Leuchtmittel

Blender, Blindgänger und gute Leuchten

Wer eine H7-Lampe kauft, kann danebengreifen - und mit schlechten Leuchtmitteln im Dunkeln tappen oder den Gegenverkehr blenden. Unser Test im Dekra-Labor zeigt teils Erstaunliches.

von Jens Meyer

Selbst wenn H7-Lampen gegenüber LED eher alt aussehen, so sind diese Einfaden-Halogenlampen immer noch ein echtes Massenprodukt. Zusammen mit einem Freiflächen- oder Linsenscheinwerfer sorgt eine H7-Lampe für Licht, wo es sein soll und Dunkelheit, wo niemand geblendet werden darf. In unserem Test müssen sich 20 im Straßenverkauf erworbene H7-Lampen drei verschiedenen Disziplinen stellen. Neben einer Messung des Lichtstroms und der Lichttemperatur haben wir im lichttechnischen Labor der Dekra in Arnheim auch die Lage der Wendel und die Lichtverteilung nach ECE112 untersucht.

Renommiert und No-Name

Das Testfeld besteht aus 20 im Fachhandel gekauften Lampen, die vor allen Tests eine Stunde bei Nennspannung „eingebrannt“ wurden. Neben zahlreichen Markenprodukten renommierter Hersteller schicken wir auch Leuchtmittel aus dem Supermarkt, eine LED-Lampe ohne Zulassung sowie zahlreiche Lampen mit "extrablauem Licht" ins Rennen - sie versprechen eine LED- oder Xenon-Anmutung bei einer Lichttemperatur von bis zu 8.500 Kelvin. Werte für den Lichtstrom (also die „Lichtmenge“) und die Lichttemperatur liefert eine „Ulbrichtkugel“ – das in diesem fast vollständig reflektierenden Raum erzeugte Licht wird hochpräzise vermessen und liefert erste Anhaltspunkte dafür, wie viel Licht und von welcher „Farbe“ die Lampe liefert.

Gefärbte Kolben

Bei näherem Hinsehen sind der Lichtfarbe, genauer: der Lichttemperatur, jedoch enge, physikalische Grenzen gesetzt. So besitzt helles Tageslicht eine Temperatur von rund 5.500 Kelvin und sorgt dafür, dass das menschliche Auge scharf sehen kann. Aus diesem Grund wird Xenon- oder LED-Licht mit dieser Temperatur bei gleicher Lichtstärke als angenehmer und "weitreichender" als Glühlampenlicht empfunden. Je nach Gasfüllung, Legierung des Fadens, Art der Wicklung und Stromdichte kommen übliche H7-Leuchtmittel nur auf eine Lichtfarbe von 3.300 Kelvin - "weißeres" oder "blaueres" Licht lässt bei akzeptabler Lebensdauer des Fadens nur mit gefärbten Kolben erzeugen, deren Beschichtung jedoch wertvolles Licht schluckt. Blaues Licht geht also auf Kosten der Lichtstärke: Im Test liegen Gread und Laser Mega Eaglight zwar knapp über 4.000 Kelvin, fallen aber im späteren ECE-Test durch. Mit ihnen unterschreitet der Frontscheinwerfer im Punkt 75R (also 75 m vor dem Fahrzeug auf der eigenen Fahrbahn) nicht die vorgeschriebene Ausleuchtung. Pikanterweise reißt die Mega Eaglight nebenher auch noch die erlaubte Stromaufnahme deutlich. Sie schluckt statt der vorgeschrieben 55 Watt glatt 82 Watt und zieht damit 2 Ampere mehr als erlaubt, zudem hält ihre Glühwendel nicht die vorgeschriebene Fadenlage ein, so dass ein mit ihr bestückter Scheinwerfer blendet.

Nicht in jeder Lage erhellend

Von zentraler Bedeutung ist deswegen eben diese Fadenlage: Während die Hersteller mit dem Material der Wendel sowie der Füllung und Beschichtung des Glaskolbens spielen können, so muss für korrektes Licht die Lage der Wendel gegenüber dem Sockel stimmen. Schließlich potenzieren sich wenige Hundertstel „Fehllage“ an dieser Stelle zu vielen Metern auf der Fahrbahn. Um die Position des Fadens zu bestimmen, kommt ein Spezial-Projektor zum Einsatz. Hier wird die Lampe fest und wiederholgenau eingespannt, die Projektion auf der Wand zeigt die Position des Glühfadens. Er muss -wie im Bild zu sehen- bei eingeschalteter Lampe innerhalb des markierten Feldes liegen. Befindet sich der Faden außerhalb, kann der Scheinwerfer beim besten Willen keine korrekte Lichtverteilung auf der Straße erzeugen.

Nur unter dem Motto "Minus und Minus ergibt Plus" können schlechte Lampe und verstellter Scheinwerfer (mit Glück) korrektes Licht zaubern. Wer also in diesem Test durchfällt, kann im Scheinwerfer kein gutes Licht liefern. Im Hinblick auf die korrekte Fadenlage liegen vor allem Filmer und Unitec daneben - beide fallen beim Test durch. Unitec sogar mit Pauken und Trompeten: Ihre Glühwendel liegt dermaßen außer Kurs, dass die eigene Fahrbahn im Dunkeln bleibt.

Test im Goniometer

Auskunft über die tatsächliche Helligkeit und Lichtverteilung auf der Straße gibt anschließend die dritte Disziplin „Photogoniometer“: Diese Messvorrichtung besteht im Prinzip aus einem verschwenkbaren Messtisch (mit aufgespannten Scheinwerfer-Modul) und einer Fotodiode in 25 Metern Entfernung. Statt die Lichtverteilung auf der weißen Wand zu messen, verschwenkt Kollege Computer den Tisch mitsamt Scheinwerfer und zeichnet die jeweilige Helligkeit im zugehörigen Messpunkt auf. Innerhalb weniger Minuten ergibt das eine detaillierte Helligkeitsverteilung und aussagekräftige Werte zur jeweiligen Lampe.

Als Referenz dient ein von Valeo ausgeborgten Freiflächen-Scheinwerfer, der aktuell im VW T6 zum Einsatz kommt. Mit seinen großen Flächen holt er einerseits viel aus der Lampe heraus, hebt andererseits jedoch auch ihre Schwächen hervor.

Geprüft wird nach ECE R112. Dieses Regelwerk definiert auf 78 eng beschriebenen Seiten, wie die Lichtverteilung eines Frontscheinwerfers auszusehen hat. Sie definiert, wo im Abblendlicht Licht und wo Schatten auf der Straße sein soll. Das Regelwerk schreibt damit eine fixe Hell-Dunkel-Grenze fest und definiert Lichtstärken für bestimmte Punkte vor dem Scheinwerfer, die nicht unter- oder überschritten werden dürfen. Die Logik hinter den Bezeichnungen der untersuchten Punkte ist simpel: „75R“ entspricht zum Beispiel „75 Metern auf der rechten Fahrbahn vor dem Fahrzeug“, „50V“ einem Punkt 50 Meter in vertikaler Richtung also „geradeaus“.

Während diese Punkte eine Mindestausleuchtung verlangen, ist insbesondere im Hinblick auf Blendung die Position „B50L“ von Interesse - sie liegt genau in der Höhe des Fahrers im Gegenverkehr und darf einen Messwert von 350 candela nicht überschreiten.

Blender und Funzeln

Die verkehrte Fadenlage von Gread und Unitec schlägt insbesondere bei der Unitec voll durch: Statt mindestens 11.100 candela liefert der mit ihr bestückte Scheinwerfer im Punkt 75R nicht einmal 1.900 candela und ließe damit die eigene Fahrbahn nicht nur dunkel, sondern duster. Als weiterer, echter Blindgänger entpuppte sich eine LED-Nachbauleuchte. Selbst wenn diese Leuchtmittel keine E-Kennzeichnung tragen und damit auch offiziell nicht für den Einsatz auf öffentlichen Straßen zugelassen sind, so ist die Versuchung groß, so etwas nachzurüsten. Außer einer niedrigen Stromaufnahme und einer hohen Lichttemperatur leistet das getestete Modell nicht viel. Es lässt den Fahrer ebenfalls im Finstren stehen. Vorteil des Chinakrachers: Sein Lichtstrom reicht nicht einmal aus, um den Gegenverkehr zu blenden.

Osrams Nightbreaker wiederum übertrifft im Punkt 75R mit 23.300 Candela die vorgeschriebene Lichtstärke um mehr als das doppelte, blendet dafür jedoch den Gegenverkehr. Auch Cartechnic und die besonders helle Naos 90% liegen (wenn auch nur geringfügig) über den Werten der Norm.

Fazit unseres Tests, der in Kooperation mit Dekra und AutoBild stattfand: Mit Markenleuchtmitteln geht man in aller Regel auf Nummer sicher und kann gegenüber "extrablauen" Lampen oft sogar mehr sehen und blendet weniger.