Foto: GS Yuasa

Batterie

AGM fürs Wohnmobil?

Der Batteriemarkt verändert sich – mit EFB- und AGM sind neue Techniken auf dem Markt. Doch kann man die unterschiedlichen Batterietypen problemlos durchtauschen? Raphael Eckert von GS Yuasa gibt Antworten.

Nachfüllstopfen auf Batterien gibt es im Pkw-Bereich kaum noch, die wartungsarmen Batterien haben das Feld übernommen. Mit dem Aufkommen von Start-Stopp-Systemen kam jedoch neuer Schwung in die Batterieentwicklung. EFB und AGM Batterien tauchten auf – da stellt sich für so manchen Nutzer die Frage, ob ein Upgrade machbar oder sinnvoll ist. Wir haben bei den Batterieexperten von GS Yuasa nachgefragt.

Nehmen wir ein konventionellen Fahrzeug – Bleisäure-Akku ab Werk, entsprechender Laderegler. Kann man den Akku ohne Änderungen durch EFB oder AGM ersetzen?

Raphael Eckert: Zunächst muss man festhalten, auch AGM oder EFB sind Bleisäure Batterien. Diese sind aber hinsichtlich der Anforderungen moderner Fahrzeuge angepasst. Insbesondere das Start/Stopp-Verhalten aber auch die Speicherung von z. B. Bremsenergie spielt hier eine große Rolle. Während eine konventionelle Batterie zwischen 20.000 und 50.000 Starts liefert, schafft eine EFB bis zu 270.000 und eine AGM bis zu 360.000 Starts. Darüber hinaus verfügen beide Typen über eine sehr gute Ladeakzeptanz, die es ermöglicht, hohe Ströme in kurzer Zeit aufzunehmen und zu speichern. Das Upgrade von einer konventionellen auf eine AGM oder EFB ist unter Berücksichtigung der Bauform, der Nennkapazität in Ah und des CCA Wertes gemessen in A grundsätzlich möglich. Die Frage ist natürlich, warum ich dies tun sollte, denn die höhere Spezifikation erkauft sich der Fahrzeughalter durch einen deutlich höheren Preis. Mit anderen Worten, wenn die Fahrzeugtechnik, die Ausrüstung und das Fahrverhalten diese Batterieform nicht verlangt, ist es auch nicht notwendig, diese zu verwenden.

Lohnt sich die Umrüstung von einer Blei-Säure-Batterie auf eine EFB oder AGM Batterie, etwa für ein Fahrzeug mit hohem Kurzstreckenanteil?

Raphael Eckert: Wie in der ersten Frage beschrieben, ist u. a. das Fahrverhalten ausschlaggebend für die Wahl der richtigen Batterie. Bewegt man sich mit einem Fahrzeug ohne Start/Stopp-System hauptsächlich in der Stadt, werden viele Ziele mit kurzen Strecken angefahren (z. B. Lieferdienste), kann die konventionelle Batterie schnell an ihre Grenzen kommen. Hier kann es sinnvoll sein, auf eine EFB oder bei Bedarf auf eine AGM umzurüsten, um die Lebensdauer signifikant zu erhöhen.

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Und andersherum? Nehmen wir einen Touran, der mit einer EFB Batterie für Start-Stopp ausgestattet war? Kann ich dieses Fahrzeug auf eine Blei-Säure-Batterie „downgraden“, wenn der Kunde eine preiswerte Alternative haben möchte, oder funktioniert auch hier nur das „upgrade“ auf eine AGM-Batterie?

Raphael Eckert: Aus den oberen Antworten geht schon hervor, dass ein Downgrade überhaupt nicht zu empfehlen ist. Auch die Betriebsanleitung des Fahrzeugs wird in diesem Fall mindestens eine EFB Type vorschreiben. Der Sprung bei den Startleistungen zwischen einer konventionellen Batterie und einer EFB ist wahnsinnig groß. Im Ergebnis würde die konventionelle Batterie in einem Fahrzeug mit Start/Stopp-System sehr schnell versagen. Ein Upgrade auf eine AGM wäre problemlos.

Wohnmobile sind derzeit sehr beliebt, auch alte Modelle stehen hoch im Kurs. Die Fahrzeuge stehen allerdings die meiste Zeit des Jahres. Welche Empfehlung können Sie für diese Fahrzeuge ausgeben – insbesondere für die Älteren?

Raphael Eckert: Wohnmobile sind in der Regel mit zwei Batterievarianten ausgestattet, einer Starterbatterie und einer Versorgungsbatterie. Üblicherweise handelt es sich in beiden Fällen ebenfalls um Bleisäure-Batterien. Problematisch ist: Beide Batterietypen haben unterschiedliche Selbstentladungsraten bei Nichtnutzung. Während die Versorgungsbatterie bei einer Umgebungstemperatur von 20 Grad Celsius und vollgeladenem Ausgangszustand ca. ein halbes Jahr gelagert werden kann, schafft die Starterbatterie bei gleichen Bedingungen nur ein Viertel Jahr. Der Besitzer eines Wohnmobils sollte also folgendes beachten: Wird das Fahrzeug länger nicht benutzt, sollte er dieses nur mit vollgeladener Batterie abstellen und die Starterbatterie nach einem Vierteljahr per Voltmeter kontrollieren. Liegt die Spannung bei 12,5 V oder darunter, dann nachladen. Das gleiche gilt bei der Versorgungsbatterie. Im besten Fall versorgt man beide Batterien per Ladegerät mit einer sogenannten Erhaltungsladung für die Dauer der Lagerung. Das passende Ladegerät dafür empfiehlt der Batteriehersteller. Bitte beachten, dass man die Batterie zum Laden möglicherweise ausbauen muss, um die Bordelektronik nicht zu beschädigen. Achtung: Bei höheren Temperaturen beschleunigt sich die Selbstentladung, bei niedrigeren verlangsamt sich diese. Belässt man eine teil- oder vollständig entladene Batterie in diesem Zustand, wird diese beschädigt und verliert die Funktion. Eine solche Batterie darf auf keinen Fall mehr geladen werden, da die zugeführte Energie nicht mehr gespeichert, sondern nur noch in Wärme umgewandelt wird. Das kann unter Umständen zum Brand führen.

Nach den Start-Stopp-System folgten die Micro-Hybride, die beim Bremsen die Lichtmaschine nutzen, um Energie zurückzugewinnen. Welche Anforderungen stellen diese Systeme an die Starterbatterie?

Raphael Eckert: Batterien, die in solchen System eingesetzt werden, müssen über eine hohe Ladeakzeptanz verfügen. D. h. sie müssen in der Lage sein, hohe Ströme in kurzer Zeit aufzunehmen. Außerdem müssen diese Batterien eine hohe Zyklenfestigkeit besitzen, da sie neben dem eigentlichen Start-Stopp-Vorgang auch durch andere Verbraucher entladen und durch die Rekuperation auch wieder geladen werden. AGM- und EFB-Batterien verfügen über diese Eigenschaft. Realisiert wird dies durch Additive bei der Plattenlegierung und durch ein spezielles Plattendesign.

Wie grenzen sich die Kalzium-Batterien gegenüber normalen Starterbatterien ab, die Ford einsetzt? Ist hier ein Austausch gegen EFB oder AGM denkbar?

Raphael Eckert: Kalzium ist ein Element, das mit einem sehr geringen Anteil der Plattenlegierung beigemischt wird, um dem an sich eher weichen Blei Stabilität zu verleihen, aber viel wichtiger, um den Wasserverlust zu reduzieren und damit die Lebensdauer der Batterie zu verlängern. Wie gut die Batterie den Wasserverlust eindämmen kann, ist auf der Batterie vermerkt. Die Kennzeichnung W1 bis W5 gibt an, wie gut die Batterie das beherrscht. W1 (gut), W5 (hervorragend). Eine Abgrenzung findet hier nicht statt. Batterien mit gleichen Spezifikationen hinsichtlich Nennspannung, Nennkapazität, CCA-Wert und Bauform sind miteinander kompatibel. Natürlich gilt es auch hier zu beachten, ob das Fahrzeug ggf. nach einer EFB oder auch AGM Type verlangt. Ein Upgrade auf EFB oder AGM ist bei Verfügbarkeit immer möglich, ein Downgrade führt zu Problemen, und zwar unabhängig vom Fahrzeughersteller.