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Foto: Hofmeister & Meincke
Detlef Kruse ist Produktmanager im Bereich CB-Funk bei Hofmeister & Meincke.

Funken im Freisprechmodus

Fernverkehr setzt auf CB-Funk

Trucker und Funkgeräte gehören zusammen wie die American Diner zur Route 66. Seit Frühsommer müssen die Anlagen über eine Freisprechfunktion verfügen. Der Nfz-Teilehandel profitiert und informiert in Sachen Umrüstung, wie Detlef Kruse im amz-Interview erklärt.

Seit Juli sind CB-Funkgeräte im Cockpit nur noch mit der Freisprechfunktion VOX gestattet. Seither müssen Trucker, die noch mit dem traditionellen Handteil funken, 100 Euro Bußgeld zahlen (wir berichteten). Detlef Kruse von Hofmeister & Meincke erklärt gegenüber amz, warum der CB-Funk aus dem Fahrerhaus nicht wegzudenken ist, wie der Gerätetausch funktioniert und welches Umsatzpotenzial die Neuregelung bietet.

Die Neuregelung sollte eigentlich viel früher in Kraft treten. Am 1. Juli war es dann soweit. Woran lag es, dass das Verbot von herkömmlichen CB-Funkgeräten im Fahrzeug so lange aufgeschoben wurde?

Detlef Kruse: Hersteller, Branchenverbände sowie viele Nutzer sprachen sich im Vorfeld gegen eine Anwendung von § 23 Absatz 1a der Straßenverkehrsordnung aus. Laut Paragraph sind Regelungen, die im Straßenverkehr bereits für Mobiltelefone gelten, auch auf CB-Funkgeräte anzuwenden. Grund für die Verweigerungshaltung in der Vergangenheit war, dass es beim CB-Funk kaum Angebote gab, die das Funken ohne Handteil ermöglichten. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beschloss aufgrund der Vorbehalte, den Vollzug des neuen Gesetzes für sechs Monate auszusetzen. Die meisten Bundesländer entschieden sich demnach, keine Kontrollen bei CB-Funkgeräten durchzuführen. Die Übergangsfrist wurde teilweise zusätzlich verlängert und gab Herstellern ausreichend Zeit, um Lösungen mit Freisprecheinrichtungen auf den Markt zu bringen.

Wie hoch ist Ihrer Einschätzung nach die Verbreitung von CB-Funkanlagen im Nfz-Segment? Haben Smartphones den Geräten über Zeit nicht den Rang abgelaufen?

Detlef Kruse: Wir bei Hofmeister & Meincke haben die Erfahrung gemacht, dass das Smartphone unter Truckern ergänzend zum CB-Funk genutzt wird. Schätzungsweise ist sogar in 90 Prozent der im Fernverkehr genutzten Fahrzeuge ein CB-Funkgerät verbaut. Der große Vorteil des CB-Funks ist es, dass er als offener Kommunikationskanal beliebig viele Teilnehmer anspricht. Der Nutzerkreis ist hier nur durch die Funkreichweite limitiert. So können sich die Fahrer schnell und einfach über die aktuelle Verkehrssituation austauschen und Straßenbehinderungen – wie Staus oder Unfälle, aber auch Blitzer oder freie Parkplätze – an andere Fahrer übermitteln. Mittels Smartphone ist dies vor allem während der Fahrt nicht umsetzbar, da die Nutzung zum einen gesetzeswidrig ist und sich zum anderen nicht so leicht mit sehr vielen und zum Teil völlig unbekannten Personen ausgetauscht werden kann. Das Smartphone hilft Fahrern vielmehr bei der Kommunikation mit der weit entfernten Zentrale. Zusätzlich besticht der CB-Funk mit vergleichsweise niedrigen Anschaffungskosten. Zudem fallen keine weiteren Nutzungs- oder Netzgebühren an. Darüber hinaus ist der Fahrer im Ernstfall immer erreichbar. Bei Mobiltelefonen muss man auch auf Autobahnen oft mit Funklöchern oder Netzausfällen kämpfen.

Stimmt es, dass Straßenmeistereien Lastwagenfahrer über CB-Funk vor Gefahrstellen warnen?

Detlef Kruse: Straßenmeistereien nutzen sprechende Baustellenhütchen, sogenannte CB-Funk-Barken, die auf den landesüblichen Frequenzen der Fahrer senden. Sie übermitteln Informationen zu Baustellen nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Polnisch, Russisch, Litauisch, Türkisch und Tschechisch. Mit dieser Technik kann ein sehr großer Teil der Truckfahrer erreicht werden. Sie wird auch genutzt, um die Zahl der schweren Lastwagen-Unfälle auf Autobahnen zu senken.

Wie bedeutend ist das Nachrüstungspotenzial für Werkstätten?

Detlef Kruse: Wegen der Gesetzesänderung steigt das Nachrüstungspotential auch in den Werkstätten. Wir bei Hofmeister & Meincke erleben eine hohe Nachfrage unserer Kunden nach neuen Funkgeräten. Denn nicht alle Hersteller rüsten ihre Nutzfahrzeuge ab Werk mit einer CB-Funkanlage mit Freisprechfunktion aus. Neben der Gesetzesänderung spielt auch der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle. Mit einem CB-Funkgerät sind die Fahrer auch während der Fahrt immer erreichbar. Die Möglichkeit einer staatlichen Förderung für die neuen Funkgeräte mit VOX-Funktion liefert den Werkstätten und Fachhändlern ein weiteres Argument für eine Umrüstung. Darüber hinaus legen viele Fahrer großen Wert auf ein gutes Funkerlebnis, sodass auch die Aufrüstung der CB-Funkantennen sowie deren Inspektion und Wartung eine zusätzliche Dienstleistung für Werkstätten darstellt.

Hände vom Gerät

Ab Juli sind CB-Funkgeräte im Cockpit nur noch mit Freisprechfunktion erlaubt. Für Werkstätten und Teilehandel ergibt die neue Gesetzeslage Umsatzpotenziale.
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Was sollten Werkstätten und Kunden hinsichtlich der Montage wissen?

Detlef Kruse: Die Montage der CB-Funkgeräte ist denkbar einfach. Die meisten Geräte erfüllen DIN-Maße, sodass sie in den genormten Autoradio-Schacht passen. Die Schächte sind bereits mit einer Stromversorgung ausgestattet, an die die Geräte angeschlossen werden können. Anschließend muss lediglich die VOX-Funktion für die Freisprechanlage installiert werden. Dies nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Die Lautsprecher sind in vielen Geräten bereits integriert. Hier ist keine weitere Installation notwendig. Natürlich können aber auch zusätzliche Lautsprecher montiert werden. Zu beachten ist, dass Geräte in Lastwagen eine Spannung von 24 Volt haben müssen. Die Funkgeräte verfügen aber bereits von Haus aus über eine Spannung von zwölf bis 24 Volt. Darüber hinaus wird für den CB-Funk eine entsprechende Antenne benötigt, da der Frequenzbereich sich von dem des Autoradios unterscheidet. Bei Nutzfahrzeugen, die lediglich auf gesetzeskonforme Funkgeräte mit Freisprechfunktion umgerüstet werden, sind diese entsprechend bereits vorhanden und die Funkanlagen können als Plug and Play-Lösung eingebaut werden. Ansonsten bieten wir im Sortiment von Hofmeister & Meincke neben den Funkgeräten natürlich auch die passenden Antennen an.

Gibt es Marketing-Unterstützung für die Kunden?

Detlef Kruse: Bereits im letzten Jahr haben wir die Kunden von Hofmeister & Meincke mittels einer Umrüstaktion über die anstehende Gesetzesänderung informiert. In diesem Zuge haben wir Informationen zu den neuen Regelungen zur Verfügung gestellt und gleichzeitig die passenden Produkte angeboten. Diese Aktion haben wir in diesem Jahr zum Inkrafttreten der Änderung noch einmal durchgeführt. Die Aktionen haben ein großes Interesse bei den Fachwerkstätten erregt. Die Notwendigkeit einer Umrüstung war vielen nicht bekannt. Hier stehen wir als Hofmeister & Meincke unseren Kunden jederzeit zur Seite. Wir sehen es als Teil unserer Pflicht, unsere Kunden mit allen notwendigen Informationen zu versorgen und ihnen entsprechende Lösungen anzubieten. So bauen wir partnerschaftliche und vertrauensvolle Beziehungen zu unseren Kunden auf.

Herr Kruse, danke für die Informationen