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Philipp Hess 
Foto: amz – Ingo Jagels
Philipp Hess 

Hess-Insolvenz

„Es hat sich gelohnt, dafür zu kämpfen“

Mit einem ungewöhnlich offenen Brief hat sich Philipp Hess an die Öffentlichkeit gewandt. Der Geschäftsführer des in die Insolvenz geratenen Kölner Teilehändlers Hess Automotive übernimmt die Verantwortung für die Situation und bedankt sich bei Kunden und Lieferanten.

Nach einer 93-jährigen Firmengeschichte, davon die letzten 18 Jahre unter der Leitung von Philipp Hess, steht der Kölner Kfz-Teilehändler Hess Automotive vor dem Aus. „Ich muss Ihnen heute schweren Herzens mitteilen, dass unser Unternehmen Hess Automotive geschlossen wird“, schrieb Hess am vergangenen Dienstag auf der Internetplattform Linkedin. Damit musste der Unternehmer einräumen, dass sein Ansatz, als mittelständisches Unternehmen durch den Zukauf anderer Teilehändler voll auf Wachstum zu setzen, gescheitert ist.

„Als vielfältige Unternehmensgruppe wollten wir uns ganz auf den Automobilteilegroßhandel konzentrieren und waren überzeugt, dass wir langfristig nur überleben würden, wenn wir eine gewisse Größe erreichen könnten. Aus diesem Grund haben wir uns 2016 entschlossen, weitere Bankkredite aufzunehmen, um durch Akquisitionen wachsen zu können. Im Jahr 2018 wurde dann auf Druck des Bankenkonsortiums eine Treuhandschaft über unsere Geschäftsanteile geschlossen und ein Restrukturierungsprozess eingeleitet“, erläutert Hess, der sich jahrelang auch auf Verbandsebene aktiv für die Interessen des freien Kfz-Servicemarktes eingesetzt hatte.

Für eine Perspektive gekämpft

Die Familie habe diese Restrukturierungsphase unterstützt, mitfinanziert und begleitet. „Vier Jahre lang haben wir für eine Perspektive gekämpft und mit Überzeugung und der Unterstützung renommierter Berater daran gearbeitet, eine Zukunft für das Unternehmen und die gesamte Belegschaft zu gestalten“, so der Unternehmer. Auch den notwendigen Equity-Beschaffungsprozess, der im vergangenen Sommer angestoßen wurde, habe man tatkräftig unterstützt. Da jedoch leider keine Einigung zwischen einem Investor und den Gläubigern erzielt werden konnte, habe man am Ende keine andere Wahl gehabt, als Insolvenz anzumelden.

Auch nach Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens sei es laut Hess nicht gelungen, einen Investor für die Fortführung des Gesamtunternehmens zu finden, weshalb der Geschäftsbetrieb eingestellt werden müsse. „Als Unternehmer und Geschäftsführer trage ich die Verantwortung für diese Situation, auch wenn mein Entscheidungsspielraum unter der Treuhandschaft begrenzt war“, erklärt Hess. Er entschuldigt sich daher aufrichtig für das persönliche Leid, das dieses Ergebnis für viele Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten verursache. „Ich möchte meinem Team für die vielen Jahre der Loyalität, viele zusätzliche Stunden, enorme Anstrengungen und persönliche Opfer danken. Auch wenn wir am Ende gescheitert sind, hat es sich gelohnt, dafür zu kämpfen“, so der Unternehmer, der sich allen Lieferanten und Kunden für die Unterstützung und Treue bedankt.

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