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 Ford Transit von 1994 (links), von 1978 (Mitte) und von 1972 (rechts).
Foto: Ford
Ford Transit von 1994 (links), von 1978 (Mitte) und von 1972 (rechts).

70 Jahre Ford Transporter

Bullis bester Freund und Feind

Es war der Konstrukteur des VW Bus, der 1952 den Ford-Transit-Vorläufer FK 1000 in Form brachte. Als „Eilfrachter“ knabberte der Kölner Kasten sanft an Marktanteilen des Wolfsburger Bestsellers, um nach 1965 als Transit in Europa auf die Pole Position zu fahren.

Wer kennt sie nicht, die kleinen Alleskönner Ford Transit und VW Bus. Leichte Nutzfahrzeuge, die eine automobile Hauptrolle spielten im Europa des Wirtschaftswunders. Kaum aber jemand weiß, dass dieses Duo denselben Vater hat: Konstrukteur Alfred Haesner finalisierte zuerst den VW T1, um dann 1952 den Transit-Vorläufer FK 1000 zu projektieren und im Folgejahr als Eilfrachter zu vermarkten.

Beim Kultstatus liegt der Bulli zwar weiter vorn, aber auch der Transit erreichte längst Legendenstatus. Schon in der Aufbauära sorgte der Ford FK 1000 als schnellster Kastenwagen für Furore, ab den Swinging Sixties vertrauten viele Popbands auf die Tourbus-Talente des Transit, und schließlich erklärte Scotland Yard den flotten Ford zum meistgesuchten Van Großbritanniens: „In 95 Prozent aller Banküberfälle setzten die Täter auf einen Transit“, meinte 1972 ein Polizeisprecher. Im 21. Jahrhundert wuchs der Transit zur Modellfamilie in vier Größen, um dann das Thema Elektrifizierung zu entdecken. So gibt es den Transit Custom seit 2019 als Plug-in-Hybrid, und zum 70. Jahrestag der Ford Transporter folgt der E-Transit. Vor allem startet der Transit Connect als erstes Kind einer Kooperation mit VW, die auch eine gemeinsame Plattform für kommende Transit und Bulli-Generationen kreieren wird.

Zusammenarbeit mit VW

Diese 2020 unterzeichnete umfassende Kooperation mit Volkswagen hatte sich Konzernboss Henry Ford II gewiss nicht vorstellen können, als er nach dem Zweiten Weltkrieg das Angebot der alliierten Siegermächte ausschlug, das Werk Wolfsburg in eigener Regie zu führen. Andererseits begann schon in jenen dunklen Nachkriegstagen eine erste Zusammenarbeit der Erzrivalen Ford und VW, denn 1948 wurde der wieder aufgelegte Ford Taunus zunächst im Werk Wolfsburg montiert. Gleich nebenan konzipierte Alfred Haesner den Volkswagen Transporter T1, musste dabei allerdings Rücksicht nehmen auf die Käfer-Konstruktion mit für schwere Lasten zu schwächlichem 18 kW/25 PS leistendem Heckmotor.

Der Ford Transit diente vielen Bands als Tourbus. So zum Beispiel den Tremeloes, viele Jahre später auch Coldplay.
Der Ford Transit diente vielen Bands als Tourbus. So zum Beispiel den Tremeloes, viele Jahre später auch Coldplay.
Der Ford Transit diente vielen Bands als Tourbus. So zum Beispiel den Tremeloes, viele Jahre später auch Coldplay.
Ford FK 1000, FK 1250 und Taunus Transit, Serienmodelle von 1953 bis 1962.
Ford FK 1000, FK 1250 und Taunus Transit, Serienmodelle von 1953 bis 1962.
Ford FK 1000, FK 1250 und Taunus Transit, Serienmodelle von 1953 bis 1962.
Auch Tottenham nutzte den Transit im Jahr 1965 als Mannschaftsbus. 
Auch Tottenham nutzte den Transit im Jahr 1965 als Mannschaftsbus. 
Auch Tottenham nutzte den Transit im Jahr 1965 als Mannschaftsbus. 
1980 gab es den Transit auch als Amphibienauto – allerdings Marke Eigenbau.
1980 gab es den Transit auch als Amphibienauto – allerdings Marke Eigenbau.
1980 gab es den Transit auch als Amphibienauto – allerdings Marke Eigenbau.
Der Transit Supervan III (1995) hatte einen 485 kW/650 PS freisetzenden Cosworth-V8 aus der Formel 1 unter der Haube.
Der Transit Supervan III (1995) hatte einen 485 kW/650 PS freisetzenden Cosworth-V8 aus der Formel 1 unter der Haube.
Der Transit Supervan III (1995) hatte einen 485 kW/650 PS freisetzenden Cosworth-V8 aus der Formel 1 unter der Haube.
Die aktuelle Transit-Modellfamilie.
Die aktuelle Transit-Modellfamilie.
Die aktuelle Transit-Modellfamilie.
Der Transit Supervan II war bis zu 270 km/h schnell – mit einem Wohnwagen am Haken
Der Transit Supervan II war bis zu 270 km/h schnell – mit einem Wohnwagen am Haken
Der Transit Supervan II war bis zu 270 km/h schnell – mit einem Wohnwagen am Haken

Umso spannender erschien dem 1952 zu Ford Köln gewechselten Haesner der mit kräftigen 23 kW/38 PS aufwartende Motor aus der Limousine Taunus 12 M, der den modern gezeichneten Lastesel Ford FK 1000 in Fahrt brachte. FK 1000, dieser Typencode stand für „Ford Köln“ und stolze 1.000 Kilogramm Nutzlast, die Modellbezeichnung inspirierte aber auch zum Werbeslogan „Die Feuerwehr fährt 100 Sachen“ und dem Begriff Eilfrachter. Die Verkaufszahlen des ab 1960 Taunus Transit genannten Transporters kletterten vor allem in Deutschland in lichte Höhen. Der von Beginn an globale VW-Besteller Bulli spielte  in einer höheren Liga: 255.832 Transit vs. 1.535.595 Volkswagen Transporter lautete 1965 das Fazit, als der erste Transit einer neuen Generation Platz machte.

50 verschiedene Ausbauvarianten

Henry Ford II persönlich schob den Nachfolger als globales Projekt an. „Rotkäppchen“ (englisch: „Redcap“) lautete der Tarnname für den neuen Transit, der im amerikanischen Ford-Hauptquartier konzipiert und anschließend in Deutschland und Großbritannien serienreif gemacht wurde. Tatsächlich revolutionierte dieser später weltweit vertriebene Transit ab 1965 das Transportsegment durch über 50 unterschiedlichen Aus- und Aufbauvarianten.

Vom frühen Schnell-Laster zum modernen Familien- und Freizeitfahrzeug, damit schrieb der Transit ähnlich viel Alltagsgeschichte wie die Transporter von VW. Künftig geschieht das gemeinsam, ab 2023 teilt sich sogar die Nutzfahrzeugversion des VW T7-Bulli die Basis mit dem nächsten Transit Custom: Alles wird anders und zugleich bleiben die beiden beste Freunde und Feinde auf dem Markt.

Wolfram Nickel/SP-X