Qualität ist eine Investition mit geringem Risiko

Aktuelle Rückrufe bei Branchenprimus Toyota zeigen, wie notwendig unternehmensübergreifende Qualitätsmanagementsysteme für die Automobilindustrie sind.

Nach der angelaufenen Rückrufaktion in den USA ruft auch Toyota Motor Europe acht Modelle in Europa in die Werkstätten, weil es bei den Fahrzeugen zu einer Fehlfunktion bei der Betätigung des Gaspedals kommen kann. Die Zahl der zu überprüfenden Fahrzeuge soll sich in Deutschland auf 215.796 Einheiten belaufen. Nach dieser Hiobsbotschaft schließt sich die zweite Rückrufwelle an. Der japanische Autokonzern Toyota kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen: Laut japanischen Medienberichten erwägt der weltgrößte Autobauer nun auch, in Japan und den USA den bislang äußerst erfolgreichen Hybridwagen Prius wegen Problemen mit den Bremsen in die Werkstätten zurückzurufen. Laut Welt online soll binnen weniger Tage die zweite Rückrufaktion gestartet und der Prius zurück in die Werkstätten geholt werden. Dieses Mal sind es wohl Bremsprobleme, die diesen Schritt erforderlich machen.

Die Ursachen für den derzeitigen Verkaufs- und Produktionsstopp zahlreicher Toyotamodelle liegen für Wolfgang Kaerkes in einem Mix aus zunehmendem Innovations-, Kosten- und Termindruck. „Rationalisierungs- und Kostendruck dürfen nicht zu Lasten der Produktqualität gehen“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Qualität. Dabei hatte sich der japanische Autokonzern in den vergangenen Jahren zu einem anerkannten Marktführer in Sachen Produkt- und Prozessqualität entwickelt. Derzeit ist der absatzstärkste Automobilhersteller jedoch vom Nimbus der Unfehlbarkeit weit entfernt. „Der Fall verdeutlicht, dass Qualitätsmanagement eine dauerhafte Aufgabe des Unternehmens sein muss," unterstreicht Kaerkes. Dem Vorurteil, Qualität koste zuviel Geld, bringe keinen Gewinn und wecke unrealistische Erwartungen, tritt der DGQ-Geschäftsführer entgegen: „Für Spitzenleistungen muss wie im Hochleistungssport der gesamte Organismus einer Organisation fit gemacht und fit gehalten werden." Dazu zählt er vor allem Qualifizierungsprogramme für Führung und Mitarbeiter. Ausschlaggebend für die Qualität von Produkten und Dienstleistungen seien das Qualitätsmanagement und -bewusstsein im Unternehmen. Gezielte Qualitätsprogramme verbessern seiner Ansicht nach die Betriebsergebnisse und wirkten sich in Form von Effizienz- und Umsatzsteigerungen aus. Gefordert sei dabei insbesondere das Management. „Auch Lieferanten sollten möglichst früh in den Prozess einbezogen werden, um bereits von der Entwicklung an mögliche Fehler auszuschalten“, rät Kaerkes. Das gehöre zu den einfachsten Grundregeln des Qualitätsmanagements.

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