Nachteile, wenn man organisch wachsen möchte. Für die Zukunft ist das aber sicherlich ein Thema, was wir auch angehen werden.

AMZ: Das klingt alles sehr interessant und spannend – vor allem der Neustart einer kompletten Organisation. Vielen Dank für das Interview Herr Hahn!