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fahrzeuge
11.04.2016von Lutz Odewald
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Der neue VW Crafter

Mal wieder gute Nachrichten aus dem Hause Volkswagen: Der neue Crafter wirft seine Schatten voraus. In der Klasse bis 5 Tonnen wollen die Wolfsburger und ihre hannoversche Nutzfahrzeug-Sparte eine neue Benchmark setzen.

von Lutz Odewald

 - Sitzprobe möglich: Platz nehmen in einer "Sitz Box".
Sitzprobe möglich: Platz nehmen in einer "Sitz Box".
Henning Scheffen Photography

Zwar wird er erst auf der IAA im September richtig vorgestellt, doch die Marketing-Strategen von Volkswagen Nutzfahrzeuge füttern die interessierten Journalisten und potentielle Käufer schon jetzt mit ersten Häppchen, um die Vorfreude auf den neuen Crafter zu steigern - mittlerweile ein üblicher Vorgang in der Branche.

 - Zahlreiche Journalisten bei der 1. Presseveranstaltung zum neuen Crafter.
Zahlreiche Journalisten bei der 1. Presseveranstaltung zum neuen Crafter.
Henning Scheffen Photography

Und so haben auch wir uns schlauer machen lassen. Und das, was Volkswagen verkündet hat, klingt wirklich beeindruckend. Wichtigster Unterschied zum "alten" Crafter: Der neue ist ein echter VW! Keine zugekauften Motoren oder Karossen, alles in eigener Hand entwickelt.

 - Alter Bekannter: Der 2,0-Liter-Motor wird aufgrund des Einbaus längs oder quer für den Crafter optimiert.
Alter Bekannter: Der 2,0-Liter-Motor wird aufgrund des Einbaus längs oder quer für den Crafter optimiert.
Henning Scheffen Photography

Zweite große Neuerung: Der Crafter wird in gleich drei Antriebsvarianten kommen: Front, Heck und Allrad. Und zwar ab Werk und nicht, wie beim aktuellen Allrad, als nachträglicher Umbau. Das bietet sowohl dem Hersteller als später auch dem Kunden ein ungleich größeres Feld an Möglichkeiten. Front für leichte Fracht, sparsamen Verbrauch und schnelle Wege. Heck für schwere Lasten, sogar mit Zwillingsbereifung. Und Allrad für unwegsames Gelände oder eine Zuglast bis 8 Tonnen! Die erlaubte Zuladung bewegt sich zwischen 3,5 und 5,5 Tonnen.

 - In der 75 kW-Variante mit einem, sonst mit bewährtem Bi-Turbo für den 103 und den 120 kW-Motor.
In der 75 kW-Variante mit einem, sonst mit bewährtem Bi-Turbo für den 103 und den 120 kW-Motor.
Henning Scheffen Photography

Eigens für den Crafter hat VW nahe des polnischen Werkes bei Posen eine nagelneue Fabrik aus dem Boden gestampft. In nur etwas mehr als anderthalb Jahren wurde und wird in Wrzesnia eine moderne Fertigung errichtet. An die rechtzeitige Fertigstellung haben selbst die meisten VW-Mitarbeiter nicht geglaubt, wird hinter vorgehaltener Hand erzählt. Doch die Polen scheinen es tatsächlich geschafft zu haben, sie sind im Zeitplan.

Die Motoren sind weiterentwickelte 4-Zylinder-Diesel der jetzigen Baureihe. Der kleine Diesel mit 75 kW bekommt einen einfachen Turbolader, die beiden 103 und 120 kW starken Motoren setzen auf den aktuellen Biturbo und entstehen allesamt im Motorenwerk in Salzgitter. Standard wird ein manuelles 6-Gang-Getriebe sein, alternativ kommt ein Achtgang-Automatik-Getriebe zum Einsatz. Selbst ein Nebenabtrieb ist von VW in Aussicht gestellt, um zusätzliche Antriebe etwa von Pumpen oder anderen Aggregaten zu realisieren.

 - Komplett neue Innenausstattung mit zahlreichen Details aus dem Pkw-Regal.
Komplett neue Innenausstattung mit zahlreichen Details aus dem Pkw-Regal.
Henning Scheffen Photography

Klassenüblich sind die Abmessungen und Varianten. Drei Längen von 598 bis 739 Zentimeter mit drei Radständen sowie drei Innenraumhöhen von 234 bis 289 Zentimeter lassen zahlreiche Varianten zu. VW geht davon aus, dass rund 70 Prozent aller Crafter individuell gefertigt werden, nur 30 Prozent erwartet man als "Modelle von der Stange". Der größte Kasten will ein Ladevolumen bis zu 18 Kubikmetern durch die Gegend schießen. Ein Highligt im Laderaum wird der universelle Ladeboden sein, der bereits vorhandene Schranksysteme der Kunden dank vorpositionierter Befestigungsösen problemlos aufnehmen will.

Bisher konkurrenzlos ist die Aufrüstung des Transporters mit modernen Assistenzsystemen auf Pkw-Niveau. Adaptive Geschwindigkeitskontrolle, City-Notbremssystem, Multikollisionsbremse und Spurassistenten stehen zur Verfügung. Die Lenkung wird elektromechanisch realisiert, so dass nicht nur die Bremse von den Regelkreisen gesteuert wird, sondern auch die Lenkung aktiv beeinflusst werden kann. Damit realisiert VW auch beim Crafter die Möglichkeit des autonom fahrenden Vehikels. Bis der Fahrer allerdings tatsächlich die Hände dauerhaft vom Lenkrad nehmen darf, muss der Gesetzgeber noch etliche Schritte gehen. Technisch ist der Crafter auf jeden Fall darauf vorbereitet.

Während sich die Außenmaße kaum geändert haben, wurde das Cockpit komplett neu gestaltet. Hier erlaubten die Ingenieure schon einen ersten Blick auf Vorserien-Anmutungen in der sogenannten Sitz-Box, einem nicht funktionstüchtigen Modell, allerdings in Echtgröße und mit seriennaher Optik und Haptik. Auch hier setzt VW auf bekannte Ergonomie und perfekte Verarbeitung und übernimmt frank und frei zahlreiche Details aus den Pkw. Was dem großen Bulli beileibe nicht schlecht bekommt!

Vorgestellt wird der Crafter auf der IAA, zur Auslieferung wird es bis zum Februar 2017 dauern. Die Preise sollen sich am jetzigen Crafter orientieren (ab 28.660 Euro), wobei der Frontantrieb sicherlich eine Ecke günstiger werden wird. Und für alle Fuhrparkbetreiber, die im schweren Bereich auf MAN setzen: Der Crafter wird auch als MAN-Variante auf den Markt kommen.