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Sicherheit

Elektroautos: Was tun, wenn es brenzlich wird?

Ist der Lithium-Ionen-Akku entflammt, kann es gefährlich werden. Die Dekra-Unfallforschung informiert zu Umgang und Löschmethoden.

In Filmen gehen verunfallte oder beschossene Fahrzeuge schnell in Flammen auf. In der realen Welt sind Autos dagegen weniger entzündlich. Mit einer Zunahme der Elektromobilität könnte sich das ändern, warnen Kritiker. Auch wenn häufig übertrieben wird, brennende Elektroautos sind ein Schreckensszenario – nicht nur für die Fahrer und Beifahrer, sondern auch für Abschleppdienst, Feuerwehr und Werkstätten: Doch nicht bei jedem Fahrzeugbrand ist der Akku ausschlaggebend bzw. springt das Feuer auf die Batterie über, gibt ein DGUV-Fachblatt Entwarnung.

So zeigten Brandversuche, dass Lithium-Ionen-Akkus erst über einen längeren Zeitraum von außen erhitzt oder stark mechanisch beschädigt werden müssen, um eine interne Reaktion zu starten. Doch auch ein Softwarefehler oder Probleme beim Thermomanagement können Gründe sein. Wenn die Lithium-Ionen-Akkus aber Feuer fangen, ist dies äußerst gefährlich: Auf Initiative der Dekra-Unfallforschung ist daher aktuell eine interdisziplinäre Fachinformation erschienen. Einer Mitteilung zufolge geht es darin um Gefahren sowie Löschverfahren. Grundsätzlich gilt: Lithium-Ionen-Akkus gelten als reaktionsfreudiger und dynamischer im Brandverhalten als andere Technologien (z. B. Nickel-Metallhydrid, NiMH). Die Abfrage des Fahrzeugkennzeichens über die zuständige Leitstelle gibt Aufschluss über die verwendete Antriebsart und das passende Rettungs-datenblatt. Letzteres zeigt auch, wo die Akkus verbaut sind.

„Fahrzeugbrände an Elektro- oder Hybridfahrzeugen kommen zwar nicht unbedingt häufiger vor als bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen. Wenn aber die Lithium-Ionen-Batterie eines solchen Fahrzeugs brennt, kann das die Feuerwehren aktuell vor große Herausforderungen stellen“, erklärte Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf, selbst aktives Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr. Teilweise kann der Brandherd aufgrund des isolierten Gehäuses sowie der Montage des Energiespeichers unterhalb der Fahrgastzelle nicht erreicht werden. Bei Lithium-Ionen-Akkus setze ein Löscherfolg erst dann ein, wenn das Wasser in ausreichender Menge das Innere der Lithium-Ionen-Akkus erreicht, heißt es in der Fachinformation. Gegebenenfalls kann Löschwasser über eine dafür vom Fahrzeughersteller vorgesehene Öffnung in das Innere der Batterie eingebracht werden. Hinweise auf entsprechende Öffnungen können dem Rettungsdatenblatt entnommen werden. Dass Wasser ein geeignetes Löschmittel ist, haben laut Dekra schon 2012 gemeinsame Versuche der eigenen Unfallforschung mit einem Fahrzeughersteller gezeigt.

Spezialisierte Hersteller bringen laut Mitteilung neue Löschgeräte und Löschmittel auf den Markt oder erweitern bekannte Produkte um die Tauglichkeit für den Einsatz an Elektrofahrzeugen. Diese seien in der Feuerwehrwelt teils umstritten. Mit der Fachinformation will Dekra Fakten sachlich und verständlich aufbereiten, "um unbegründete Ängste zu nehmen und eine gute Grundlage für einsatztaktische Entscheidungen zu schaffen", erklärte Egelhaaf. Die Hinweise wurden gemeinsam mit Experten von Feuerwehren, aus der Brandschutzforschung, von Fahrzeugherstellerverbänden, einem Hersteller von Rettungsgeräten, der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen, dem österreichischen Bundesfeuerwehrverband, einem österreichischen Institut für Elektrotechnik und Sicherheitswesen sowie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erarbeitet. Sie stehen kostenlos auf den Seiten der DGUV zum Download bereit.

Dem Schreiben zufolge gelten folgende, allgemeine taktische Sicherheitshinweise:

  • Flammen, Hitze und freiwerdende Atemgifte: Vollständige Schutzausrüstung für die Brandbekämpfung im Innenangriff, inkl. Atemschutzgerät (PSA 12 gemäß DGUV Information 205-014) tragen.
  • Wegrollen oder Wegfahren: Brennende Fahrzeuge können sich eigenständig in Bewegung setzen. Sie sind daher so bald wie möglich gegen Wegrollen und Wegfahren zu sichern.
  • Wärmestrahlung: Die Brandbekämpfung unter Ausnutzung der Wurfweite des Löschwasser-Vollstrahls beginnen und sich erst nach Einstellung eines ersten Löscherfolgs diagonal über die Ecken dem Fahrzeug nähern.
  • Umherfliegende Teile: Durch die Brandeinwirkung kann es zu umherfliegenden Teilen kommen (z. B. von Airbags, Gasdruckdämpfern, Reifen, brennenden Leichtmetallen). Eine diagonale Annäherung über die Fahrzeugecken gewährt den größtmöglichen Abstand zum unmittelbaren Gefahrenbereich.
  • Gefahr durch Hochvolt: Eine elektrische Gefährdung der Einsatzkräfte durch die Hochvoltanlage von Hybrid- oder Elektrofahrzeugen ist konstruktionsbedingt unwahrscheinlich. Dennoch handelt es sich beim Hochvoltsystem dieser Fahrzeuge um eine elektrische Anlage gemäß DIN VDE 0132. Bei der Brandbekämpfung sollen daher die dort vorgegebenen Sicherheitsabstände eingehalten werden (Niederspannung: Sprühstrahl – 1 Meter, Vollstrahl – 5 Meter). Sofern ein brennendes Hybrid- oder Elektrofahrzeug noch über ein Ladekabel mit der Ladeinfrastruktur verbunden ist, sollte diese Verbindung im Zuge der Brandbekämpfungsmaßnahmen getrennt oder stromlos geschaltet werden. Hierbei ist zu beachten, dass der Ladestecker bei verschlossenem Fahrzeug ebenfalls mechanisch verriegelt wird und sich gegebenenfalls nur gewaltsam entfernen lässt.
  • Gebot zum Selbstschutz: Bei der Bekämpfung von Fahrzeugbränden, un¬abhängig von der Antriebsart, gibt es potenziel¬le Gefahren für die Einsatzkräfte. Insbesondere bei einem Brand im Innenraum des Fahrzeugs tritt bereits nach kurzer Zeit der Totalschaden ein, weshalb eine risikoarme Einsatztaktik gewählt werden sollte, wann immer das möglich ist.

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