Werkzeugtest - so haben wir getestet

Auf Biegen und Brechen

Knarren sind in der Regel so robust, dass Qualitätsunterschiede erst bei extremer Belastung auffallen. Wir haben 14 Kandidaten in einer Kooperation mit der AutoBild deswegen sehr, sehr schlecht behandelt.

Als Kfz-Mechatroniker kann man auf vieles verzichten - auf die Knarre allerdings beim besten Willen nicht. Sie gehört zur persönlichen Ausrüstung wie Sicherheitsschuhe, Hose und LED-Taschenlampe. Im Werkzeugkatalog heißt die „Knarre“ übrigens meist „Ratsche“ oder „Ratschenschlüssel“. Ihre Größe sortieren die Werkzeughersteller nach der Größe des Abtriebs, also des Vierkants, auf den man die Nüsse steckt. Das gängige Universalwerkzeug für alle Arbeiten an Kfz verfügt über einen 1/2´´-Abtrieb; die nächstkleinere Größe 3/8ist weit seltener verbreitet. Nüsse mit Schlüsselweiten von 5 - 14mm werden meist von 1/4´´-Ratschen angetrieben. Und wer heute „Knarre“ sagt, meint meist die „Umschaltknarre“, also ein Werkzeug, dessen Sperr-Richtung sich in aller Regel mit einem kleinen Knebel umschalten lässt. „Durchsteck-Knarren“ sind heute beinahe ausgestorben. Zahlreiche Teilnehmer unseres Tests verfügen zudem über einen „Auswerfer“-Knopf, also eine Funktion, mit der sich eingesteckte Nüsse leichter auswerfen lassen (sollen). Weil nicht alle Kandidaten über diese Funktion verfügten, haben wir das ebensowenig bewertet wie die bei Wera vorhandene Option, den Kopf zu verdrehen. Wirklich interessant war natürlich der Kern unseres Tests, dem sich alle Prüflinge stellen mussten: Rohe Gewalt. Und das nicht nur im Hinblick auf Drehmoment am Vierkant, sondern auch auf den Griff. Schließlich fallen Knarren durchaus auch wegen zerbröseltem Gummi aus. Noch dazu haben wir alle Teilnehmer künstlich gealtert und in Benzin gebadet. Aber der Reihe nach.

Abzug!

Weil der Griff einen nicht unerheblichen Teil der Knarre darstellt und im Laufe harter Beanspruchung tatsächlich kaputtgehen kann, haben wir versucht, ihn abzuziehen. Die für diesen Test aufgebaute Versuchseinrichtung besteht im Prinzip aus einem Spannblock, einer Kette, einem Zweiarmabzieher sowie einer simplen Kranwaage. Diese nicht geeichte Waage hat sich im Laufe unserer Versuche als überraschend wiederholgenau erwiesen und zeigt direkt in Newton an. Weil die äußeren Umstände der Messung und des Messaufbaus für alle Prüflinge gleich waren, sind die Ergebnisse durchaus plausibel. Für die Abzugsprüfung wurde der Prüfling mit seinem Vierkant auf einer Seite eingespannt, während die Spindel den Griff mittels einer an der Griff-Verjüngung angelegten Schlauchschelle unter Zug setzt. Als Maximalwert und „Bestanden“ haben wir hier einen Wert von 500 Newton gewählt. Ohne zuviel vorwegzunehmen: Dieser Wert wurde von allen erreicht und entspricht bei korrekter Umrechnung von 9,81 Newton für ein Kilogramm Gewichtskraft genau 50,97 Kilo, die am Griff der Knarre zerren. Sprit-Bad Weil viele Kunststoffe erfahrungsgemäß allergisch auf Lösemittel reagieren, simulierte unser anschließender Test genau das: Ein Bad in Benzin. Mit Ausnahme des Vollstahl-Exemplars von Blackspur mussten alle Prüflinge 72 Stunden im Superkraftstoff aushalten, wurden dann getrocknet und fotografiert. Die Ergebnisse waren teils überraschend. Ein weiterer Abzugstest oder eine Langzeitbeobachtung wären sicher interessant gewesen.

Biegen und Brechen

Wie schlagen sich die Kandidaten bei Überlast? Die schon im Abzugstest erwähnte Vorrichtung kam auch für die Drehmoment-Prüfung zum Einsatz. Ergänzt durch ein Rohr von genau einem Meter Länge und einer Krafteinleitung im rechten Winkel macht das die Rechnung einfach: 500 Newton im rechten Winkel ergibt ein Drehmoment von 500 Newtonmetern am Knarrenkopf. Im echten Leben und Werkstattalltag sind 500 Nm schlichtweg barbarisch; bei einer durchschnittlichen Knarren-Länge von nur 25 Zentimetern entspricht dieser Wert einer Gewichtskraft von rund 200 Kilogramm auf dem Griffende. Diese 500 Newtonmeter, genauer: 512 Nm sind der Wert, den die DIN 3312 in ihrer Fassung von 2017 als Mindestdrehmoment für solche Werkzeuge vorsieht, bis das Material versagen darf. Ob dabei der Stiel biegt oder die Verzahnung bricht, lässt die Norm offen. Um die Ergebnisse vorwegzunehmen - beileibe nicht alle Prüflinge hielten hier durch, insbesondere im Hinblick auf plastische Verformung. Wer in der Berufsschule aufgepasst hat, kann sich vielleicht noch an das Spannungs-Dehnungs-Diagramm erinnern: Ein Stahlstab unter Zug verformt sich zuerst elastisch, dann plastisch und bricht anschließend. Plastisch verformtes Material ist so "verlängert", dass es sich nicht wieder zurückverformt. Bei unseren Versuchen haben wir genau an diesem Punkt aufgehört: Schluss war spätestens dann, wenn der Stiel "weich" wurde. Da der Test ohne umfangreiche akademische Vorplanung stattfand, ließen sich die Grenzen der Prüfvorrichtung und auch der Prüflinge nur erahnen. Rückblickend betrachtet lagen wir nicht schlecht - und erreichten mit 700 Newton (ca. 280 Kilogramm!) die Grenze der meisten Prüflinge und auch unserer Vorrichtung. Dass wir alle Knarren vor dem Test künstlich "gealtert" haben, sei hier nur am Rande erwähnt. In eine Drehbank eingespannt, wurde jeder Kandidat 10 Minuten bei 110 Umdrehungen pro Minute ohne Last bewegt, was immerhin rund 1.000 Umdrehungen entspricht.

Nüsse knacken

Dass hart beanspruchte Nüsse irgendwann verschleißen, gilt als Binsenweisheit. Aber lassen sich die Dinger auch knacken? Mit einer Variante unserer Drehmoment-Prüfung wollten wir genau das herausbekommen und haben der Einfachheit halber die Schlüsselweite 13 ausgewählt. Sie findet sich typischerweise bei metrischen Sechskantschrauben M8. Bei einer selten hohen Qualität von 12.9 sehen die gängigen Tabellen hier ein Anzugsdrehmoment von maximal 37 Nm vor. Auch dieser Wert ist brutal - eine M8-Schraube der Güte 8.8 wird oft mit weniger als der Hälfte montiert. Als "Messvorrichtung" verwendeten wir einen simplen Drehmoment-Schlüssel sowie ein M10-Schraube in 12.9, deren Sechskant wir auf die passende Schlüsselweite 13mm in der korrekten Tiefe abgefräst haben. Um das Ergebnis an dieser Stelle vorwegzunehmen: Alle Nüsse haben gehalten, der Prüf-Schraube haben wir bei 150 Nm den Hals umgedreht.

Bild & Text: Jens Meyer

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