Foto: Porsche

Rückspiegel

Der Porsche im Italo-Maßanzug

Abarth und Porsche – zwei Namen, die aus der Geschichte des Motorsports nicht wegzudenken sind. Vor sechzig Jahren kam es zu einer denkwürdigen Kooperation der Konkurrenten. Resultat war der Porsche 356 B Carrera GTL Abarth.

Der italienische Tuning-Papst Carlo Abarth bekam damals von Porsche den Auftrag, für die Carrera-Modellreihe eine besonders leichte und aerodynamische Aluminiumkarosserie zu entwickeln. Abarth ließ den renommierten italienischen Designer Franco Scaglione einen besonders zierlichen Aufbau entwerfen: Er war jeweils 130 Millimeter kürzer und niedriger sowie 120 Millimeter schmaler und zwanzig Kilogramm leichter als die serienmäßige Reutter-Karosserie des Carrera. Typisches Erkennungsmerkmal waren die zahlreichen Luftschlitze und die Hutze auf der Heckklappe. Weil auf Türverkleidungen und Dämmmaterial verzichtet wurde, wog der Carrera Abarth mit 778 Kilogramm gerade mal zwanzig Kilo mehr als ein VW Käfer.

Angetrieben wurde der deutsch-italienische Zwitter von jenem legendären Viernockenwellen-Triebwerk, das Mitte der fünfziger Jahre von Professor Ernst Fuhrmann, dem späteren Vorstandsvorsitzenden, entwickelt worden war. Besondere Merkmale des Vierzylinder-Boxers mit der Projektnummer 547 waren je zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderreihe, die von Königswellen angetrieben wurden, eine rollengelagerte Hirth-Kurbelwelle, Trockensumpfschmierung mit acht Litern Ölinhalt, Doppelzündung und 12-Volt-Bordnetz statt der üblichen 6-Volt-Anlage. Das Wechseln der acht Zündkerzen soll, so die Legende, manchem Porsche-Mechaniker vorzeitig graue Haare beschert haben.

Nur 21 Fahrzeuge wurden gebaut

Der 1,6-Liter-Motor mit zwei Weber-Doppelvergasern leistete zunächst 115 PS (85 kW) und in der letzten Ausbaustufe mit Sebring-Sportauspuff 135 PS (99 kW) bei 7400/min. Das reichte für 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und je nach Getriebe bis zu 230 km/h Spitze.

Die Alukarosserie entstand bei Zagato in Mailand, die Endmontage erfolgte bei Abarth in Turin. Gebaut wurden 1960 lediglich 21 Fahrzeuge, die zum Stückpreis von 25.000 Mark (12.782 Euro) weggingen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Kunden und Werksfahrer setzten den Carrera Abarth als Allzweckwaffe am Nürburgring, bei der Targa Florio oder in Le Mans ein. Von 1961 bis 1963 gewann er dreimal in Folge die GT-Weltmeisterschaft bis zwei Liter Hubraum. Eines der wenigen überlebenden Exemplare parkt heute im Zuffenhausener Werksmuseum.

Hans W. Mayer