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Reifenhandel

Fintyre verliert Bodenhaftung

Der Reifendistributor Fintyre steht offenbar kurz vor der Insolvenz. Die Angestellten der deutschen Niederlassung bekamen ihre Januar-Gehälter noch nicht ausgezahlt.

Die Fintyre Gruppe, eine vom Investor Bain Capital Private Equity im europäischen Reifenhandel positionierte Distributionsgesellschaft, die sich selbst als „bedeutendste unabhängige Gruppe“ im Vertrieb von Ersatzreifen in Europa bezeichnet, fiel in der Branche bisher vor allem durch ungebremsten Expansionsdrang und selbstbewusste Attitüde auf. In Deutschland überfuhr man gleich mehrere vormals eigenständige Player, etwa die Reifenhändler Reiff, Reifen Krieg, Tyre Expert, tyre1 und RS Exklusiv, dazu die Endverbraucher-Marken Reifendiscount und Reifen24, und drückte ihnen das eigene Profil auf, unter anderem indem man hier und da führende Mitarbeiter austauschte. Wie das Fachmagazin "AutoRäderReifen Gummibereifung" (vgl. gummibereifung.de: 1 / 2) zuerst berichtete, scheint der vom Eigentümer Bain Capital geforderte und entsprechend von Fintyre forsch formulierte Anspruch, zum führenden Reifengroßhändler Europas werden zu wollen, jedoch zuletzt immer mehr in eine Schieflage geführt zu haben.

Geschäft in Deutschland defizitär?

Insbesondere scheint das Deutschland-Geschäft davon betroffen zu sein. Noch im Oktober 2019 hatte man versucht, durch einen Wechsel in der Führungsspitze bei Fintyre den schlingernden Boliden wieder fest auf die Straße zu bekommen, aber auch der neue „Executive Chairman“ Mauro Pessi und der „Chief Executive Officer“ Claudio Passerini konnten die Wunschvorstellung von Bain Capital, den Expansionskurs fortzuführen, nicht in die Tat umsetzen.

Beschäftigte bekommen keinen Lohn

So musste Passerini den rund 1.000 Mitarbeitern in der deutschen Niederlassung in Neu-Isenburg am 31. Januar mitteilen, dass es „aufgrund von kurzfristig notwendigen Restrukturierungen des Unternehmens (Fintyre Gruppe) für eine nachhaltige Fortführung“ zu einem „aktuell unvermeidbaren Verzug bei der Auszahlung Ihrer Löhne und Gehälter“ komme.

Wie es weitergeht, ist derzeit unklar. In der Reifenfachpresse wird – Stichwort „Restrukturierung“ – über einen neuen Investor spekuliert.

Zugleich stellt man sich die Frage, warum die Muttergesellschaft Bain Capital nicht für die Verbindlichkeiten zumindest gegenüber den eigenen Beschäftigten einspringt. Aus der Fintyre-Zentrale in London bleibt man dazu bislang eine Antwort schuldig.